Ein Porträt von Ruderin Judith Guhse © DRV/Seyb Foto: DRV/Seyb

Guhse: Von der Außenseiterin zur Vizeweltmeisterin

Stand: 30.11.2021 06:00 Uhr

Judith Guhse ist nominiert als Sportlerin des Jahres. Die Ruderin gewann Silber bei der U23-Weltmeisterschaft - obwohl ihr das vorher niemand zugetraut hatte.

von Frauke Hain

Judith Guhse hat in diesem Jahr den größten Triumph ihrer noch jungen Karriere gefeiert. Die 19-jährige Ruderin aus Rendsburg und ihre Partnerin zogen im Doppelzweier bei der U23-Weltmeisterschaft mit der schnellsten Halbfinalzeit ins Finale ein - und waren damit plötzlich in der Favoritenrolle im Kampf um eine Medaille. Zugetraut hatte das Judith Guhse im Vorfeld niemand. Eigentlich hatte sie sich vor dem WM schon aus dem deutschen Kader aussortiert gefühlt. "Wir sind mit einem Trainingsstand von Null in die WM-Vorbereitung gegangen", erzählt sie.

"Wir wollten eine Medaille - und haben das niemandem erzählt"

Da die Besetzung des Doppelzweiers lange Zeit unklar war, hatten Guhse und Partnerin Cora Loch gemeinsam nicht viel Zeit zu trainieren. "Wir hatten gar keinen Druck, weil wir wussten, dass von uns nichts erwartet wird. Aber wir waren trotzdem total motiviert und wollten eine Medaille - wir haben das niemandem erzählt", berichtet Guhse. Es war schon eine Weile her, dass ein deutsches Boot im Doppelzweier eine Medaille gewonnen hatte. Und das ist in diesem Boot auch mit am schwierigsten, weil das Meldefeld meist groß und stark ist.

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Chaos im Boot: Schlagzahluhr defekt

Mit dem Finalplatz kam plötzlich die Erwartung. "Dann will man es den anderen zeigen und der Bundestrainerin beweisen - eine Medaille zu holen - auch wenn einem das nicht zugetraut wurde." Nach einem spannenden Dreikampf um Gold gewann das Duo schließlich die Silbermedaille. Was im Boot los war, war von außen nicht zu ahnen: Normalerweise fährt das Duo mit einer Schlagzahluhr im Boot und richtet sich mit dem Tempo genau nach den Durchlaufzeiten. Im Finale funktionierte diese Uhr nicht. "Ich musste das dann nach Gefühl machen und konnte Cora keine Zeiten durchgeben." Trotzdem blieben beide konzentriert. "Wir haben unser Ding gemacht. Das schöne war, dass sie sich auf mich verlassen hat."

Vizeweltmeister-Titel ist Motivation

Im ersten Jahr der U23 schon Vizeweltmeisterin zu werden, ist eine hohe Messlatte - das weiß Judith Guhse selbst. "Es motiviert mich." Der Erfolg aus dem Sommer hat sie bestärkt, dass - obwohl sie zu den Jüngsten gehört - sie oben mitmischen kann. Im neuen Jahr werden die Karten neu gemischt. "Ich würde gerne im Doppelzweier weiterfahren - und gerne zusammen mit Cora. Dafür müssen wir im Ranking nah beieinander liegen und müssen unser Boot gut präsentieren."

Wenn es mal schwierig wird, kann Judith Guhse auf die Unterstützung von zu Hause aus Rendsburg zählen: "Meine Familie ist sehr wichtig. Ich weiß, dass ich mich immer bei meinen Eltern melden kann. Die sagen: 'Mach das so lange, wie es Dir gut tut.' Die machen mir keinen Druck." Ans Aufhören denkt die ehrgeizige Ruderin noch lange nicht, erzählt sie lachend. "Ich freue mich auf alles, was noch kommt. Und wenn es dann irgendwann mit Olympia klappt - das wäre schon wirklich cool."

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