Rune Dahmke (l.) und Sander Sagosen (r.) vom THW Kiel im Duell mit Omar Ingi Magnusson vom SC Magdeburg © IMAGO / Eibner

Kiel verliert in Magdeburg und muss um Meisterschaft zittern

Stand: 08.06.2021 23:17 Uhr

Titelverteidiger THW Kiel hat die Meisterschaft nicht mehr in der eigenen Hand. Die "Zebras" verloren mit 33:34 (16:17) beim SC Magdeburg und haben nun einen Punkt Rückstand auf Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt.

von Hanno Bode

Die Pleite des Rekordchampions, der seit 2015 auf einen Erfolg bei den Sachsen-Anhaltinern wartet, hatte dabei dramatische Züge. Denn Kreisläufer Hendrik Pekeler sah mit dem Pausenpfiff eine diskussionswürdige Rote Karte. Zudem verletzte sich in der Schlussphase Rechtsaußen Niclas Ekberg möglicherweise schwerer. Ein Ausfall des Schweden im Saisonfinale würde die Norddeutschen hart treffen.

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Der THW Kiel hat womöglich die Meisterschaft verspielt. In Magdeburg gab es ein 33:34. Die Highlights im Video von sportschau.de extern

"Es fällt mir schwer, jetzt noch Optimismus zu zeigen. Du kämpfst zehn Monate für solche Spiele. Durch solche Spiele gewinnst du Meisterschaften, dann mit einem Tor zu verlieren, tut weh", sagte der sichtlich geknickte THW-Kapitän Domagoj Duvnjak.

Magdeburg mit dem besseren Start

Dass es ein äußerst ungemütlicher (und phasenweise schmerzhafter) Abend in der mit 1.500 zugelassenen Zuschauern gefüllten Bördelandhalle werden würde, bekam Kiels Superstar Sander Sagosen bereits nach 50 Sekunden zu spüren. Magdeburgs 107-Kilo-Koloss Zeljko Musa schickte den gerade in der Luft zum Wurf ansetzenden Norweger mit einem harten Einsatz auf die Platte. In dieser Intensität ging es fortan auf beiden Seiten weiter. Der THW nahm den Kampf an, fand zunächst aber weniger handballerische Lösungen als die Gastgeber.

Wie bereits in der zweiten Hälfte des Vorschlussrunden-Duells mit dem TBV Lemgo Lippe (28:29) beim Final Four in Hamburg vermochte es das Team von Coach Filip Jicha zu selten, aus dem Rückraum für Druck zu sorgen. Das Spiel über den Kreis und die Außen funktionierte, aus etwas weiterer Distanz aber waren die "Zebras" zu ausrechenbar und damit gut zu stellen für die SCM-Deckung.

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THW kämpft sich zurück - Pekeler sieht "Rot"

Magdeburg war vorerst etwas dynamischer und zielstrebiger im Angriff. Zweimal lag der Europa-League-Sieger mit drei Toren in Führung (7:4/13. und 14:11/25.), jeweils ließen sich die Kieler nicht weiter abschütteln. In der Schlussphase des ersten Abschnitts kam dann auch der Rückraum des Rekordmeisters besser ins Spiel. Das Jicha-Team schien die Nachwirkungen der Pokal-Schlappe gegen Lemgo endgültig verarbeitet zu haben.

Umso bitterer für die Gäste, dass Pekeler mit der Halbzeitsirene die Rote Karte sah. Der Nationalspieler hatte versucht, sich von dem ebenfalls auf dem Boden liegenden Piotr Chrapkowski zu befreien. Das Schiedsrichter-Gespann Nils Blümel/Jörg Loppaschewski wertete Pekelers Bewegung als Nachtreten und verwies ihn des Parketts.

Kiel gerät mit sechs Toren in Rückstand

Der zweite Abschnitt begann ohne Pekeler - ansonsten aber wie Durchgang eins. Erneut erwischten die Hausherren den besseren Start und konnten sich in der 41. Minute nach einem Tor von Tim Hornke zum 24:20 erstmals mit vier Treffern absetzen. Jicha zog sofort die Grüne Karte und brachte nach der Auszeit bei eigenem Ballbesitz für Keeper Niklas Landin einen siebten Feldspieler auf die Platte. Aber in Überzahl vergaben die Schleswig-Holsteiner ihre ersten beiden Angriffe, während der SCM auf der Gegenseite zweimal erfolgreich war und auf 26:20 erhöhte (43.).

Duvnjak ohne Trikot, Weinhold mit Cut, Ekberg verletzt

Die Vorentscheidung? Mitnichten! Es folgten ein zwischenzeitlicher Spannungsabfall bei den Magdeburgern sowie ein beeindruckendes Kieler Comeback. Die "Zebras" konnten durch Steffen Weinhold auf 26:27 verkürzen (49.) und waren damit endgültig zurück im Spiel. In puncto Körpersprache ließen sie keine Zweifel daran, in der Schlussphase noch einmal die allerletzten Kraftreserven mobilisieren zu wollen. Der Cut über den rechten Auge von Weinhold, den er sich beim Aufprall nach einem Wurf zugezogen hatte, unterstrich dies ebenso eindrucksvoll wie das mit Bluttropfen getränkte Trikot von Duvnjak.

Rune Dahmke (l.) und Sander Sagosen (r.) vom THW Kiel im Duell mit Omar Ingi Magnusson vom SC Magdeburg © IMAGO / Eibner
AUDIO: Handball: Kiel verspielt die Bundesliga-Tabellenführung (2 Min)

Der Mittelmann musste sein Jersey auf Geheiß der Unparteiischen ausziehen. Und weil es das letzte Hemd des Kroaten war, lief Duvnjak fortan mit dem Trikot des vom Platz geflogenen Pekeler über die Platte. Dass sich kurz vor Ultimo Ekberg verletzte und nach seinem Gang zur Bank Tränen vergoss, machte das Kieler Drama komplett. Denn der leidenschaftliche Kampf der Jicha-Mannschaft blieb letztlich unbelohnt.

"Wir hatten die Chance in der zweiten Halbzeit und haben bis zum Ende gekämpft, aber leider kam kein Punkt dabei heraus. Wenn wir die Meisterschaft holen wollen, müssen wir die Punkte halten. Ich bin unglaublich traurig jetzt", sagte Sagosen.

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