Nach dem Olympiasieg 2021 in Londond fliegt Achter-Steuermann Martin Sauer ins Wasser © picture alliance / Sven Simon | Oryk Haist/SVEN SIMON

Deutschland-Achter: Kanal-Cup als würdiges Ende der Ära Sauer

Stand: 29.08.2021 10:01 Uhr

13 Jahre lang hat Steuermann Martin Sauer den Deutschland-Achter dirigiert - auf dem Wasser und an Land. Diese erfolgreiche Ära mit Olympia-Gold 2012 und zahlreichen WM- und EM-Titeln geht heute beim Kanal-Cup zu Ende.

von Matthias Heidrich

Martin Sauers Karriere wird wohl im Nord-Ostsee-Kanal zu Ende gehen, ob er will oder nicht. Das "Tunken" des Steuermanns nach Siegen hat beim Deutschland-Achter Tradition. Der Berliner hat das deutsche Paradeboot in 13 Jahren mit ihm an der Spitze zu unzähligen Triumphen geführt, im wahrsten Sinne des Wortes geschrien und ist danach oft geflogen.

"Gezählt habe ich das nicht. Wir sind im Achter inzwischen dazu übergegangen, dies auf das Saisonende zu verschieben", sagte der 38-Jährige jüngst dem "Rudersport-Magazin". "Es ist nämlich wirklich kein Vergnügen, an einem kalten Maitag den Steuermann zu tunken, wenn es nur zehn Grad hat und er anschließend nass rumsitzt und sich eine Erkältung einfängt."

Kanal-Cup heute live im Ersten

Heute Mittag, wenn er den Deutschland-Achter beim legendären Kanal-Cup in Rendsburg (14.10 Uhr, live im Ersten und bei sportschau.de) über lange und harte 12,7 Kilometer ins Ziel getrieben hat, wird es ihm vermutlich egal sein. Dann ist die Ära Sauer als Steuermann zu Ende.

Mit ihm an der Spitze hat der Deutschland-Achter alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: sechs WM-Titel, neun EM-Siege und Olympia-Gold 2012 in London. Zuletzt in Tokio kam noch einmal Silber dazu, wie schon 2016 bei den Spielen in Rio.

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Ob mit einem weiteren Sieg oder nicht, ein Bad im Nord-Ostsee-Kanal wird Sauer wohl nehmen müssen. Doch die Chancen für Schlagmann Hannes Ocik und Co. stehen im Dreikampf mit den Niederlanden (Olympia-Fünfter in Tokio) und Polen (Fünfter 2016 in Rio) nicht schlecht. Mehr noch: Alles andere als der 16. deutsche Triumph beim Ruder-Marathon wäre eine Überraschung.

Abschiedsschmerz verspürt der "ewige Steuermann" vom Berliner Ruder-Club noch nicht. "Ich freue mich darauf, noch einmal einen Wettkampf mit der Mannschaft zu fahren", sagte der Familienvater dem "RBB", der 2016 für seine sportlichen Leistungen mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet wurde. "Es ist nicht das Gefühl: traurig, dass alles zu Ende ist - sondern: gut, dass noch einmal etwas stattfindet."

"Man ist ja nicht der Papa der Mannschaft"

Hart zu den Athleten und auch zu sich selbst, das war immer das Credo des angehenden Juristen. "Man ist ja nicht der Papa der Mannschaft, sondern immer noch Athlet im Boot", so Sauer.

"Ich bin sehr davon überzeugt, dass im Achter immer die Besten sitzen sollten - und das gilt auch für den Steuermann." Martin Sauer

Diese Härte sorgte vor zwei Jahren für viel Wirbel. Es waren erschreckende Bilder, als Kanal-Cup-Neuling Christopher Reinhardt im deutschen Boot zusammenbrach, sich zwar wieder berappelte, aber nur wie in Trance weiterrudern konnte. Sauers Deutschland-Achter zog unbeirrt durch und gewann das prestigeträchtige Rennen.

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Christopher Reinhardt (im Boot 3.v.l.) lehnt sich entkräftet nach hinten. © picture alliance/Markus Scholz/dpa Foto: Markus Scholz

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"Wir reden nicht von irgendwelchen Athleten, der Junge ist Weltmeister im Rudern. Man hat Athleten beim Rudern schon schlimmer gesehen. Wir sind immer noch Menschen dabei, aber wir geben auch nicht jede Sache einfach so auf", erklärte der Steuermann hinterher im Sportclub. "Am Ende hat er sich stark übernommen und wäre selber stinksauer gewesen auf uns, wenn wir aufgegeben hätten an der Stelle."

Deutschland mit Kanal-Cup-Neuling Schröder

Reinhardt sitzt mittlerweile nicht mehr im Achter, Schlagmann Ocik sehr wohl. Der Schweriner hat das Marathon-Rennen in Rendsburg schon einige Male hinter sich gebracht. "Wir rudern normalerweise 2.000 Meter, hier sind es 12,7 Kilometer. Ja, der Kanal-Cup ist Extremsport", sagte Ocik dem NDR. "Das A und O ist, sich die Kräfte richtig einzuteilen. Aber Respekt muss man vor diesem Rennen immer haben."

Ocik: "Es wird lang und hart, lang und hart"

Den wird sicherlich auch Wolf-Niclas Schröder haben, der in diesem Jahr als Kanal-Cup-Neuling dabei ist. Er ersetzt Johannes Weißenfeld, der verhindert ist. Schlagmann Ocik will dem Neuen etwaige Angst vor der Strecke mit vielen Gesprächen nehmen, redet aber auch nicht um den heißen Brei herum: "Es wird lang und hart, lang und hart."

Am Ende wartet auf alle die Befriedigung, die härteste Distanz der Rudersaison bezwungen zu haben. Und wohl auch der Spaß, den scheidenden Steuermann Sauer im hohen Bogen in Richtung Nord-Ostee-Kanal und Ruhestand befördern zu dürfen.

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Dieses Thema im Programm:

Sportschau | 29.08.2021 | 14:10 Uhr

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