Lennard Kämna © picture alliance/dpa | David Inderlied

Tour de France: "Freigeist" Kämna formstark und angriffslustig

Stand: 01.07.2022 09:23 Uhr

Nach einem schwierigen Jahr 2021 hat sich Radprofi Lennard Kämna zum Start der Tour de France stark zurückgemeldet. Wie schon beim Giro d' Italia wird der Norddeutsche einige Freiheiten erhalten. Ein Etappensieg ist das Traumziel.

Der deutsche Meisteritel im Zeitfahren, Platz acht beim Giro: Keine Frage, Lennard Kämna ist zurück und präsentiert sich passend zum Start der Tour de France heute in Kopenhagen in Topform. Beim Gedanken an den legendären Alpe d'Huez gerät der 25-Jährige ins Schwärmen: "Das ist ein historischer Anstieg. Ich bin dort als Jugendlicher hochgefahren, jetzt freue ich mich, es als Profi zu machen."

Bis es bei der 109. Tour de France auf die Königsetappe in das Skiresort geht, muss sich das deutsche Rundfahrttalent allerdings noch etwas gedulden. Erst am 14. Juli steigt das Spektakel der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt. Die letzte Etappe in Paris steht am 24. Juli an.

Kämna: "Bin sehr motiviert und in guter Form"

Bis dahin lohnt es sich zu kämpfen - für sein Ziel: einen Etappensieg. 2020 gelang Kämna das bereits - in Villard-de-Lans. "Ich bin sehr motiviert und in guter Form", betont Kämna vor dem Start der Rundfahrt in Dänemarks Hauptstadt. Der Fahrer vom Team Bora-hansgrohe habe keine bestimmte Etappe im Sinn, aber es gebe "viele gute Chancen für Ausreißer. Ich werde es definitiv versuchen."

In Südarfika die Lust aufs Radfahren wiederentdeckt

Der Norddeutsche hat sich nach einem schweren und von mentalen Problemen geprägten Jahr 2021 zurückgemeldet. Nach seinem Etappensieg vor zwei Jahren rutschte Kämna nach und nach in ein Stimmungsloch, das ihn fast die Karriere gekostet hätte. Teamchef Ralph Denk schickte ihn auf einen Mountainbike-Trip nach Südafrika. Erst dieses Erlebnis weckte die Lust in Kämna wieder.

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"Ich bin stolz, dass wir ihm wieder den Spaß am Radsport vermitteln konnten", so Denk. Kämna möchte heute nicht mehr über diese Zeit sprechen. Sein Blick geht nach vorn. Die Probleme scheinen überwunden zu sein.

Deutscher Meister im Zeitfahren

Obwohl er bereits 2020 eine Tour-Etappe gewonnen hat, gilt Kämna als Entdeckung der Saison. Der in Wedel geborene Profi ist gewissermaßen wieder auferstanden. Bereits beim Giro im Mai gewann er die schwere Etappe auf dem Ätna. Und am vergangenen Wochenende holte er erstmals den deutschen Meistertitel im Zeitfahren. Kämna hat wieder Spaß, und sein Team Bora-hansgrohe an ihm. Weil er starke Ergebnisse und spektakuläre Fluchten liefert, wurde der Vertrag mit dem talentierten Rundfahrer kurz vor Beginn der Tour vorzeitig verlängert.

"Er ist ein Stück weit ein Freigeist." Teamchef Ralph Denk

Bei der Tour soll Kämna den Bora-Kapitän Alexander Wlassow in den Bergen unterstützen, wird aber wie schon beim Giro Freiheiten bekommen. Diese sind offenbar wichtig für ihn, um sein volles Potenzial entfalten zu können.

"Freestyle" beim Giro-Zeitfahren überzeugt

"Er ist ein Stück weit ein Freigeist", sagt Denk und berichtet vom ersten Zeitfahren des Giro d'Italia, bei dem Kämna überraschend Platz acht belegte: "Das hat er aus dem Hut gezaubert. Er hat sich die Strecke kaum angeschaut und war ohne Funkverbindung. Er wollte das freestyle fahren."

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Die Tour de France startet in Kopenhagen mit dem Auftaktzeitfahren über 13,2 Kilometer. Als Kandidat für den Sieg sieht sich der fühere Junioren-Weltmeister im Kampf gegen die Uhr nicht. Da seien die Zeitfahrspezialisten dran, auf diesem Level sei er noch nicht. "Ich schaue mal, wo ich lande", so Kämna. Ein Etappensieg bleibt der ersehnte Traum. Ein großes Talet mit großen Zielen. Für Kämna und auch den deutschen Radsport ist das eine gute Nachricht. Denn Fahrer seiner Klasse gibt es hierzulande nicht mehr viele.

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Sport aktuell | 30.06.2022 | 10:17 Uhr

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