Porträt von Judoka Miriam Butkereit bei der Einkleidung des DOSB in Köln. © picture alliance / dpa Foto: Marius Becker

Butkereit: Grand-Slam-Silber - und trotzdem schwer enttäuscht

Stand: 30.11.2021 06:00 Uhr

Judoka Miriam Butkereit ist nominiert als Sportlerin des Jahres. Sie gewann Silber beim Grand Slam in Tel Aviv und kämpfte ihre erste Weltmeisterschaft - ein gutes Jahr, das trotzdem seine Schattenseite hatte.

von Frauke Hain

Der Grand Slam in Tel Aviv im Februar war der beste Wettkampf, den Judoka Miriam Butkereit aus Glinde (Kreis Stormarn) bisher in ihrer Karriere gekämpft hat. Das sagt die 27-Jährige so selbst und erklärt: "Ich habe dort die amtierende Weltmeisterin geschlagen. Im Vorkampf habe ich die viermalige Europameisterin geschlagen und die Fünftplatzierte von Olympia 2016. Ich habe so viele gute Leute geschlagen, was mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben hat." Sie wurde Zweite und mit dem guten Ergebnis hatte sie immer noch die Hoffnung, dass sie es zu den Olympischen Spielen schaffen könnte.

Große Enttäuschung: "Ich verstehe die Entscheidung bis heute nicht"

Für Tokio war durch die Verschiebung der Spiele allerdings bislang ihre nationale Kontrahentin der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm nominiert. Miriam Butkereit dachte, wenn sie in diesem Jahr die besseren Ergebnisse liefert, dann würde sich an dieser Entscheidung noch etwas ändern. Am Ende war es trotzdem nicht sie, die fahren durfte. "Ich verstehe die Entscheidung bis heute nicht. Aber sie wurde nun mal getroffen. Daran kann ich leider nichts ändern", sagt die Polizeimeisterin und ist immer noch enttäuscht.

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Mit Druck zur Weltmeisterschaft

Trotz des Dämpfers war Miriam Butkereits Jahr sehr gut. Bei ihrer ersten Weltmeisterschaft wurde sie im Juni Fünfte. "Unter dem Druck war es super schwer zu kämpfen", erzählt sie. Sie ist zufrieden mit dem Ergebnis - obwohl sie sagt, dass sie kämpferisch nicht das geleistet hat, was sie hätte leisten können. Möglicherweise wäre das ohne den Druck anders gewesen, glaubt sie. Aber: "Ich bin zuversichtlich, dass ich es nächstes Jahr besser machen werde."

Verletzungspause im Sommer

Der Olympia-Qualifikationszeitraum von drei Jahren war nicht nur "super stressig für den Kopf". Butkereit plagten Rückenprobleme, die sie immer wieder hinten angestellt hatte. Im Sommer nahm sie sich die nötige Pause, um sich um den Körper zu kümmern. Es folgte ein langsamer Einstieg zurück. Der Grand Slam Anfang November war der erste Wettkampf nach der Verletzungspause. Miriam Butkereit galt als Favoritin und wurde Dritte. Mit dem Ergebnis ist sie nicht ganz zufrieden. "Jeder will ja insgeheim gewinnen. Und so bin ich auch hingefahren."

Zielstrebig und ehrgeizig: "Ich bin eine Person, die nie aufgibt"

Miriam Butkereit beschreibt sich selbst als zielstrebig und ehrgeizig. "Manchmal auch ein bisschen zu ehrgeizig", gibt sie zu. Um den Kopf frei zu bekommen, verbringt sie Zeit draußen mit ihrem Hund oder vor der Nähmaschine - bevor es wieder zum Training geht. "Fröhlich bin ich - auf der Judomatte auf jeden Fall, weil es mir so viel Spaß bringt. Ich kann aber auch mürrisch sein, wenn mir Sachen nicht so sehr Spaß bringen. Und ich sage, wenn mir etwas nicht passt." Und so erzählt sie, dass sie im Nachhinein erfuhr, dass sie selbst dann nicht nach Tokio hätte fahren dürfen, wenn sie Weltmeisterin geworden wäre. Vielleicht macht sie das so stark: "Ich bin eine Person, die nie aufgibt. Olympia ist weiterhin das große Ziel."

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