Sportler und Social Media: Wie umgehen mit Neid und Hass?

Stand: 20.12.2020 21:45 Uhr

Reich, erfolgreich und berühmt: Profisportler werden in den sozialen Netzwerken verehrt. Doch wehe, wenn es nicht läuft. Für viele sind die sozialen Medien Fluch und Segen zugleich.

von Patrick Halatsch

HSV-Profi Sonny Kittel hat seinen Instagram-Account gelöscht, weil ihm besonders nach einem überflüssigen Platzverweis und der Niederlage seines Clubs blanker Hass entgegenschlug. Hanno Behrens vom 1. FC Nürnberg erhielt im Frühjahr sogar Morddrohungen. "Das war schon ein merkwürdiges Gefühl. Angst hatte ich nicht, aber es hat mich beschäftigt, wie Leute darauf kommen, so etwas zu schreiben. Das hat niemand verdient", sagte er dem NDR.

"Das ist der falsche Weg"

Nürnbergs Medienchef Christian Bönig findet deutliche Worte: "Das Problem ist, dass die meisten Leute gar nicht den Menschen hinter dem Sportler sehen. Es geht nur um einen Profi, der viel Geld verdient und gefälligst eine Maschine zu sein hat. Ob der vorher die Nacht durchgekotzt hat und deswegen vielleicht gar nicht sein Leistungslimit erreichen kann, das interessiert keinen. Er hat nicht performed, er ist scheiße. Das ist der falsche Weg."

"Es gibt Grenzüberschreitungen, denen man energisch entgegentreten muss. Es darf nicht sein, dass jeder Hans und Franz heutzutage die Tastatur in die Hand nimmt und Dinge über einen Menschen schreiben kann, wie es ihm gefällt, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden." Ole Werner, Trainer Holstein Kiel

"Man muss versuchen, da drüberzustehen", rät Profi-Boxer Dominic Bösel: "Mit dem Erfolg kommt das leider. In Deutschland hat man dann nicht nur Freunde, sondern auch viele Neider." Der deutsche Tennis-Meister Benjamin Hassan, der auch die libanesische Staatsbürgerschaft besitzt, bekommt es oft mit rassistischen Beleidigungen zu tun: "Sie nennen mich Nigger, scheiß Terrorist und wünschen mir und meiner Mutter alle möglichen Krankheiten."

Anonyme Hetzer hinterlassen im Internet Spuren

Absender sind oft Menschen, die Geld durch geplatzte Sportwetten verloren haben. In der Tennis-Szene sind die Probleme bekannt. Aber die Verbände zeigen wenig Initiative gegen die Hetze im Netz. Im vergangenen Mai im Westerwald stand das erste, wenn auch kleine Turnier nach der Corona-Pause besonders im Fokus der Wett-Zocker. Als sich dort die üblen Nachrichten an die Spieler häufen, reagierte Veranstalter Rodney Rapson: "Als Tennisspieler auf der Tour muss man damit leben, das akzeptiere ich nicht auf meinem Tennisturnier", konstatierte er.

Zusammen mit einer Schweizer Firma, die spezialisiert ist auf digitale Datenrecherche vor allem im Hinblick auf Wettbetrug, fand der Turnier-Initiator eine Lösung. Die Firma nutzte ihr Know-how, um die anonymen Internet-Hetzer im Tennis ausfindig zu machen. Denn viele hinterlassen Spuren. Besonders schwere Fälle gehen an die Polizei und werden strafrechtlich verfolgt. Nicht nur Behrens findet es gut, aktiv dagegen vorzugehen: "Ich glaube, dass das Thema wichtig ist und es immer mehr werden wird. Man darf den Leuten nicht das Gefühl geben, dass sie im Internet schreiben können, was sie wollen."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 20.12.2020 | 22:50 Uhr

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