Stand: 06.02.2020 16:51 Uhr

Prokop entlassen - Gislason neuer Handball-Bundestrainer

Alfred Gislason soll das DHB-Team zu den Olympischen Spielen führen.

Der Deutsche Handballbund (DHB) hat sich elf Tage nach dem Ende der EM in Schweden, Norwegen und Österreich von Bundestrainer Christian Prokop getrennt. Der Verband gab die Entscheidung am Donnerstag bekannt. Nachfolger des 41-Jährigen, der seit Sommer 2017 Bundestrainer war, wird der 60 Jahre alte Isländer Alfred Gislason, der von 2008 bis Sommer 2019 überaus erfolgreich den deutschen Rekordmeister THW Kiel trainiert hat. Gislason hatte erst in einem am vergangenen Freitag erschienenen Interview mit den "Kieler Nachrichten" bekräftigt, dass er nach seiner freiwilligen Auszeit "bereit" für einen neuen Trainerjob sei. Der DHB stellt den fünfmaligen Trainer des Jahres in Deutschland am Freitag in Hannover offiziell vor.

"Gislason bringt frische Energie"

"Wir haben diese schwere Entscheidung nach reichlicher Abwägung und einer ganzheitlichen Analyse aus Verantwortung für den deutschen Handball getroffen", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann. "Wir sind in der Analyse der Europameisterschaft davon überzeugt, dass wir unsere kurzfristigen Ziele nur mit einem neuen Impuls erreichen können." Gislason stehe aufgrund seiner langjährigen Erfahrung und Erfolge für einen solchen Impuls und bringe frische Energie in die Nationalmannschaft.

Bei der EM erneut Diskussionen um Prokop

Wie schon bei der EM 2018 und der WM 2019 hatte es bei der gerade beendeten EM ein weiteres Mal Diskussionen um Prokop gegeben.

Nach einer schwachen Vorrunde und einer Steigerung in der Hauptrunde belegte das Team Platz fünf. Prokop erhielt danach zunächst Rückendeckung aus dem Verband. Umso überraschender fiel die Entscheidung jetzt. Prokop hatte 2017 das Bundestrainer-Amt übernommen. Er war vom DHB auf Initiative von Vizepräsident Bob Hanning für eine Ablösesumme von rund 500.000 Euro vom Bundesligisten SC DHfK Leipzig abgeworben worden und hatte einen Vertrag bis 30. Juni 2022 ohne Ausstiegsklausel erhalten.

"Ich bin sprachlos, vor allem die Art und Weise, wie da mit Menschen umgegangen wird, kann ich nur ganz schwer nachvollziehen", bemängelte Ex-Nationalspieler Christian Schwarzer die Umstände der Trennung. "Eigentlich sollte der gehen, dessen Projekt das war, der das damals initiiert hat, mit Ablösesumme und allen anderen Nebengeräuschen." 

Gislason ein "Gewinn für den deutschen Handball"

Viktor Szilagyi, Geschäftsführer des THW Kiel, beglückwünschte den DHB dazu, dass er Gislason als neuen Bundestrainer verpflichten konnte. "Wir wissen, mit welchem Einsatz und welcher Akribie Alfred arbeitet. Mit seiner Erfahrung, seinen Qualitäten und seinem Charisma ist er ein Gewinn für den deutschen Handball. Wir wünschen ihm alles Gute und viel Erfolg für seine neue Aufgabe und freuen uns auf seinen nächsten Besuch in der Arena - dann als Bundestrainer!"

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 06.02.2020 | 23:03 Uhr