Stand: 24.08.2015 10:30 Uhr  | Archiv

Maccabi Games: Sportlich alles koscher

von Andreas Bellinger, Anne Strauch und Andreas Tietje
Alon Meyer ist Präsident von Makkabi Deutschland und Organisator der Makkabiade. © Imago
Alon Meyer ist Präsident von Makkabi Deutschland und Organisator der Makkabiade.

Aber was sind diese Spiele eigentlich, die für Aufregung gesorgt haben in und um Berlin, obwohl die Wettkämpfe zumeist vor spärlicher Kulisse stattfanden? So etwas wie die Olympischen Spiele der jüdischen Sportlerinnen, könnte man sagen. Wichtiger als ein Vergleich der sportlichen Wertigkeit mit Olympia war bei den Spielen in Berlin - für die sich kein namhafter Sponsor fand, sodass sich jeder Sportler mit rund 1.000 Euro an den Kosten beteiligen musste - jedoch die Symbolik. Die separate Veranstaltung der Juden habe sich noch lange nicht überlebt, erklärte Makkabi-Chef Meyer: "Man darf doch nicht vergessen, warum die Bewegung gegründet wurde. Es wäre ja schlimm, wenn wir diese Tradition nicht bewahren würden. Aber wir zeigen auch, dass Sport verbindet."

Erinnerungen an Olympia 1972

Wie bei Olympia hatte die Sicherheit der Athleten oberste Priorität - der Horror des Attentats auf die israelische Olympia-Mannschaft 1972 in München ist unvergessen. In Berlin waren rund 600 Polizisten im Einsatz, um die Maccabi-Sportler zu schützen. "Ich fühle mich hier so sicher, wie nirgends auf der Welt", sagte Meyer. Den Sportlern wurde dennoch geraten, auf der Straße nicht den David-Stern oder die Kippa (Kopfbedeckung) zu zeigen. Vor allem nicht entlang der Sonnenallee im Multikulti-Stadtteil Neukölln, in dem das Athleten-Hotel lag. Ausgerechnet im "Gazastreifen", wie die Straße im Volksmund wegen der vielen arabischen Händler und Geschäfte heißt. Sicherheit könne man hier nicht zu hundert Prozent garantieren, meinte Neuköllns Bürgermeisterin, Franziska Giffey. Es gab Drohungen im Internet, aber die Polizei hatte alles im Griff, patrouillierte und kontrollierte rund um die Uhr.

"Wenn da ein Viech drauf sitzt, platzt die ganze Veranstaltung"

"Sicherheitsstandards" unterlag auch das Essen in der Herberge. "Koscher" war das Stichwort. "Koscher kommt aus dem Hebräischen und heißt korrekt", erklärte Leonid Golzmann und führte das Sportclub-Team des NDR durch die Küche, in der während der Maccabi Games alle auf sein Kommando hörten. Hören mussten, denn Golzmann war der Maschgiach, der Koscher-Inspektor, ohne dessen Okay überhaupt nichts ging. In der koscheren Küche herrscht strikte Trennung zwischen Fleischigem und Milchigem. "Das ist Pflicht, daran geht kein Weg vorbei", sagte Golzmann. Seinem prüfenden Blick entging nichts. Mindestens sechs Stunden müssen zwischen dem Verzehr von Fleisch und Milchprodukten liegen. So ist es vorgeschrieben. Verboten ist ebenso, wenn etwas kreucht und fleucht. Im Salat zum Beispiel. "Gute Kontrolle ist sehr wichtig; das meine ich total ernst", mahnte Golzmann streng und zeigte auf den Salatkopf in seiner Hand: "Wenn da ein Viech drauf sitzt, platzt die ganze Veranstaltung."  

"Ausruhen bedeutet: Man darf nichts verändern"

Teilnehmer bei den Maccabi Games in Berlin © Anne Strauch
Die Hockey-Mädels der Familie Geldmann bei den Maccabi Games in Berlin.

"Wir sind nicht unglaublich religiös", erzählte Dinah Geldmann und nahm einen Bissen koscheren Essens, das jeden Tag für alle Athleten zubereitet wurde. "Aber es bedeutet uns etwas, jüdisch zu sein, und wir sagen das auch." Sabbat feiert die Familie natürlich. "Wenn es mal nicht klappt, ist es aber auch nicht dramatisch." Golzmann: "Am Sabbat dürfen wir Nichts erschaffen. Gott ruhte sich am siebten Tag aus. Und Ausruhen bedeutet: Man darf nichts verändern." Am Sabbat vom Freitagabend bis Samstagabend ruhten auch die Maccabi Games. Zeit, sich ein bisschen Berlin anzuschauen. Auch Tomer Almagor aus Haifa schaute sich die Gedächtniskirche und den Kurfürstendamm an. Der 16 Jahre alte Basketballer war zum ersten Mal in Deutschland. Obwohl auch seiner Familie von den Nazis großes Leid zugefügt wurde, schwärmte er von einem tollen Land: "Ich habe eine Menge gelernt über mich selbst, aber auch über die Geschichte, über Berlin und die Juden." Im Finale gegen die US-Junioren musste er sich mit Silber begnügen. "Nur Platz zwei", ärgerte er sich - so wie Leah und Dinah vom Club an der Alster und ihre Schwester Sarah Geldmann, die beim Steglitzer TK in Berlin spielt. In zwei Jahren können sie es in Tel Aviv besser machen.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 23.08.2015 | 23:35 Uhr

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