Die Volleyballerinnen Anna Pogany (l.) und Lina Alsmeier vom SSC Schwerin © picture alliance / Pressefoto Baumann Foto: Hansjürgen Britsch

Nach titelloser Saison: Schweriner Volleyballerinnen greifen an

Stand: 27.10.2022 14:10 Uhr

Nach einem titellosen Jahr haben die Volleyballerinnen des SSC Palmberg Schwerin in der neuen Bundesliga-Saison viel vor. Mit fünf Neuzugängen hoffen die Mecklenburgerinnen, den Meister aus Stuttgart vom Thron stoßen zu können.

von Tobias Blanck

Bei der Pressekonferenz kurz vor dem Saisonstart strahlte Kapitänin Anna Pogany und konnte den ersten Auftritt des neu zusammengestellten Teams kaum abwarten. Mehr als sechs Monate nach dem Aus im Halbfinale der Bundesliga-Play-offs steht das erste Spiel des Volleyball-Rekordmeisters aus Schwerin in dieser Spielzeit an: Am Sonnabend (19 Uhr) gastiert der SSC bei Schwarz-Weiss Erfurt, dem Tabellenzehnten der Vorsaison.

"Wir wollen in die Finals. Das ist unser Anspruch für die Bundesliga und den DVV-Pokal." SSC-Trainer Felix Koslowski

Im DVV-Pokal bekommen es die Norddeutschen im Achtelfinale mit dem SSC Freisen aus dem Saarland zu tun (13. November). Im Dezember folgen dann die ersten Auftritte im europäischen CEV-Cup mit den Duellen gegen Zeleznicar Lajkovac aus Serbien.

Nationalspielerin Pogany erstmals SSC-Kapitänin

In der neuen Saison wird Pogany die Schwerinerinnen erstmals als Kapitänin auf das Feld führen. Gründe dafür gibt es viele. Zum einen ist die Nationalspielerin nach Aussage von Trainer Felix Koslowski "sehr kommunikativ" und seit 2018 eine Leistungsträgerin beim Sportclub in Schwerin. Zum anderen machte die Regeländerung, dass Libera als Kapitäninnen aufgestellt werden dürfen, ihre Ernennung zur Spielführerin erst möglich. "Anna hat viel Erfahrung, ein tolles Standing in der Mannschaft und verfügt über eine hohe Sozialkompetenz. Daher war die Entscheidung für mich leicht", so Koslowski über die 28-Jährige.

VIDEO: Volleyball: Der SSC Palmberg will in der neuen Saison punkten (1 Min)

Pogany freute sich über das Lob und unterstrich: "Wir leben im Team bestimmte Werte und die Mannschaft steht vor dem Individuum. Dafür werde ich mich immer einsetzen. Ich kann jedoch auch anstrengend sein, sage oft das, was ich denke. Aber ich werde mich nicht verstellen, denn wenn es schwierige Phasen gibt, braucht man jemanden, der vorangeht. Das mache ich gerne und will alle mitnehmen."

Vier Spielerinnen nicht mehr dabei

Neu aufstellen musste sich der SSC auf mehreren Positionen. Nach dem Karriereende der bisherigen Spielführerin Femke Stoltenborg und von Denise Imoudu erhielten auch Stephanie Samedy und Symone Speech keinen neuen Vertrag beim SSC. Den Kader verstärken sollen die kanadische Mittelblockerin Jazmine White, die Zuspielerinnen Pia Kästner und Pia Fernau, Nachwuchsspielerin Leandra Negri sowie Diagonalangreiferin Tutku Burcu. Erstmals ist somit eine türkische Spielerin in Schwerin unter Vertrag.

Angriffs-Hoffnungen ruhen auf der Türkin Tutku

"Wir freuen uns sehr, dass Tutku bei uns ist. Von ihrer Persönlichkeit her ist sie schon jetzt eine Bereicherung", betonte Koslowski. Allerdings fehlte die Türkin in der Vorbereitung einige Wochen wegen Rückenproblemen. Der Cheftrainer ist trotzdem optimistisch: "Zuletzt haben wir schon gesehen, was sie kann. Wir müssen aber noch etwas Geduld haben. Sie wird zum Saisonstart noch nicht 100 Prozent in Form sein, aber wir hoffen, dass dies spätestens Ende November der Fall sein wird."

