Stand: 30.08.2018 11:54 Uhr

Schenk darf Olympia-Gold behalten

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War erfolgreich, aber nach eigenen Angaben gedopt: Christian Schenk.

Zehnkampf-Olympiasieger Christian Schenk darf nach seinem Doping-Geständnis die Goldmedaille von 1988 behalten. "Aufgrund der Verjährungsfrist wird das IOC diesen Fall nicht weiter verfolgen", teilte das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit. Schenk hatte in seiner Autobiografie "Riss - mein Leben zwischen Hymne und Hölle" erstmals zugegeben, dass er in seiner aktiven Karriere gedopt hat. "Wir begrüßen das Geständnis und hoffen, dass es helfen kann, die Situation zu klären und den Kampf gegen Doping zu stärken", erklärte das IOC.

"Mittel, über die man besser nicht sprach"

"Ich habe gedopt, und ich wusste, dass ich dope", schreibt Schenk: "Anfangs bestritt ich, jemals verbotene Mittel eingenommen zu haben. Dann legte ich mir die juristisch etwas weichere Antwort zurecht, ich hätte nie wissentlich gedopt. Beides war gelogen", so der 53-Jährige, der bei den Sommerspielen 1988 in Seoul für die DDR die Goldmedaille gewann. Mit 20 Jahren sei er zum ersten Mal gedopt worden. "1985. Für mich war das wie das Erreichen der nächsten Stufe, fast eine Würdigung", sagte der ehemalige Weltklasse-Leichtathlet: "Die Pillen zu bekommen, das bedeutete, dass ich in den Kader aufgenommen war, von dem besondere Leistungen erwartet wurden." Niemand habe mit ihm "über Nebenwirkungen oder Risiken" gesprochen: sein Trainer nicht und auch nicht sein Vater - ein Mediziner.

Christian Schenk diskutiert mit Sportinteressierten.

Ex-Zehnkampf-Star Schenk gesteht Doping

Nordmagazin -

Olympiasieger Christian Schenk hat die Einnahme von Dopingmitteln zugegeben. In seiner Autobiografie schreibt der Ex-Zehnkampf-Star, er habe das Mittel Oral Turinabol genommen.

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Er habe zwar nicht von Anfang an wissentlich gedopt, aber lange habe es nicht gedauert, bis er begriff, "dass es Mittel waren, über die man besser nicht sprach". In dem Buch, das am 3. September erscheint, gibt der gebürtige Rostocker unter anderem zu, in seiner Zeit als Athlet der DDR das Mittel Oral-Turinabol genommen zu haben.

"Wir nannten sie Smarties"

Im Höhentrainingslager im bulgarischen Belmeken habe er erlebt, "dass zu den Mahlzeiten auf den Tellern der Athleten die verschiedensten Pillen ausgeschüttet wurden", schreibt Schenk, der nach der Wende vom SC Empor Rostock zum USC Mainz wechselte. "Wir nannten sie Smarties. Was genau wir da schluckten, weiß ich nicht. Angeblich waren es Vitamine und Mineralien."

Er erinnerte auch "an eine spezielle Behandlung" der Sportärzte von Empor Rostock: Dabei sei ihm Blut abgenommen worden "und nach UV-Bestrahlung und Beigabe eines Vitamincocktails wieder injiziert. Angeblich um Infektionen vorzubeugen. Demnach sollte das bestrahlte Blut im Körper wie ein Code wirken, der dazu führte, dass etwaig vorhandenen Krankheitserregern der Garaus gemacht wurde. So ungefähr erklärte der Arzt mir das."

Scharfe Kritik von Europameister Abele

Zehnkampf-Europameister Arthur Abele kritisierte Schenk sowohl für Doping als auch für dessen spätes Geständnis. "Dass er so lange geschwiegen hat, finde ich beschämend. Da hätte er eher mal den Cut machen müssen. Das war ein Riesenfehler von ihm", sagte der 32-Jährige aus Ulm. Abele hatte im August bei der EM im Berliner Olympiastadion Gold gewonnen. "Doping ist ein No-go. Das ist illegal, das gehört nicht in den Sport, und das ist unfair gegenüber den sauberen Athleten. Das ist eine absolute Frechheit", so der älteste Zehnkampf-Europameister der Geschichte.

Er hielt sich für den Berlin-Attentäter

Schenk, der 1990 Europameister wurde und 1991 Bronze bei der WM gewann, beendete seine sportliche Karriere 1994. Im Anschluss habe er unter einer bipolaren Störung gelitten, dazu gehörten Depressionen und Verfolgungswahn, berichtete Schenk in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Die Depressionen waren so tief gewesen, dass ich sogar daran gedacht hatte, meinem Leben ein Ende zu setzen."

In seinem Buch beschreibt der ehemalige Zehnkämpfer seine vermeintliche Flucht vor der Polizei an Silvester 2016. Sie sei eine Folge seiner seit 2009 bestehenden Krankheit gewesen: "Ich hielt mich für Anis Amri, den Attentäter vom Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz. Das war für mich der Horror. Ich habe mich vollständig mit ihm identifiziert. Meine Ärzte und ich haben das bis heute nicht aufklären können."

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