Stand: 25.03.2020 13:33 Uhr

Flensburgs Glandorf: Karriere-Ende auf dem Sofa?

Nach 19 Jahren in der Bundesliga beendet Holger Glandorf im Sommer seine Karriere.

Holger Glandorf war fleißig: Die Terrasse glänzt, der Rasen ist in einem exzellenten Zustand, Büsche und Sträucher sind gestutzt. "Mein Garten war im März noch nie so weit wie in diesem Jahr", sagt der Handballprofi der SG Flensburg-Handewitt strahlend. Es ist das Ergebnis nach 14 Tagen häuslicher Quarantäne, in die sich der 36-Jährige vorsorglich begeben musste, weil sein Sohn Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatte. Doch wie es sportlich für Glandorf weitergeht, ist völlig offen. Angesichts des möglichen Saisonabbruchs droht ihm nach 19 Jahren Bundesliga ein Abschied auf dem Sofa.

Kampf gegen Corona "wichtiger als mein Abschied"

"Natürlich wünsche ich mir ein anderes Karriere-Ende, aber wenn es so sein soll, dann nehme ich es hin. Das ist ein Schicksal von ganz oben", erklärte der gebürtige Osnabrücker. In der wohl größten Krise der 54-jährigen Bundesliga-Geschichte denkt Glandorf rational, sein persönliches Los stellt er hinten an. Es gehe jetzt darum, "möglichst viele Menschen vor dem Virus zu schützen. Das ist viel wichtiger als mein Abschied." Den könne man schließlich auch in einem anderen Rahmen nachholen.

Bodenhaftung trotz einzigartiger Laufbahn

Glandorf brauchte das große Scheinwerferlicht nie, das war in seiner einzigartigen Laufbahn immer so. Der wurfgewaltige Rückraumspieler bestritt 170 Länderspiele, holte 2007 den WM-Titel, er gewann mit Flensburg zweimal die deutsche Meisterschaft (2018 und 2019), den DHB-Pokal (2015), den Europapokal der Pokalsieger (2012) sowie 2014 die Champions League. Doch die Bodenhaftung hat der Linkshänder bis heute nicht verloren. "Ich durfte eine tolle Zeit im Handball mitmachen und genießen. Insgesamt kann ich mit meiner Karriere sehr zufrieden sein", so Glandorf, der seit März 2018 auch bester Feldtorschütze der Bundesliga-Historie ist.

Schaden für den Handball "schon jetzt immens"

Momentan treibt den 36-Jährigen aber vielmehr die aktuelle Corona-Pandemie um. "Es ist schon verrückt, was da draußen los ist", sagt er.

Vor allem sorgt sich Glandorf, der 2001 sein Debüt in der Bundesliga für die HSG Nordhorn gab und über die Station TBV Lemgo (2009 bis 2011) nach Flensburg kam, um seinen Sport. Der Schaden sei "schon jetzt immens. Alle wünschen sich, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann."

Doch weil selbst führende HBL-Funktionäre nicht mehr damit rechnen, weiß auch Glandorf, dass dieses Szenario momentan ganz weit weg ist. Im Sommer fängt Glandorf bei der SG in der Geschäftsstelle an. So ist zumindest der Plan. "Aber aktuell geschieht jede Stunde etwas Neues, Unerwartetes", weiß der Profi und schiebt die Gedanken an die Zukunft vorerst beiseite. Ab Donnerstag freut er sich erstmal über seine neue Freiheit: "Ich darf endlich wieder Laufen gehen und selbstständig einkaufen." Die Normalität kehrt zurück. Zumindest ein bisschen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 25.03.2020 | 23:03 Uhr

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