Stand: 10.08.2020 11:00 Uhr

"Geistermeisterschaften" in Braunschweig, aber immerhin

Läufer am Start © picture alliance/Michael Kappeler/dpa Foto: Michael Kappeler
Die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig fanden ohne Zuschauer statt.

Ein Glutofen als Stadion, einige Top-Athleten gar nicht dabei und vor allem - keine Zuschauer auf den Rängen: Die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 2020 von Braunschweig standen nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie unter keinem guten Stern. Wie es auch schon andere Sportarten zuvor leidlich erfahren haben, fehlt mit den Fans "der letzte Kick", wie der ehemalige Dreisprung-Europameister Max Heß treffend bemerkte. Der größte Erfolg des vergangenen Wochenendes bestand dann auch darin, dass sich Deutschlands Leichtathletik-Elite überhaupt wieder einem (Fernseh-)Publikum präsentieren konnte.

"Das war ein Zeichen, dass es wieder vorwärts geht, dass es ein neues Normal gibt. Wenn auch leider ohne Publikum, aber immerhin", sagte Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo, die trotz verkürztem Anlauf 6,71 m sprang und ihren vierten nationalen Titel gewann, im ARD-Interview.

Klosterhalfen, Lückenkemper und Co. schmerzlich vermisst

"Immerhin" war das passende Wort für diese denkwürdigen "Geistermeisterschaften" an der Hamburger Straße. Immerhin war Mihambo als Aushängeschild der Meisterschaften da und lieferte trotz schwieriger Bedingungen ab. Im Gegensatz zu Mittelstrecken-Ass Konstanze Klosterhalfen, Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler oder den Top-Sprinterinnen Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in Braunschweig an den Start gingen und schmerzlich vermisst wurden.

Lichtblicke durch Vetter und Almas

Immerhin schwangen sich viele Nachwuchsathleten zu persönlichen Bestleistungen auf, wie etwa Stabhochspringer Bo Kanda Lita Baehre mit 5,75 m, ließ Ex-Weltmeister Johannes Vetter seinen Speer auf 87,36 m fliegen und weckte Jungspund Deniz Almas, der über 100 m unbekümmert in 10,09 Sekunden zum Titel rannte, Hoffnungen auf eine deutsche Sprinter-Renaissance. Die mäßigen 20,17 m von Ex-Kugelstoß-Weltmeister David Storl, der damit trotzdem Gold holte, das Stolper-Aus von Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz bereits im Halbfinale oder die Aufgabe von Favoritin Gesa Felicitas Krause über 3.000 m Hindernis gehörten aber auch zur Wahrheit einer schwer zu greifenden DM in Braunschweig.

Gespenstische Stille gewöhnungsbedürftig

"So still, das war schon irgendwie gespenstisch", sagte der frühere Zehnkämpfer Frank Busemann, der als ARD-Experte ins Stadion durfte - als einer von maximal 999 Personen. Mit einem 45-seitigen Hygienekonzept stemmte der DLV die Meisterschaften - auch um einen finanziellen Verlust im hohen sechsstelligen Bereich zu vermeiden. Kampfrichter trugen Mund-Nasen-Schutz, die Athleten gingen sich - bis auf die Wettkämpfe - so weit wie möglich aus dem Weg.

Das Fazit des Deutschen Leichtathletik-Verbandes fiel trotzdem positiv aus. "Der DLV hat gezeigt, dass auch in Krisenzeiten Veranstaltungen gut organisiert werden können", bilanzierte Präsident Jürgen Kessing. DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska bedankte sich bei allen, "die einen wirklich tollen Job gemacht haben. Grundsätzlich war es für die Sichtbarkeit der Sportart sehr wichtig, dass wir hier stattgefunden haben." Wie gesagt, immerhin ...

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Dieses Thema im Programm:

Sportschau | 09.08.2020 | 18:00 Uhr

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