Stand: 10.06.2019 11:45 Uhr

SG Flensburg-Handewitt: Reifer Meister mit Potenzial

von Jan Kirschner
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Überwältigt zum Abschied: SG-Kapitän Tobias Karlsson.

Als die Schlusssirene in Düsseldorf ertönte, paarten sich Freude und Erleichterung bei der SG Flensburg-Handewitt - dem neuen und alten deutschen Handball-Meister. Sportlich kannte die Aufgabe beim Bergischen HC einige Klippen, aber auch der beginnende Feier-Marathon hatte seine Tücken. Lasse Svan musste ein Interview abbrechen, weil Teamkollege Marius Steinhauser ihn mit Bier überschüttete. Der scheidende Kapitän Tobias Karlsson drehte im jubelnden Karussell seiner Mannschaftskollegen mit, um sich danach erst einmal erschöpft nach vorne zu beugen. Kurz darauf schnaufte der Schwede Worte des Glücks: "Besser hätte ich mir den Abschluss meiner Karriere nicht vorstellen können. Dankbarkeit ist ein zu schwacher Begriff für das, was ich fühle, wenn ich an die konzentrierte Arbeit in dieser Saison denke."

In Düsseldorf schließt sich der Kreis

Diese Meisterschaft als Sensation zu bezeichnen, wäre übertrieben, aber zu erwarten war sie gewiss nicht. "Es gab einen Zwei- bis Drei-Jahresplan, um die Mannschaft ganz neu aufzustellen", sagte Trainer Maik Machulla: "Niemand, am allerwenigsten ich selbst, hat ernsthaft erwartet, dass wir wieder um den Titel mitspielen würden." Im August hatten die Flensburger den Supercup, das Duell mit den Rhein-Neckar Löwen, noch glatt verloren. Ausgerechnet in Düsseldorf, wo sich der Kreis nun schloss. Für eine gereifte Mannschaft, die nicht nur die Badener, sondern auch den Top-Favoriten THW Kiel hinter sich ließ. Das Vorhaben "Titelverteidigung" war lange Zeit nicht offensiv kommuniziert worden - zu groß erschien der Umbruch.

Umbruch herausragend gemeistert

Sechs Spieler waren ausgeschieden, sechs Neuzugänge mussten integriert werden. Im Tor beispielsweise musste erstmals überhaupt ein völlig neues Gespann eingebaut werden. Benjamin Buric und auch Torbjörn Bergerud schlugen voll ein, harmonierten zusammen wesentlich besser als ihre Vorgänger. Die jungen Kreisläufer Simon Hald und Johannes Golla bestätigten ihre großen Perspektiven und lernten schnell in der Abwehr, die in puncto Variabilität zulegte.

"Die frühe Niederlage gegen Zagreb war unheimlich wertvoll, weil wir daraus viele Lehren für das Verhalten gegen ein Siebener Angriff gezogen haben", blickte Karlsson in der Stunde des Triumphes noch einmal weit zurück. "Ein Meilenstein war auch die Einführung eines 5:1-Systems, mit dem wir vielen Gegnern Probleme bereiteten."

Röd der Aufsteiger der Saison

Steigerungen im Stammpersonal beschleunigten die Entwicklung der Flensburger: Linkshänder Magnus Röd darf als der große Aufsteiger gewertet werden, während dem Rückraum-Ass Rasmus Lauge von den Trainern und Managern der Liga sogar das offizielle Prädikat "Spieler der Saison" verliehen wurde. Nach einer etwas holprigen Vorbereitung erwischte die SG mit Siegen in Berlin und gegen Kiel einen guten Start. Das Selbstvertrauen wuchs, die Rekorde purzelten: Die weiße Weste hielt die ganze Hinrunde und wurde erst Ende März mit einer Niederlage in Magdeburg befleckt.

Als vierter Club in der 53-jährigen Bundesliga-Historie blieb die SG über ein Jahr ungeschlagen. Mit 64:4 Punkten geht nun die beste Bilanz der Vereinshistorie und die drittbeste Ausbeute der Ligageschichte in die Annalen ein.

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Schmäschke: "In der Mannschaft steckt noch viel Potenzial"

Ob ein Titel-Hattrick möglich ist? Nach dem Umbruch ist vor dem Umbruch: Mit Kapitän und Abwehrchef Karlsson und Ausnahmekönner Lauge, der nach Veszprem geht, scheiden dieses Mal zwar nur zwei Spieler aus, beide waren aber absolute Stützen. "Da müssen wir uns wieder was Gutes einfallen lassen", so Machulla: "Es ist fast unmöglich, die beiden 1:1 zu ersetzen." SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke zeigte sich trotzdem zuversichtlich: "Wir haben vor dieser Saison viele jüngere Spieler geholt, in der Mannschaft steckt noch viel Potenzial."

So richtig interessierte die Zukunft an diesem Abend aber noch niemanden. Jetzt prasselten die Gesänge der mitgereisten Fans auf den neuen deutschen Meister nieder. Während dieser kurz darauf gen Norden flog, reisten 750 Schlachtenbummler in einem Sonderzug zurück. Die SG-Party erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt. "Einmal Flensburg, immer Flensburg", skandierten die Fans, um kurz darauf ihren Gesang mit Schadenfreude zu tränken: "Und wieder keine Schale, THW!"

Wieder Meister - Flensburg feiert

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 10.06.2019 | 19:30 Uhr