Die Fußballerinnen des Walddörfer SV bejubeln den Sieg im Hamburger Verbandspokal © Witters Foto: Leonie Horky

DFB-Pokal: Frauen des Walddörfer SV vor dem Spiel ihres Lebens

Stand: 30.01.2021 10:35 Uhr

Die Amateurfußballerinnen des Walddörfer SV empfangen heute (15 Uhr) Bundesliga-Spitzenreiter FC Bayern München zum Achtelfinal-Duell im DFB-Pokal. Ein Weiterkommen der Hamburgerinnen wäre eine Riesensensation.

Der Zeitplan von Moana Michelsen ist eng getaktet. Die 21-Jährige bestreitet ihren Lebensunterhalt als Zoll-Sachbearbeiterin und studiert parallel dazu Wirtschaftspsychologie und Betriebswirtschaftslehre. Und auch in ihrer Freizeit wird es Michelsen nicht langweilig. Sie ist Torhüterin der "Waldis", wie sich die Regionalliga-Kickerinnen des Hamburger Verbandspokalsiegers selbst rufen. Es bedarf keines Blickes in die Glaskugel, um zu erahnen, dass sich die Schlussfrau am Sonnabend im "Spiel unseres Lebens" (Michelsen) nicht über Mangel an Beschäftigung beklagen wird.

Schließlich trifft der Club aus dem vornehmen Stadtteil Volksdorf auf den nach 13 Spieltagen noch verlustpunktfreien Erstliga-Tabellenführer, der zudem im Champions-League-Achtelfinale steht. Alles andere als ein sehr deutlicher Sieg des Starensembles von der Isar um Welt- und Europameisterin sowie Olympiasiegerin Simone Laudehr wäre überraschend.

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Keeperin Michelsen "ganz entspannt"

"Gegen die 'Roten' zu spielen, ist natürlich schon ein Highlight, da ist man zu 200 Prozent motiviert", sagte Michelsen dem NDR. Die Keeperin, die zu Saisonbeginn aus beruflichen Gründen vom MTV Barum zum WSV wechselte, ist wild entschlossen, es den Münchner Dauersiegerinnen so schwer wie möglich zu machen: "Ich habe auch schon bei Jungs gespielt. Das ist auch nicht viel anders. Ich schätze nicht, dass die jetzt irgendwie härter schießen als Jungs im Alter von 18 Jahren. Deswegen bin ich ganz entspannt."

DFB zahlt regelmäßige Corona-Tests

Getreu dem Motto: "Wir haben keine Chance - und die wollen wir nutzen", gehen die Volksdorferinnen in das Duell mit dem FCB. "Wir wollen versuchen sie zu stören, alles zu geben und als Team einfach auch beweisen, dass wir im Moment die beste Hamburger Frauenmannschaft sind", erklärte Angreiferin Lisa Stein-Schomburg. Eigentlich müssten die 29-Jährige und ihre Teamkameradinnen derzeit wegen des Lockdowns wie alle anderen Amateursportler pausieren. Weil der DFB-Pokal jedoch als Profi-Wettbewerb gilt, dürfen die WSV-Fußballerinnen mit einer Ausnahmegenehmigung trainieren. Regelmäßig werden sie von ihrem Betreuer Heinrich Färber, einem Facharzt für Innere Medizin, auf das Coronavirus getestet. Der 62-Jährige macht es ehrenamtlich, die Laborkosten trägt der DFB.

Im Oktober hatte es beim WSV zwei positive Befunde gegeben, weshalb die ursprünglich für den 1. November angesetzte Zweitrunden-Partie beim TV Jahn Delmenhorst erst am 13. Dezember ausgetragen werden konnte. Die Hanseatinnen gewannen die Begegnung durch Tore von Dalina Saalmüller und Mirella Tizia Pleqi mit 2:1.

Generalprobe gegen Werder Bremen misslingt

Torhüterin Moana Michelsen (r.) vom Walddörfer SV im Duell mit Reena Wichmann von Werder Bremen © IMAGO / foto2press
Auf WSV-Keeperin Moana Michelsen (r.) kommt im Spiel gegen Bayern viel Arbeit zu.

Es war das bis dato letzte Pflichtspiel für die "Waldis". Um wieder ein wenig in den Wettkampf-Modus zu kommen, bestritten die Hamburgerinnen am 17. Januar ein Testspiel gegen den Bundesliga-Neunten Werder Bremen. Es ging mit 1:7 verloren. Und nun wartet auf den WSV auf dem Trainingsplatz des Hamburger SV am Volksparkstadion mit dem FCB noch ein ganz anderes Kaliber als der Aufsteiger. "Das ist für uns alle gar nicht richtig real. Das sind eigentlich Spielerinnen, die wir im Fernsehen sehen und teilweise auch bewundern - zu denen wir aufgucken. Und nun dürfen wir gegen sie spielen", sagte Mittelfeldakteurin Saalmüller. Ihr Trainer Niels Quante war ebenfalls bemüht, den Riesenunterschied zwischen den Kontrahenten herauszustellen: "Hier haben wir das Szenario, dass ein absoluter Proficlub auf einen absoluten Amateurverein trifft."

Dass seiner Equipe eine ähnliche Sensation wie zuletzt Holstein Kiel im Männerwettbewerb gegen die Bayern gelingen kann, hält der gerade einmal 27 Jahre alte Coach für ziemlich unwahrscheinlich: "Der Leistungsunterschied ist bei uns viel größer als im Herrenbereich."

Unmögliches wird sofort erledigt ...

Sensation also gänzlich ausgeschlossen? Nicht, wenn es nach der Social-Media-Abteilung der "Waldis" geht. "Wenn wir unser Achtelfinale gegen die Bayern erwartungsgemäß gewinnen, wartet eine Runde später mit der TSG Hoffenheim eine deutlich leichtere Aufgabe. Nur noch drei Siege bis Köln", hieß es auf Instagram, nachdem am 4. Januar die Runde der letzten Acht ausgelost wurde. Und auch beim selbst erstellten "Favoritencheck" (siehe unten) sah sich der WSV auf Augenhöhe mit dem FCB.

Nun müssen die "Waldis" den markigen (und nicht ganz ernstgemeinten) Worten Taten folgen lassen. Eine außergewöhnliche Leistung ihrer rastlosen (und furchtlosen) Torhüterin würde ihnen bei der "Mission Favoritensturz" fraglos sehr helfen...

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 31.01.2021 | 22:50 Uhr

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