Stand: 12.03.2019 07:00 Uhr

Unglaubliche Serie der SG Flensburg-Handewitt

von Rudi Dautwiz

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Seit fast einem Jahr ohne Punktverlust in der Bundesliga: Die Handballer der SG Flensburg-Handewitt.

Können Sie sich noch erinnern, was Sie am 22. März 2018 gemacht haben? Wahrscheinlich nicht. Selbst die meisten Handballer der SG Flensburg-Handewitt wissen nicht mehr so genau, was sie an diesem Tag gemacht haben. Dabei ist dieses Datum für den Deutschen Meister schon ein ganz besonderes.

Beim SC Magdeburg verloren die Flensburger an diesem Donnerstagabend vor knapp einem Jahr zum bis heute letzten Mal ein Spiel um Bundesliga-Punkte. Trainer Maik Machulla hat das genaue Datum vergessen. "Irgendwann im März", bis dahin und nicht weiter reicht die Erinnerung des 42-Jährigen an die 23:29-Pleite. Was folgte, waren 30 Siege in Folge. Die Serie brachte der SG die zweite Deutsche Meisterschaft in der Vereinsgeschichte und aktuell die Tabellenführung mit 44:0 Punkten ein.

Den Bundesligarekord hält der THW Kiel

"Dass wir das geschafft haben, ist unglaublich", sagt Machulla. "Alles hat mit rein gespielt. Unsere Qualität, unsere Moral, auch das Glück. Auf diese Serie können wir sehr stolz sein." Den Bundesligarekord hält Landesrivale THW Kiel mit 40 Siegen in Folge - noch.

Schmäschke: "Meisterschaft war wichtig"

Auch Manager Dierk Schmäschke ist bei aller Bodenhaftung begeistert von dem, was die Mannschaft und das Trainerteam geleistet haben. "Die Meisterschaft im vergangenen Sommer war sehr wichtig. Wir haben das dadurch gewonnene Selbstvertrauen mit in die neue Saison genommen." Dennoch hatten nur wenige Experten und Fans die Flensburger im vergangenen Sommer als Titelfavoriten für die aktuelle Serie auf der Rechnung.

Neue Spieler heißt auch: neue Abläufe

Erfahrene Spieler wie Thomas Mogensen, Mattias Andersson, Henrik Toft Hansen oder Kentin Mahé hatten den Verein verlassen. Insgesamt sieben neue Spieler musste Coach Machulla ins neue Team einbauen. Und das kostet im Handball - wo viele Abläufe im Training immer und immer wieder einstudiert werden müssen - viel Zeit.

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Obwohl einige erfahrene Spieler den Verein im Sommer verlassen haben, konnte Trainer Maik Machulla mit neuen Spielern die Siegesserie fortsetzen.

So wackelte die Mannschaft auch so manches Mal bedenklich, gewann die Spitzenspiele gegen Kiel, Mannheim und Magdeburg vielleicht auch nur aufgrund des Heimvorteils. Und zitterte sich in Lemgo, Erlangen und Leipzig mit hauchdünnen Vorsprüngen zum Sieg. Für den früheren Nationalspieler Stefan Kretzschmar ist die SG daher auch die "Krimi-Truppe" der Saison.

Machulla: "Jeder Gegner will Serie beenden"

"Ja, wir hatten auch mal Glück", gibt Manager Schmäschke unumwunden zu. "Aber es gibt so viele Mannschaften auf fast gleichem Niveau. Da sind enge Spiele doch normal." Doch es wurde auch deutlich: Mit jedem Sieg - und war noch so viel Dusel dabei - stieg das Flensburger Selbstvertrauen an.

Da zudem alle Spieler gesund sind, blickt man beim Deutschen Meister ohne Angst auf die noch folgenden schweren Auswärtsspiele in Magdeburg, bei den Rhein-Neckar Löwen und in Kiel.

"Irgendwann wird der Tag kommen", weiß Machulla, "aber wir wollen natürlich so lange wie möglich die Null halten." Und theoretisch, so der Trainer, könne die Niederlage die SG überall erwischen. "Denn alle sind unglaublich motiviert gegen uns, jeder will diese Serie beenden."

In der Champions League läuft es nicht rund

Dass die Mannschaft nicht unschlagbar ist, macht ein Blick auf die Champions League deutlich. Sechs der vierzehn Vorrundenspiele endeten mit Niederlagen. Für Maik Machulla ein Grund: die kurze Vorbereitung. "Wenn du am Donnerstag in der Bundesliga spielst und nur zwei Tage später in Paris, dann muss man viel improvisieren. Und das mag ich gar nicht."

Hannover und Bietigheim können Jubiläum verhindern

Das Achtelfinale wurde dennoch erreicht. Am 23. und 31. März geht es gegen Weißrusslands Meister Brest um den Einzug in die Runde der letzten acht Mannschaften. Doch zuvor kann die SG Flensburg-Handewitt noch etwas ganz Besonderes erreichen: Sollte der Bundesliga-Spitzenreiter am Donnerstag in Hannover und eine Woche später zu Hause gegen Bietigheim gewinnen, darf am 22. März 2019 zumindest ein wenig gefeiert werden.

Ein Jahr lang hätte die Mannschaft dann alle Bundesliga-Spiele gewonnen. Und dieses Datum würde sicherlich auch Trainer Maik Machulla nicht so schnell vergessen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 14.03.2019 | 15:40 Uhr