Deutschland im Davis Cup: Ohne Zverev, aber mit Teamgeist

Stand: 14.09.2022 08:48 Uhr

Nach dem Schock über die verletzungsbedingte Absage von Alexander Zverev muss die DTB-Auswahl im Davis Cup ohne den besten deutschen Tennisspieler auskommen. In Hamburg geht es gegen Frankreich, Belgien und Australien. Das Ziel ist die Finalrunde in Málaga.

von Marcel Stober

Der Davis Cup am Rothenbaum hätte das ganz besondere Comback für Alexander Zverev werden sollen. Drei Heimspiele in seiner Heimat- und Geburtsstadt hätten auf den 25-Jährigen gewartet, doch dann kam die bittere Erkenntnis: Es geht nicht. Im Aufbautraining nach der schweren Bänderverletzung von Paris hat sich der Hamburger ein Knochenödem im Fuß zugezogen. Die Schmerzen sind groß, ein Auftritt am Rothenbaum unmöglich.

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Davis-Cup-Teamkapitän Michael Kohlmann (l.), Alexander Zverev und Oscar Otte (r.) in Hamburg © Witters

Tennis: Deutsches Davis-Cup-Team ohne Alexander Zverev

Der Hamburger Lokalmatador erlitt nach seiner schweren Bänderverletzung im Training erneut einen Rückschlag und wird wohl wieder wochenlang ausfallen. mehr

Nun muss es heute gegen Frankreich, Belgien (Freitag) und Australien (Sonntag) irgendwie ohne die deutsche Nummer eins gehen. Pro Partie werden auf dem frisch verlegten Hartplatz am Rothenbaum zwei Einzel und ein Doppel ausgetragen. Die besten zwei Teams der Vierergruppe qualifizieren sich für die Finalrunde im November im spanischen Málaga.

Hanfmann für Zverev nachnominiert

Im DTB-Aufgebot stehen Oscar Otte, Jan-Lennard Struff, der nachnominierte Yannick Hanfmann und das Doppel Kevin Krawietz/Tim Pütz. Zverev bleibe logischerweise Teil der Mannschaft, sagte Krawietz: "Wir haben ein gutes Team, wir haben gezeigt, dass wir gegen jedes Team gewinnen können". Zverev kündigte an: "Ich werde Cheerleader sein - im besten Sinne."

Und Deutschlands Teamchef Michael Kohlmann erinnerte an die vergangene Davis-Cup-Saison: "Mit einem ähnlichen Team hatten wir im vergangenen Jahr auch Erfolg." Deutschland erreichte 2021 das Halbfinale. Statt Otte und Hanfmann standen damals Dominik Koepfer und Peter Gojowczyk auf dem Platz.

Deutsche Herren scheiterten bei US Open früh

Zverev beibt jedoch das Aushängeschild des deutschen Herren-Tennis. Zuletzt fanden Wimbledon und die US Open ohne ihn statt. Und so waren es fast ausschließlich die Damen, die die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Tatjana Maria erreichte in Wimbledon das Halbfinale. Jule Niemeier scheiterte bei den US Open erst im Achtelfinale an der späteren Siegerin Iga Swiatek. Für alle anderen deutschen Profis war das Turnier in New York schon nach Runde eins vorbei.

Otte nach OP zurück, Hoffnung auf Struff und Hanfmann

Ähnlich wie Zverev setzte auch Deutschlands Nummer zwei, Otte, länger aus. Eine Knie-Operation nach Wimbledon stoppte den Aufstieg des Kölners, der sich zuvor in der Weltrangliste immer weiter nach oben gespielt hatte. In den vergangenen zweieinhalb Monaten absolvierte er nur eine Partie: das Erstrunden-Match der US Open gegen Hubert Hurkacz.

Struff musste schon im Frühjahr verletzungsbedingt pausieren. Er und Hanfmann sind aktuell nicht unter den Top 100 der Welt. Beide kamen in New York nicht über die Qualifikationsphase hinaus. Vor dem Davis Cup sammelten sie Weltranglistenpunkte auf kleineren ATP-Challenger-Turnieren. Hanfmann hätte in dieser Woche eigentlich in Stettin spielen sollen und reiste spontan nach Hamburg. Krawietz und Pütz spielen für gewöhnlich mit anderen Partnern, sollten mit ihrer Erfahrung aber punkten können.

Australien ohne Wimbledon-Finalist Kyrgios

Doch nicht nur Zverev fehlt in der Davis-Cup-Gruppenphase. Auch auf französischer und australischer Seite spielen die besten Profis nicht mit. Gaël Monfils und Nick Kyrgios treten nicht an, wohl auch zur Überraschung der Veranstalter. Auf Plakaten in Hamburg wird nämlich noch mit ihnen geworben. Der aktuell beste Spieler der Gruppe C ist laut Weltrangliste der Australier Alex de Minaur (Rang 22). Und auch das Doppel aus Down Under ist gefährlich: Purcell/Ebden gewannen in diesem Jahr Wimbledon. Der 28-fache Davis-Cup-Sieger Australien dürfte der größte Stolperstein auf dem Weg zur Finalrunde sein.

Frankreich punktet mit Ausgeglichenheit, Belgien Außenseiter

Die Stärke des ersten Gruppengegners Frankreich ist wahrscheinlich, dass es bei ihren drei Spielern keine großen Leistungsunterschiede gibt. Adrian Mannarino (Rang 47), Benjamin Bonzi (Rang 53) und Arthur Rinderknech (Rang 59) trennen in der Einzel-Weltrangliste nur wenige Plätze. Nicolas Mahut hat im Doppel schon jedes Grand-Slam-Turnier gewonnen.

Belgiens Nummer eins, David Goffin, steht in der Weltrangliste jenseits von Platz 60. Sein Team ist wohl der große Außenseiter dieser Gruppe C, obwohl Goffin zumindest seine letzten beiden Partien gegen Zverev gewinnen konnte und aufhorchen ließ. Um weiterzukommen, ist ein deutscher Sieg gegen Belgien Pflicht.

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Der deutsche Tennisspieler Alexander Zverev strahlend mit seiner Goldmedaille. © picture alliance / dpa Foto: Jan Woitas

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 12.09.2022 | 19:30 Uhr

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