Ein in rot gekleideter Schwimmlehrer kniet am Beckenrand, in dem Kinder schwimmen. © NDR Foto: Julian Marxsen

SH: Malenter Projekt könnte Vorbild für Schwimmkurse werden

Stand: 04.05.2021 05:00 Uhr

Laut Landessportverband (LSV) konnten bisher fast 30.000 Kinder in Schleswig-Holstein wegen der Corona-Einschränkungen nicht schwimmen lernen. Deshalb starten LSV, Schwimmverband und DLRG in Malente (Kreis Ostholstein) eine Schwimmlernoffensive.

Die Offensive soll dafür werben, dass wieder mehr Bäder für den Unterricht öffnen - und damit ein Vorbild sein. Kurse in der Malenter Schwimmhalle sollen zeigen, wie Kinder in Pandemie-Zeiten sicher schwimmen lernen können. Der LSV hat einen Leitfaden entwickelt, abgestimmt mit dem Gesundheitsamt: Im Becken gilt ein Abstand von zwei Metern. Überholen ist nicht erlaubt. Es muss feste Schwimmgruppen geben und maximal acht Kinder pro Doppelbahn. Gemeinsames Duschen danach gibt es auch nicht. Getestet wird derzeit ohnehin in der Schule zwei Mal in der Woche. Laut Landesverordnung ist der Schwimmunterricht für Kinder bis 14 Jahren mit entsprechendem Sicherheitskonzept erlaubt.

Ein Junge schwimmt in einem Schwimmbad © Colourbox Foto: Deyan Georgiev
AUDIO: "Bäder müssen endlich aufmachen" (4 Min)

Die meisten Schwimmhallen sind noch geschlossen

Drei Kinder springen vom Beckenrand einer Schwimmhalle ins Wasser. © NDR Foto: Julian Marxsen
In Malente erproben die ersten Kinder, wie Schwimmunterricht in Pandemiezeiten funktionieren kann.

In Kiel oder Flensburg werden bereits Kurse angeboten. Die meisten Schwimmhallen in Schleswig-Holstein sind aber noch geschlossen. In anderen Städten, wie zum Beispiel in Lübeck, gab es zuletzt Bedenken, dass die Infektionsgefahr in feuchten Schwimmhallen zu groß sein könnte. Auch Lübecks Schwimmbäder-Chef Björn Hoppe will einen Antrag mit Konzept stellen. Er hofft, dass die Hallen in Lübeck bald für Kurse öffnen dürfen. Dieselbe Hoffnung hat das Husum-Bad.

Nicht schwimmen können ist Sicherheitsfaktor

LSV und DLRG fordern die Öffnung. "Die Bäder müssen endlich aufmachen. Weil wir eine große Nachfrage schon vor Corona hatten und einen Stau in den Schwimmschulen bei den Seepferdchenabzeichen, aber auch im Bereich Bronze", sagt Merle Herbst vom Landesschwimmverband. Nicht schwimmen zu können, sei ein Sicherheitsfaktor: "Wenn die Kinder an den Strand fahren, in den Urlaub fahren, ist das schon eine deutliche Gefahr für die."

Fehlende Schwimmfähigkeit ist ein ganz besonderes Problem

Auch in normalen Zeiten können viele Kinder nach der Grundschule nicht richtig schwimmen. "Wir als Land zwischen den Meeren haben natürlich allergrößtes Interesse, dass unsere Kinder und Jugendlichen schwimmen lernen. Da ist jetzt eine ganze Generation - mehr als ein Jahrgang - weggebrochen. Das wird sehr schwierig aufzuholen sein", sagt Sportmediziner Burkhard Weisser von der Uni Kiel.

Er prognostiziert, dass nicht alle Kinder zurück in den Sportverein kehren werden - "insbesondere die sozial Schwachen oder die, die vorher zum Beispiel nicht im Sportverein waren, dass die noch weiter zurückfallen", meint Weisser. "Und wir haben da eine große Gruppe von Kindern und Jugendlichen, um die wir uns intensiv kümmern müssen." Sobald Corona das wieder zulässt, müssten Sportvereine - und vor allem der Schulsport gestärkt werden, fordert der Sportmediziner. Ein Idealzustand wäre eine tägliche Sportstunde in der Schule. Denn geringe Schwimmfähigkeit und andere fehlende Bewegungstechniken werden noch in vielen Jahren feststellbar sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.05.2021 | 17:00 Uhr

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