Die Position der Diagonalangreiferin war in den vergangenen Jahren die Baustelle beim SSC. Nach dem Abgang der mehrfachen Volleyballerin des Jahres Louisa Lippmann 2018 fehlten dem Club insbesondere Konstanz und Qualität, um mit dem Konkurrenten aus Stuttgart mithalten zu können. Dort hofft der SSC auf viele Punkte vom Neuzugang von Fenerbahce Istanbul.

Vorbereitung unter erschwerten Bedingungen 

In der zwölfwöchigen Vorbereitung auf die neue Spielzeit standen nach Athletik-Einheiten und einem Trainingslager in Zingst auch einige Testspiele bei Zweitligisten und dem Ligakonkurrenten in Aachen an. Eine Woche vor dem Bundesligastart nahm der Rekordmeister zudem an einem Turnier in Polen teil und kassierte zwei Niederlagen gegen Rzeszow und den polnischen Meister Police. "Diese Spiele waren dennoch sehr wichtig für uns. Wir haben erst seit dem 17. Oktober das Team komplett zusammen, weil einige Spielerinnen noch bei der Weltmeisterschaft im Einsatz waren. Und in Polen haben wir erstmals als gesamtes Team gespielt", erklärte Koslowski.

Auftaktgegner Erfurt soll nicht unterschätzt werden

Auch die neue Zuspielerin Kästner ist erst nach dem Ende der WM in Schwerin angekommen. "Natürlich würde ich mir wünschen, dass wir noch ein bisschen mehr Zeit hätten, um uns besser einzuspielen, aber ich bin hier sehr herzlich aufgenommen worden. Außerdem kenne ich viele ja auch von der Nationalmannschaft", sagte Kästner, die zuletzt in Frankreich spielte. Dem Auftaktspiel in Erfurt blickt die 24-Jährige optimistisch entgegen: "Erfurt hatte zwar in der Vorbereitung alle Spielerinnen dabei und darf nicht unterschätzt werden, aber unser Ziel ist es, drei Punkte mitzunehmen."

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Warnende Worte findet Pogany, die sich noch gut an den verpatzten Saisonstart vor einem Jahr erinnern kann: "Damals sind wir mit drei Niederlagen richtig schlecht in die Bundesliga gestartet und erst ein knapper Sieg in Erfurt war damals der Wendepunkt." Die titellose Saison wurmt die Nationalspielerin immer noch. Als Sportlerin wolle sie immer Titel gewinnen und gehe daher mit viel Herzblut in jedes Training, um erfolgreich zu sein.

Mitspielerin Anne Hölzig ist angriffslustig: "Das Ziel für Schwerin ist immer, deutscher Meister zu werden. Wir wollen alle schlagen und dann gucken wir, was geht." Trainer Koslowski ist bei der Aussage zu den Saisonzielen etwas vorsichtiger: "Wir wollen in die Finals. Das ist unser Anspruch für die Bundesliga und den DVV-Pokal. Uns ist bewusst, dass Stuttgart gerade das Maß aller Dinge ist. Aber in einem möglichen Finale kann dann immer alles passieren und Stuttgart ist auch nicht unschlagbar."

Vorfreude auf die umgebaute Halle

Auch wenn der Fokus auf dem Auftakt in Erfurt liegt, ist die Vorfreude auf das erste Heimspiel am 5. November schon jetzt groß. Dann sollen die Bauarbeiten in der Schweriner Arena abgeschlossen sein. In den vergangenen zwölf Monaten wurden unter anderem eine neue Tribüne installiert und ein größerer VIP-Raum geschaffen.

"Es ist schon toll, die neue Tribüne zu sehen, aber vor allem freuen wir uns, nicht mehr den Baulärm mit den Maschinen und Sägen während der Trainingseinheiten zu hören", sagte der Trainer. "Dazu haben wir neue Büroräume, mehr Platz für unsere Physiotherapeutin. Also ich denke, es ist für alle ein Gewinn und wir freuen uns, das dann mit unseren Fans in der neuen Halle feiern zu können."

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 27.10.2022 | 19:30 Uhr

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