Franziska van Almsick steht im Erlebnisbad "Rulantica" in Rust und hält ein Exemplar ihres Buches "Paul und Paulina - Baderegeln leicht gemacht" in der Hand. © picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth

Generation von Nichtschwimmern: Van Almsick schlägt Alarm

Stand: 27.05.2021 09:42 Uhr

Wegen der lange geschlossenen Schwimmhallen während der Corona-Pandemie rollt ein Problem auf die Gesellschaft und den Sport zu. Nicht nur Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick schlägt Alarm.

von Elli Hyra

In den vergangenen Monaten waren die Hallenbäder in Deutschland aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen, der Schwimmbetrieb stand still. Die Folgen - gerade für Nichtschwimmer - sind fatal. Deutschlands früherer Schwimm-Star Franziska van Almsick schlägt Alarm: "Meine Sorgen sind supergroß. Vor der Pandemie konnte jeder zweite Drittklässler in Deutschland nicht sicher schwimmen", sagt die mehrfache Welt- und Europameisterin dem NDR. "Ich rechne mit einer ganzen Generation, die nicht schwimmen lernen konnte. Das ist echt tragisch."

Van Almsick: "Wir brauchen Schwimmflächen"

Wegen der monatelangen Bäderschließungen warten Tausende Kinder darauf, endlich ihr Seepferdchen oder Bronzeabzeichen machen zu können. Die Wartezeit bei Schwimmkursen hat sich inzwischen enorm angestaut, in Hamburg zum Beispiel auf zwei Jahre. Eine lange Zeit, die für Nichtschwimmer fatale Folgen haben kann. "Wir brauchen mehr Schwimmflächen", appelliert van Almsick. "Wir brauchen Wasserflächen, wir brauchen Platz. Und der ist rar. Und deshalb wird das Nachholen von Schwimmunterricht wirklich schwierig."

"Ich rechne mit einer ganzen Generation, die nicht schwimmen lernen konnte. Das ist echt tragisch." Franziska van Almsick

Im Flensburger Campusbad sind dank eines Sport-Modellprojektes in Schleswig-Holstein die Hallentüren seit drei Wochen wieder für Schwimmkurse geöffnet. Viele Kinder müssen nach der Zwangspause bei Null anfangen.

Schwimmtrainerin: "Die Kinder haben viel verlernt"

Saskia Grotmaack, Schwimmtrainerin beim TSB Flensburg, bereitet das ernsthafte Sorgen. "Die Kinder haben motorische Schwierigkeiten. Sie haben viel verlernt. Wissen nicht mehr, wie sie die Arme und Beine richtig strecken." In Hamburg sollen immerhin Anfang Juni wieder Schwimmkurse möglich sein.

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Trotzdem blicken die Experten mit Sorge auf den anstehenden Sommer. Dann wird es auch wieder viele Kinder ins Wasser ziehen, die aufgrund der Pandemie nicht schwimmen lernen konnten. Van Almsick appelliert an alle, wachsam zu sein. Nur so könnten Badeunfälle vermieden werden.

"Jeder Einzelne ist in diesem Sommer gefragt. Jeder muss am Wasser aufmerksam sein. Jeder Einzelne muss ein bisschen Bademeister sein." Franziska van Almsick

"Ertrinken ist noch immer die zweithäufigste Unfalltodesursache bei Kindern", sagt van Almsick und warnt: "Wasser ist ein sehr respektvolles Element. Auf der einen Seite ist es schön und verlockend, und auf der anderen Seite kann für viele so gefährlich sein. Und das müssen wir verändern."

Van Almsick engagiert sich für bessere Schwimmausbildung

Die frühere Weltklasse-Schwimmerin engagiert sich mit ihrer "Franziska van Almsick Stiftung" seit Jahren für eine bessere Schwimmausbildung. Sie will erreichen, dass wirklich jedes Kind in Deutschland eine Schwimmart beherrscht. Ein Ziel, das gerade jetzt in weite Ferne zu rücken erscheint.

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