Stand: 22.08.2019 09:24 Uhr

Schafft Flensburg-Handewitt das Meister-Triple?

von Jan Kirschner, NDR.de

Kein Verein war so oft der "Vize" der Handball-Bundesliga wie die SG Flensburg-Handewitt: inzwischen zwölfmal. Zuletzt glückten den Nordlichtern allerdings zwei Meisterschaften in Folge, sie kompensierten dabei auch den Abgang von mehreren Leistungsträgern. Gelingt den Flensburgern erneut der Coup? Der Sieg im Supercup war die erste Duftmarke. Der Teamcheck.

So lief die vergangene Saison

Sechs Abgänge, sechs Neuzugänge - nach der Vorbereitung waren die Verantwortlichen im August 2018 noch etwas skeptisch, ob der Umbruch nahtlos glücken könnte. Ein perfekter Start erhöhte das Selbstvertrauen, die Automatismen griffen. Einige Male standen gute Nerven und etwas Glück Pate. Die Rekorde purzelten: Die weiße Weste hielt die ganze Hinrunde und wurde erst Ende März mit einer Niederlage in Magdeburg befleckt. Erst als vierter Club in der 53-jährigen Bundesliga-Historie blieb die SG über ein Jahr ungeschlagen. Mit 64:4 Punkten gingen die beste Bilanz der Vereinshistorie und die drittbeste Ausbeute der Ligageschichte in die Annalen ein. Da löste es keinen Frust aus, dass man im DHB-Pokal und in der Champions League keine Bäume ausreißen konnte.

Wer kommt, wer geht

Mit Abwehrchef Tobias Karlsson und Rasmus Lauge, der ligaweit zum "Spieler der Saison" gekürt wurde, sind zwei Schlüsselfiguren ausgeschieden.

In der Deckung soll weiterhin hauptsächlich auf eine 6:0-Formation gesetzt werden. Im Angriff hofft man auf Neuzugang Michal Jurecki sowie auf einen Leistungsschub bei weiteren Akteuren. Die Hierarchie wird sich verändern. Karlsson war seit neun Jahren der Kapitän der Mannschaft. Dieses Amt übernimmt nun der routinierte Rechtsaußen Lasse Svan. Einen neuen Abwehr-Spezialisten hat die SG nicht gefunden. Stattdessen füllt der erst 19-jährige niederländische Linkshänder Niels Versteijnen den letzten Platz im 16-köpfigen Kader.

Der Trainer: Maik Machulla

Maik Machulla gelang ein Kunststück, was vorher noch niemandem glückte. Gleich in seinen ersten beiden Jahren als Cheftrainer wurde der 42-Jährige zweimal deutscher Meister. In seiner Spieler-Laufbahn war er lange Zeit als Spielmacher für den SC Magdeburg und die HSG Nordhorn aktiv. 2012 wechselte er in den hohen Norden, wuchs in die Aufgabe des Co-Trainers hinein und arbeitete intensiv mit "Chef" Ljubomir Vranjes zusammen. 2017 trat Machulla selbst an die erste Stelle, blieb der Philosophie seines Vorgängers grundsätzlich aber treu. Er installierte in den Sportbetrieb einen hauptamtlichen Athletiktrainer und wertete den Austausch mit der Sportwissenschaft auf.

Erwartungen an die Saison

Vor Jahresfrist trauten die meisten Experten Flensburg-Handewitt nur einen dritten oder vierten Rang zu. Zu groß erschien der personelle Umbruch. Die Flensburger meisterten bekanntlich die Herkulesaufgabe und wurden erneut Meister.

Diesmal erscheinen die Veränderungen im Kader vergleichsweise überschaubar. Nur zwei Spieler wurden verabschiedet - allerdings zwei Schlüsselfiguren. "Wir stehen vor der Herausforderung den besten Abwehrspieler der Welt und auch den besten Angreifer der Bundesliga ersetzen zu müssen", hält sich Maik Machulla mit einer Prognose zurück. "Wir müssen die Verantwortung im Team umverteilen." Im Supercup gegen den THW Kiel gelang das bereits erfolgreich. Die SG zeigte zum Teil sehr gute Ansätze und setzte sich knapp im Siebenmeterwerfen durch.

Gut möglich, dass einige Akteure an ihren Aufgaben wachsen werden. Die Kreisläufer Simon Hald und Johannes Golla sind sehr jung. Im Rückraum besitzen Simon Jeppsson und Göran Johannessen viel Potenzial nach oben. Mit Michal Jurecki muss nur ein Akteur eingebaut werden, der zudem viel internationale Erfahrung besitzt. Alle andere wissen, wie man eine deutsche Meisterschaft gewinnt. Die SG könnte wieder ganz an die Spitze marschieren.

Kader der SG Flensburg-Handewitt 2019/2020

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Sport aktuell | 22.08.2019 | 09:25 Uhr