Stand: 21.09.2019 16:43 Uhr

BG Göttingen: Das Jahr eins nach Michael Stockton

von Christian Jeß, NDR.de
Michael Stockton hat die BG Göttingen nach zwei Jahren verlassen.

Die BG Göttingen geht in ihre sechste Saison seit dem Wiederaufstieg in die Basketball-Bundesliga – und ins erste Jahr nach dem Abgang von Mastermind Michael Stockton. Doch auch ohne den Amerikaner mit dem berühmten Namen wollen die "Veilchen" wieder aufblühen, vermutlich aber ohne über sich hinauszuwachsen. Der Teamcheck:

So lief die vergangene Saison

Die BG entpuppte sich schnell als echter Serien-Meister in der Spielzeit 2018/2019: Einer Auftaktniederlage gegen Bonn folgten fünf Siege in Folge (inklusive Pokal), ehe bis zum Jahresende gar nichts mehr ging für die Mannschaft von Cheftrainer Johan Roijakkers. Zehn Niederlagen, darunter ein deftiges 68:95 bei Alba Berlin und ein peinliches 52:62 in Ludwigsburg, schlugen in dieser Zeit zu Buche. Erst das neue Jahr brachte neues Glück - ein 85:79 über den späteren Absteiger Bremerhaven - und (nach einem zwischenzeitlichen Sieg über Alba) schon bald die nächste Negativ-Serie: zwölf Pleiten in 13 Partien. So wurde es für die Südniedersachsen doch noch eine Rückrunde voller Anspannung, die sich erst am drittletzten Spieltag in Crailsheim (88:63) in einer Jubel-Arie entlud. Platzierung am Saisonende: Rang 14.

Wer kommt, wer geht?

Mit Spielmacher Michael Stockton - Sohn von NBA-Legende John Stockton (Utah Jazz) - wurde den Göttingen Veilchen quasi der Blütenstängel rausgerissen. Oder, wie Coach Roijakkers es ausdrückte: "Er war das Gehirn der Mannschaft auf dem Parkett und meine rechte Hand, sowohl auf als auch abseits des Spielfeldes." Doch statt Wehmut herrscht Dankbarkeit über die zweijährige Schaffenszeit des 30-Jährigen, der sowohl als Spieler (die meisten Punkte, Assists und Steals) als auch als Führungsfigur zu überzeugen wusste und nun in Cholet (Frankreich) Pässe und Körbe verteilt. Außerdem verließen sechs weitere Spieler die Göttinger, darunter mit dem US-Forward Derek Willis (zu Ligakonkurrent Ulm) der zweitbeste Scorer (zwölf Punkte im Schnitt).

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Dem gegenüber stehen neun Neuzugänge, von denen Kyan Anderson (kam aus Bayreuth) und der 20 Jahre alte Ex-Berliner Bennet Hundt die Spielmacherrolle von Stockton übernehmen sollen. Um Anderson gibt es allerdings noch Fragezeichen, dem US-Guard attestierte Trainer Roijakkers zuletzt "Lustlosigkeit" und "mentale Probleme". Elias Lasisi (aus Oostende/BEL) könnte als Shooting Guard zur positiven Überraschung werden. Mit den Big Men Darius Carter (USA) und Dennis Kramer sowie Nationalspieler Dominic Lockhart konnten drei wichtige Leistungsträger gehalten werden. "Wir sind jetzt breiter aufgestellt", so BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen.

Der Trainer

Während im Kader der BG Göttingen - wie bei vielen anderen BBL-Clubs - oft eine hohe Fluktuation herrscht, dominiert auf der Trainerbank Konstanz. Seit 2012 bereits sitzt dort der Niederländer Johan Roijakkers und führt die finanziell nicht auf Rosen gebetteten Göttinger durch alle Untiefen. Ein akribischer Arbeiter, der seine Spieler auch schon mal zweieinhalbstündige Videoanalysen überstehen lässt. Der erfolgsbesessene Coach fordert viel und eckt auch mal an, hat aber bei Neuzugängen immer wieder ein gutes Händchen.

Als Spieler klopfte er einst an die Tür der Nationalmannschaft seines Landes, mit dem belgischen Club Basketball Bree war er auch auf europäischem Parkett aktiv. Allerdings schlug er schon mit 22 Jahren als Junioren-Heachcoach in Bree die Trainerlaufbahn ein. Sein Vertrag bei der BG läuft noch bis 2021.

Erwartungen an die neue Saison

"Die Liga ist diesmal ganz schwer einzuschätzen. Wir wollen besser abschneiden als in der vergangenen Saison", hält BG-Geschäftsführer Meinertshagen den Ball verbal flach. Da wurde man wie erwähnt 14. Die Vorbereitung auf die anstehende Spielzeit verlief allerdings alles andere als optimal, so störte unter anderem ein Musikfestival im Trainingszentrum den Betrieb. Zudem "hatten wir mit Anderson, Carter und Kevin Bryant Spieler, die verletzt zu uns gekommen sind oder nicht die Leistung gebracht haben, die wir von ihnen erwartet haben", sagte Roijakkers fünf Tage vor dem Saisonstart am 25. September, der mit dem Heimspiel gegen die Braunschweiger "Löwen" gleich ein Landesderby bereithält.

Überhaupt meint es der Spielplan recht gut mit den Veilchen, die ersten wirklich dicken Brocken warten mit Bamberg (3.11.) und Oldenburg (10.11.) erst am sechsten und siebten Spieltag. Das letzte von insgesamt zehn Testspielen ging zwar mit 76:84 beim Vierten der abgelaufenen Saison, Rasta Vechta, verloren, dennoch zeigte sich Roijakkers mit dem Leistungsstand zufrieden: "Das war ein gutes Spiel von uns. Wir haben viele freie Würfe gefunden." Die müssen allerdings künftig noch hochprozentiger fallen: Mit nur 79,4 Punkten pro Spiel im Schnitt waren die Lila-Weißen zuletzt das drittschlechteste Offensivteam der Liga. Sollte das gelingen, ist den Göttingern ein gesicherter Mittelplatz zuzutrauen - sofern sie nicht wieder zum (Negativ-)Serienmeister werden.

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Hallo Niedersachsen | 25.09.2019 | 18:30 Uhr