Hansa-Fans mit Maske halten im Stadion ihre Schals hoch. © NDR Foto: picture alliance / Fotostand

Fan-Rückkehr im Sport: Rostock drückt aufs Tempo

Stand: 12.03.2021 16:22 Uhr

Rostock hat ein Modell für eine rasche Rückkehr von Zuschauern in Stadien und Hallen vorgelegt. Damit der FC Hansa schon am Sonnabend nächster Woche gegen Halle Fans begrüßen kann, will OB Madsen bis Montag eine Zusage der Landesregierung.

von Ines Bellinger und Sina Braun

Der parteilose Claus Ruhe Madsen sagte am Freitag dem NDR, die Vereine Hansa (Fußball), Seawolves (Basketball) und Empor (Handball) hätten ein sehr gutes Konzept vorgelegt, das auch das Gesundheitsamt überzeugt habe. "Ich denke und hoffe, dass die Landesregierung das ähnlich sieht. Wir brauchen allerdings sehr, sehr schnell eine Zusage, allerspätestens Montag früh", sagte Madsen. Der ehrgeizige Plan: Am 20. März will der FC Hansa zum Drittliga-Spiel gegen den Halleschen FC (live im NDR) die ersten 777 Zuschauer ins Ostseestadion lassen - vorausgesetzt, sie können einen negativen Corona-Test vorweisen.

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Ministerin Drese verspricht, zügig zu prüfen

Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) äußerte sich zunächst abwartend. "Wir müssen uns angucken, was das Gesundheitsamt in Rostock dazu sagt. Und auch, wie die Vereine das konkret umsetzen und organisieren wollen. Deswegen kann ich heute weder Ja noch Nein sagen, bin aber als Sportministerin sehr interessiert daran, mir die Konzepte der drei Vereine anzugucken", sagte Drese dem NDR. Sobald die Unterlagen da sind, wolle sie zügig prüfen und den Vorschlag innerhalb der Landesregierung besprechen. Den Montag halte sie allerdings "für sehr, sehr zügig".

Hohe Akzeptanz für Luca-App

Sowohl Madsen als auch Hansa empfehlen die Verwendung der Luca-App, die eine schnelle Kontaktnachverfolgung ermöglicht. Die Verwendung der App ist nicht verpflichtend, nach Angaben von Madsen ist die Akzeptanz in Rostock aber enorm hoch. Das Smartphone-Tool werde mittlerweile bereits an 1.684 Stellen für einen Check-in genutzt (Stand: Donnerstagabend). Etwa 75 Prozent der Geschäfte in der Rostocker Innenstadt registrierten Besucher bereits auf diese Weise. Madsen schätzt, dass die App die Kontaktnachverfolgung etwa um das Zehnfache im Vergleich zu Zettelwirtschaft oder Telefonaten erhöhe. In Rostock sei die Kontaktnachverfolgung bisher gut gelungen. Er hoffe, dass das so bleibe, sagte Madsen: "Es darf nicht passieren, dass das Gesundheitsamt nicht mehr hinterherkommt, dann muss ich wiederum alles runterfahren."

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Madsen: Montag Deadline für Hansa-Spiel

Um das Pilotprojekt für die Partie Hansa - HFC voranzutreiben, müsse spätestens am Montag mit den Vorbereitungen für die Logistik begonnen werden, denn wie, wo und wann am effizientesten getestet werden kann, müssten alle Beteiligten auch erst lernen, so Madsen. Das Konzept sieht vor, dass dafür drei Möglichkeiten eingerichtet werden sollen: in verschiedenen Sektoren am oder im Umfeld des Ostseestadions, einige Stunden vor dem Spiel in der Stadt oder an mobilen Teststationen auf Parkplätzen. Der Landesregierung in Schwerin, die zustimmen muss, habe er das Vorhaben in einem Schreiben dargelegt: "Ich hoffe, dass wir uns darauf verständigen können, dass Montag unsere Deadline ist", sagte Madsen. "Wenn wir bis Montag keine Antwort haben, ist das auch eine Antwort. Dann ist es nicht mehr umsetzbar."

DFB interessiert am Rostocker Modell

Der für sein pragmatisches Handeln bekannte Däne weiß sehr wohl, dass die Rostocker Bemühungen um Perspektiven in der Pandemie weit über die Stadtgrenzen hinaus beobachtet werden. "Der DFB hat auch interessiert nachgefragt: Wie macht ihr das?" Zunächst gehe es aber um einen Weg für seine Stadt, die mit ihren Inzidenzwerten in den vergangenen Wochen stets deutlich unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag. "Es ist ein Stufenplan", sagt Madsen. "Wenn wir merken, es funktioniert super, können wir schnell aufbauen."

Marien: Hansa würde Kosten für Schnelltests übernehmen

Hansa-Chef Robert Marien bekräftigte, dass sich der Club seiner Verantwortung bewusst sei. "Wir sind etwas zurückhaltend, weil wir verantwortungsvoll mit der Situation umgehen wollen. Wir wollen nicht, dass aufgrund möglicher Infektionen bei Großveranstaltungen die kleinen Läden wieder schließen müssen", sagte der Vorstandsvorsitzende.

Für die vorgeschlagenen 777 Premierentickets würden Dauer- und VIP-Karteninhaber, die in Rostock wohnen, infrage kommen. Außerdem passe diese Größenordnung gut zur "Rostocker Zahl". In Sagen und Legenden wird der "7" in der Hansestadt eine magische Bedeutung zugeschrieben: sieben Tore, sieben Brücken, sieben sämtlich vom Markt ausgehende Hauptstraßen, sieben Türme und sieben Türen im Rathaus. Die Kosten für die notwendigen Schnelltests beim ersten Versuch würde Hansa komplett übernehmen, sagte Marien. Auch das erforderliche Personal werde der Club stellen.

"Alle müssen wissen: Corona bleibt"

Madsen betonte, dass es bei den ersten Gehversuchen mit wenigen Zuschauern vorrangig darum gehe, Wissen zu generieren, wie der Zugang zu größeren Veranstaltungen auch im Kulturbereich künftig realisiert werden könnte. "Ich danke den Vereinen, dass sie mitgehen. Denn wirtschaftlich ist das nicht. Es geht für uns jetzt nur darum, dass wir das ermöglichen", sagte das Stadtoberhaupt und appellierte an seine Bürgerinnen und Bürger, bei der Einhaltung der Corona-Regeln weiterhin eine hohe Eigenverantwortung zu zeigen. Es stehe schließlich auch nicht an jeder roten Ampel ein Polizist und passe auf, dass die Leute anhalten: "Alle müssen wissen: Corona ist da, Corona bleibt und es ist ein gewisses Risiko."

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Sportclub | 14.03.2021 | 22:50 Uhr

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