Stand: 24.08.2015 10:30 Uhr  | Archiv

Maccabi Games: Sportlich alles koscher

von Andreas Bellinger, Anne Strauch und Andreas Tietje

Zum ersten Mal machten die Maccabi Games der jüdischen Sportler in Deutschland Station. 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fand die 14. europäische Auflage mit 2.300 Athleten aus 36 Ländern an symbolträchtiger Stätte auf dem Berliner Olympiagelände statt. Ausgerechnet dort, wo jüdische Sportler bei den Sommerspielen 1936 diskriminiert wurden; ausgerechnet in dem Land, das den Holocaust zu verantworten hat. Aus Hamburg waren drei Hockey-Schwestern in Berlin im vorigen Monat am Start. In der Sportclub Story des NDR erzählen sie über ihren sportlichen Erfolg und welche Bedeutung Religion und Sabbat für sie haben. Und was macht eigentlich der Koscher-Inspektor?

Silber für die Hockey-Schwestern

Mark Spitz hat schon mal mitgemacht und Henry Kissinger. Auch die drei Hockey-Mädels der Familie Geldmann aus Hamburg sind - wie die Schwimm-Legende und der US-Außenminister - nun stolz darauf, dabei gewesen zu sein. Silber haben sie geholt mit der deutschen Nationalmannschaft, in der eines besonders ist: Alle Spielerinnen im Team sind jüdischen Glaubens. Im Finale unterlagen sie bei den 14. European Maccabi Games im August in Berlin den Favoritinnen aus den Niederlanden mit 2:5; und natürlich waren Sarah, Leah und Dinah Geldmann nicht besonders erfreut darüber. "Silber ist auch nicht schlecht", sagte die 25-Jährige Sarah mit der Plakette um den Hals sichtlich enttäuscht und ergänzte fast ein bisschen trotzig: "Wir waren im Finale, haben eine Medaille gewonnen, und das wollten wir. Jetzt feiern wir eben Silber."

Werbung für ein "lebenswertes Land"

Doch die Blicke verrieten, dass sie sportlich mehr erhofft bei ihren Heimspielen. An geschichtsträchtiger Stelle, was Bundespräsident Joachim Gauck bei der Eröffnungsfeier in der Waldbühne als "besonderes Symbol" bezeichnete: "Dass sich jüdische Sportler im Schatten des Olympiastadions versammeln, um sich im sportlichen Wettstreit zu messen." Im Land des Holocaust, an dem Platz, wo der Juden-Hass bei den Olympischen Spielen 1936 von der Welt hingenommen und die Ausgrenzung der Juden manifestiert wurde. Die Maccabi Games in Berlin sollten, 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, aber  auch "Werbung machen für unser Land", betonte Cheforganisator Alon Meyer. "Wir wollten zeigen, dass dies hier auch für Juden ein lebenswertes Land ist."

Maccabi Games wie ein kleines Olympia

Meyer ist 41 Jahre alt und Präsident von "Makkabi Deutschland e.V." - nationaler Präsident also der weltweiten Bewegung jüdischer Sportvereine, die als Reaktion auf die Ausgrenzung jüdischer Sportler in den 1920er-Jahren entstand und heute rund 400.000 Mitglieder in mehr als 60 Ländern der Erde hat. Einer der ersten jüdischen Sportvereine, Bar Kochba, wurde 1898 in Berlin gegründet. Im Dritten Reich durften Juden nach der Reichspogromnacht 1938 überhaupt keinen Sport mehr treiben. Vielfach bekannt wurde der Name Makkabi, der auf den jüdischen Freiheitskämpfer Judas Makkabäus zurückgeht, der im zweiten Jahrhundert vor Christus gelebt hat, vor allem durch die Fußballer von Maccabi Tel Aviv, aber auch die Basketballer des Vereins.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 23.08.2015 | 23:35 Uhr

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