Eishockey-Profi Janik Möser im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. © imago images / ActionPictures

Herzmuskelentzündung als Corona-Folge: Eishockey-Profi warnt

Stand: 25.11.2020 17:14 Uhr

Beim Wolfsburger Eishockey-Profi Janik Möser wurde nach einer Corona-Infektion eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert. Er will nun anderen die Augen öffnen. Die DEL hat derweil einen Leitfaden für die Rückkehr zum Sport vorgestellt.

von Andreas Bellinger

Es ist ein Präzedenzfall - und die Verantwortlichen nicht nur im deutschen Eishockey hat er gewaltig aufgeschreckt. Janik Möser, Verteidiger der Grizzlys Wolfsburg, hat eine Coronavirus-Infektion auf dramatische Weise aus der Bahn geworfen. Herzmuskelentzündung. "Es war natürlich ein Schock, als ich die Diagnose bekam", sagte der 25-Jährige am Mittwoch in einem virtuellen Pressegespräch. Während die Deutsche Eishockey Liga (DEL) eilig eine Art Leitfaden für die Rückkehr von an Covid-19 erkrankten Spielern in den Sport vorstellte, darf Möller vorerst nicht einmal trainieren. Spazierengehen bei niedrigem Puls - mehr ist momentan nicht drin.

Zufallsbefund und Diagnose

Dabei begann alles ziemlich harmlos. Der 25-Jährige hatte kaum Symptome, obwohl der Corona-Test positiv war. Nach der obligatorischen Quarantäne fühlte er sich fit und wollte zurück aufs Eis. Doch dann ergab sich laut Grizzlys-Mannschaftsarzt Axel Gänsslen ein besorgniserregender "Zufallsbefund". 

"Mein Verlauf mit dem Virus sowie meine aktuellen Probleme zeigen deutlich, dass man die Krankheit nicht auf die leichte Schulter nehmen darf." Janik Möser von den Grizzlys Wolfsburg

In Gedanken war Möser längst wieder mit den Kollegen im Training auf die am 17. Dezember startende DEL-Saison, als das routinemäßige Belastungs-EKG Auffälligkeiten zeigte. "So gesehen habe ich Glück gehabt", sagte Möser. In Berlin stellte ein Kardiologe an der Charité die deprimierende Diagnose: Herzmuskelentzündung. Bei Leistungssportlern könne dies sogar den plötzlichen Herztod auslösen, erklärte Gänsslen. "Da Janik gesundheitlich ansonsten keine negativen Anzeichen aufwies, gehen wir stark davon aus, dass es eine Folge von Corona ist."

Möser: "Ich will den Leuten die Augen öffnen"

"Mir geht es gut", sagte der durchtrainierte Athlet, der den Blick auf seine Pulsuhr längst verinnerlicht hat. Das Herz muss geschont werden, an Spitzenleistungen ist vorerst nicht zu denken. "Corona habe ich immer ernst genommen", so Möser. Wie schlimm die Folgen aber sein können, dass auch junge, fitte Menschen betroffen sein können, hatte er bis dato jedoch nicht wirklich realisiert. Bis es ihn selber traf. Auch deshalb entschloss er sich, seinen Fall öffentlich zu machen.

Natürlich gebe es Leugner, die die Krankheit kleinreden wollten. "Ich will den Leuten die Augen öffnen", sagte Möser, "dass es auch Jüngere betreffen kann, auch wenn sie es gar nicht merken." Tatsächlich hätten inzwischen auch Kollegen anderer Clubs nach einem Gespräch mit ihm ihr achtloses Verhalten kritisch hinterfragt. Möser ist vor allem froh, niemanden in seinem sportlichen und privaten Umfeld angesteckt zu haben.

Mediziner warnen vor Herz-Kreislauf-Komplikationen

Tatsächlich warnen Mediziner längst, dass eine Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus auch bei jungen Menschen und Leistungssportlern zu Herz-Kreislauf-Komplikationen führen kann. An der Universitätsklinik Tübingen beispielsweise wurde schon im Juli ein entsprechendes Forschungsprojekt gestartet. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) verweist in diesem Zusammenhang zudem auf eine im "Journal of American Cardiology" veröffentlichte Untersuchung der Universität Frankfurt, die gezeigt habe, dass auch bei jüngeren Corona-Kranken noch Monate nach der Infektion Herzveränderungen zu beobachten seien.

DEL: Gesundheit der Spieler höchstes Gut

Die Grizzlys Wolfsburg und die DEL haben derweil reagiert und sich intensiv mit den möglichen Verläufen sowie Folgeerkrankungen nach Covid-19 beschäftigt. "Das Ziel war von Beginn an, dass wir möglichst einheitlich vorgehen können und unsere 14 Clubs sich dementsprechend verhalten können", sagte Jörg von Ameln, Leiter Spielbetrieb der DEL. "Gerade die kommende Spielzeit wird uns sehr viel abverlangen."

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Garett Festerling von den Grizzlys Wolfsburg © imago images/osnapix

Entscheidungs-Algorithmus Return-to-Sport

Diese Richtlinie dient als Empfehlung für alle Clubs der Deutschen Eishockey Liga. extern

Mit einem maßgeblich vom Wolfsburger Mannschaftsarzt Gänsslen erarbeiteten und mit medizinischen Vertretern des Handballs und Basketballs sowie einem Sportkardiologen abgestimmten Entscheidungs-Algorithmus "Return to Sport" liegt den Clubs nun ein Leitfaden für den Umgang mit Covid-19-Erkrankten vor. "Wir haben den Algorithmus bereits in unsere Richtlinien aufgenommen", so von Ameln. "Diese Richtlinie dient als Empfehlung für alle Clubs der DEL. Die Gesundheit der Spieler ist für uns das höchste Gut."

Möser: "Auch uns Profisportler kann es treffen"

Der Stufenplan soll auch Janik Möser auf dem Weg zurück aufs Eis begleiten. Vorerst aber heißt es, auf die Herzfrequenz achten und immer schön langsam machen - auch im Wald gleich bei seinem Zuhause. Mitte Januar wollen die Ärzte entscheiden, wie es für den von den Kölner Haien nach Wolfsburg gewechselten Spieler weitergeht. "Mein Verlauf mit dem Virus sowie meine aktuellen Probleme zeigen deutlich, dass man die Krankheit nicht auf die leichte Schulter nehmen darf", warnte Möser. "Auch uns Profisportler kann es treffen."

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Eishockey-Profi Janik Möser im Trikot der Iserlohn Roosters © imago images/Eibner

Eishockey-Profi Möser: Herzmuskelentzündung durch Corona?

Der 25 Jahre alte Verteidiger der Grizzlys Wolfsburg warnt andere Sportler davor, die Erkrankung zu unterschätzen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 25.11.2020 | 16:25 Uhr

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