Stand: 18.08.2020 15:29 Uhr

DFB-Pokal: Auflagen stressen Dorfverein SV Todesfelde

Einmal dabei sein im Kreis der 64 Teilnehmer in der ersten Runde im DFB-Pokal - davon träumen viele Fußball-Amateur-Clubs. Doch so schön für die kleinen Vereine vor dem Finaltag der Amateure an diesem Sonnabend die Aussicht auf ein später folgendes Duell mit einem Proficlub auch ist, so herausfordernd ist es, die Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu erfüllen. Diese Erfahrung hat der SV Todesfelde gemacht. Die Pokal-Bürokratie stresst den schleswig-holsteinischen Oberligisten vor dem Landespokal-Finale gegen Drittliga-Aufsteiger VfB Lübeck (Sonnabend, 16.45 Uhr, im Livestream bei NDR.de).

Dabei ist Todesfelde eigentlich längst fokussiert. Der Plan steht: In Malente Lübeck bezwingen und dann am 12. September in der ersten Runde den Zweitligisten VfL Osnabrück empfangen. Stellt sich nur die Frage, wo das sein würde. Ob das Stadion der 1.000-Einwohner-Gemeinde im Kreis Segeberg den Anforderungen des DFB genügt, ist derzeit noch nicht sicher.

SV-Präsident Böhm: "Wie sollen wir das machen?"

Denn der Verband hat hohe Anforderungen an die Amateurclubs gestellt, unter Corona-Bedingungen ein Heimspiel zu veranstalten. Obwohl die erste Runde im DFB-Pokal erst Mitte September stattfindet, mussten alle noch möglichen Teilnehmer bereits bis Anfang dieser Woche Antworten darauf finden, wie die Hygiene- und Sicherheitsvorgaben umzusetzten sind. Holger Böhm, Präsident des SV Todesfelde, zeigte sich im Gespräch mit dem NDR erstaunt darüber, wie umfangreich die DFB-Bestimmungen sind.

"Das ist ein ganzer DIN-A4-Ordner für irgendwelche Sachen. Allein die Unterschriften von irgendwelchen Ordnungsämtern zu besorgen, wegen bautechnischer Geschichten - das kriegen wir alles gar nicht zusammen in der kurzen Zeit. Wie sollen wir das machen?", fragt er rhetorisch. Sie hätten ihr Bestes versucht, versicherte Böhm. "Viele Dinge konnten wir gar nicht ausfüllen. Diese Unterlagen sind so immens und sie sind auf Bundesligisten und ambitionierte Regionalligisten zugeschnitten, die schon ein Fußballstadion haben."

Standort möglich? DFB will Gespür bekommen

Heike Ullrich, stellvertretende Generalsekretärin des DFB, verteidigte im Gespräch mit dem NDR das Vorgehen, so früh von den Clubs die Angaben zu fordern.

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"Uns ist es sehr, sehr wichtig, ein Gespür dafür zu kriegen, ob wir an den Standorten die Spiele durchführen können oder ob auf neutrale Orte ausgewichen werden muss." Aber auch über den Fragenkatalog des DFB hinaus bleiben Fragen, die nur schwer zu beantworten sind. Etwa die, ob Amateurspieler im Vorfeld der ersten Runde genauso intensiv getestet werden wie Profis, obwohl sie arbeiten und sich deshalb kaum abschotten können. Das schlimmste Szenario: Amateurspieler stecken Profis an, und der Spielerkader der Proficlubs müsste in Quarantäne - eine Woche vor dem Ligastart.

Böhm: "Steht da wie ein Ochse vor dem Berg"

"Selbstverständlich wird auch hier notwendig sein, dass wir keine ungestesteten Spieler gegen getestete antreten lassen. Auch aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen müssen wir Sorge dafür tragen, dass wir gute Regelungen finden, damit beide Vereine auch getestet gegeneinander antreten können", sagte Ullrich.

Vereinspräsident Böhm fühlt sich im Dickicht der Regularien offenbar etwas verloren, wie er durchblicken lässt, und möchte eine bessere Kommunikation und individuellere Unterstützung vom DFB: "Ich würde mir wünschen, dass sie einfach mit uns über die Anlage gehen und sagen: 'Okay, unter diesen Voraussetzungen könnten wir uns das vorstellen oder unter diesen nicht.' Ein Verein, der das noch nicht gemacht hat, steht da wie ein Ochse vor dem Berg. Das ist so", bekräftigte Böhm, den aber ein Ziel antreibt - dass das größte Spiel der Vereingeschichte auch in Todesfelde ausgetragen werden kann. Dafür muss aber zunächst einmal am Sonnabend der VfB Lübeck bezwungen werden.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 18.08.2020 | 08:25 Uhr

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