Stand: 11.03.2018 19:30 Uhr

Pinguins: Popieschs langer Weg zum Erfolg

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Mit Beharrlichkeit ans Ziel: Thomas Popiesch.

Seine jungen Jahre als Eishockeyspieler waren für Thomas Popiesch eine Zeit zum Vergessen. Der heute 52-Jährige galt als großes Talent in der DDR, doch er konnte sich mit dem System nicht anfreunden, eckte immer wieder an. "Für mich war als 14- oder 15-Jähriger schon klar, dass ich irgendwann das Land verlassen würde. Es gab zu viele Reibungspunkte, zu viel, mit dem ich nicht einverstanden war", sagte er dem MDR: "Diese Machtlosigkeit, man musste immer hören. Egal, was passiert. Wo man teilweise das Gefühl hatte, dass kein Sinn dahinter ist. Man war einfach der Willkür ausgesetzt."

Vier Jahre hinter Gittern

1982 nahm Popiesch sein Schicksal in die Hand. Mit der ihm eigenen Entschlusskraft und Beharrlichkeit versuchte der damals 17 Jahre junge Eishockeyspieler, über die tschechische Grenze zu fliehen. Doch er scheiterte, landete im Knast. Zunächst in Berlin-Hohenschönhausen, dann im berüchtigten Stasi-Gefängnis Bautzen. Vier Jahre saß er hinter Gittern. Alle Bemühungen der Eltern, ihn aus dem Gefängnis freizukaufen, scheiterten. Ein in der DDR ausgebildeter Spitzensportler sollte im Westen nicht Karriere machen.

Karriere scheint beendet, bevor sie begonnen hat

1986 kam er frei - und blieb dennoch gefangen in einer Welt, der er nicht zugehören wollte. "Das waren eigentlich die schlimmsten Jahre. Perspektivlosigkeit. Dass ich mich wieder nicht entwickeln konnte", schilderte er. Für den verhassten Staat wollte er nicht arbeiten. Die Eltern sprangen finanziell in die Bresche, er verkaufte zudem Schmuck, reparierte Autos. Seine Eishockey-Karriere indes schien beendet, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Auf Kufen stand er nur bei Spartakus Berlin in einer Freizeitmannschaft. "Für mich war das Thema Eishockey im Kopf erledigt. Es war ein großer Kraftakt, wieder anzufangen, aber ich bin froh, dass es geklappt hat", berichtete Popiesch im NDR Sportclub.

Über Ungarn in den Westen

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Thomas Popiesch 1997 im Trikot der Frankfurt Lions.

Im Frühjahr 1989 flüchtete Popiesch über die mittlerweile geöffnete ungarische Grenze. Im Westen coachte er sich selbst anhand der Pläne seiner früheren Trainer beim SC Dynamo Berlin. Schnell schaffte der damals 24-Jährige beim EV Duisburg den Sprung in ein Profiteam. 15 Jahre spielte er Eishockey, unter anderem bei den Nürnberg Ice Tigers und den Frankfurt Lions, dann startete er seine zweite Laufbahn als Trainer.

Mit DEL geht "Lebenstraum in Erfüllung"

Zehn Jahre war Popiesch Coach in der Zweiten Liga. Seit Januar 2016 steht er bei den Fischtown Pinguins aus Bremerhaven an der Bande - und ist mit ihnen im Oberhaus angekommen. Der Verein rückte nach dem Rückzug der Hamburg Freezers in die Deutsche Eishockey Liga auf.

Möglichen verpassten Chancen in seinem Leben trauert der 52-Jährige nicht nach: "Damals wollte ich das so. Für meine Entscheidung musste ich geradestehen, aber mein Leben hat sich danach sehr gut entwickelt. Ich habe mir immer vorgenommen, nach vorne zu schauen. Und ich denke, das ist mir ganz gut gelungen." So schwer die Vergangenheit auch war - über seine Gegenwart ist Popiesch glücklich: "Eishockey ist mein Leben. Ich habe als Jugendlicher immer davon geträumt, so hoch wie möglich und in den größten Stadien Deutschlands zu spielen. Da geht ein Lebenstraum in Erfüllung."

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 16.10.2016 | 22:50 Uhr

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