Stand: 01.07.2015 16:48 Uhr  | Archiv

Schwimmstar Sandra Völker: Untergehen gilt nicht

von Andreas Bellinger, NDR.de und Anne Strauch, NDR Fernsehen

Den einfachen Weg hat Sandra Völker nicht immer gefunden. Als Weltklasse-Schwimmerin nicht und auch nicht im Privaten. Aufhören wollte sie einige Male und machte dann doch weiter. "Ich wollte das, weil ich davon gelebt habe", sagt die 41-Jährige. In Atlanta 1996 feierte sie ihren größten Erfolg, holte olympisches Silber und zweimal Bronze. Doch in den 18 Jahren ihrer Karriere gab es auch bittere Pleiten für die Norddeutsche. Ein schlimmer Schlag war 2013 die Privatinsolvenz. Ihre Medaillen sind weg, aber: "Die Emotionen kann man nicht ersteigern."

Der große Tag begann so gar nicht spektakulär. Irgendwie fühlte sie sich nach dem Aufstehen sogar unwohl - auf jeden Fall nicht siegessicher. Schlecht geschlafen hatte sie, sich immer wieder hin und her gewälzt in ihrem Bett im olympischen Dorf. "Ich war supernervös und bin bestimmt dreimal aufgewacht", sagt Sandra Völker. Ihr strahlendes Lächeln verrät im Interview am Beckenrand aber gleich, dass am Ende doch alles gut war - damals im Endlauf über 100 m Freistil bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Wenn sie diesen Tag nur hätte festhalten können. "Es ist der Oberkracher, wenn man im Finale einläuft." Die Lübeckerin hat diese Momente immer geliebt, auch wenn sie sich hinter der dunklen Brille und tief ins Gesicht gezogenen Badekappe versteckte. So wie damals, als ihr der gerade in die IOC-Exekutive gewählte Thomas Bach von der Tribüne aus zujubelte, während sie stolz und lächelnd die silberne Medaille präsentierte.

Das Girlie und die spröde Norddeutsche

Erst viel später realisierte sie, "was ich da geleistet habe". Als Favoritin war sie nach Atlanta gekommen, nachdem sie bei den deutschen Meisterschaften ihre Dauerrivalin Franziska van Almsick deutlich besiegt hatte. "Es war nicht mein vordringlichstes Ziel, Franziska zu schlagen", sagt der Schwimmstar dem NDR Sportclub. Die beiden Aushängeschilder des deutschen Schwimmsports waren extrem verschieden: die eine das junge Girlie aus Berlin, die andere die spröde und unbequeme Norddeutsche. "Ich hatte schon damit zu kämpfen, dass sie die ganze Aufmerksamkeit bekommt, obwohl ich erfolgreicher war", erzählt Völker. Trainer Dirk Lange, der damals auch ihr Lebensgefährte war, wollte das so nicht akzeptieren und meinte, sie sollte die Kontrahentin aus Berlin ruhig mal kritisieren. Eine zielführende Maßnahme, denn fortan stand auch Sandra Völker im Mittelpunkt.

Auch Völker profitiert vom "Franzi"-Hype

Mittlerweile stehen die beiden Mütter über dieser Episode. Sandra Völker weiß sehr wohl, dass "Franzi" auch ihr geholfen hat: "Wenn wir sie nicht gehabt hätten, wäre der Schwimmsport viel uninteressanter, weniger in den Medien gewesen. Wir alle sind immer mit erwähnt worden und haben Sendezeiten gekriegt, die wir sonst nie gekriegt hätten." Auch wenn das große Geld nur van Almsick machte; schlecht ging es auch Sandra Völker nicht. Und deshalb wollte die am 1. April 1974 in Lübeck geborene Athletin nach dem Abitur nicht studieren, sondern Karriere als Profi-Schwimmerin machen. "Im schlimmsten Fall falle ich durchs Netz", erkannte sie damals in einer Talk-Runde. Als hätte sie geahnt, was Jahre später passieren sollte. Nach Silber und zweimal Bronze (50 m Freistil, Staffel) bei Olympischen Spielen, drei WM-Titeln auf der Kurzbahn und einem auf der 50-m-Bahn sowie etlichen Weltrekorden und 44 deutschen Meisterschaften musste sie 2013 Privatinsolvenz anmelden. Und alle ihre Trophäen versteigern.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 03.05.2015 | 23:35 Uhr

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