Stand: 03.08.2018 22:23 Uhr

Abreibung zum Auftakt: HSV geht gegen Kiel unter

von Matthias Heidrich, NDR.de

Das hatte sich der Hamburger SV vollkommen anders vorgestellt. Vor dem ersten Zweitligaspiel der Vereinsgeschichte herrschte rund um den Bundesliga-Dino a.D. eine regelrechte Euphorie. Doch dann kam Holstein Kiel mit Neuzugang Jae-Sung Lee ins ausverkaufte Volksparkstadion und am Ende herrschte in Hamburg große Ernüchterung. Die Mission sofortiger Wiederaufstieg erhielt durch die 0:3 (0:0)-Auftaktpleite gegen die komplett neu zusammengestellten Schleswig-Holsteiner einen herben Dämpfer. Lee führte die "Störche", die vor allem in der zweiten Hälfte überzeugten, mit einer überragenden Leistung zu einem verdienten Sieg.

HSV-Führungsspieler Lewis Holtby fand im Interview mit dem NDR Hörfunk deutliche Worte: "Es ist desaströs, und es tut mir für jeden Einzelnen leid hier. Es war das erste Saisonspiel, wir haben auf die Fresse bekommen und müssen es jetzt besser machen - weil so geht es nicht.“ Ganz anders war die Stimmung bei Kiels Trainer Tim Walter: "Meine Mannschaft hat sehr gut attackiert und gut verteidigt. Wenn man gewinnt, ist das schön, da freuen wir uns. Und ab Montag geht es weiter."

Der HSV leidet, Holstein Kiel feiert

HSV betreibt Chancen-Wucher

1.Spieltag, 03.08.2018 20:30 Uhr

Hamburger SV

0

Holstein Kiel

3

Tore:

  • 0:1 Meffert (56.)
  • 0:2 Kinsombi (78.)
  • 0:3 Honsak (90. +3)

Hamburger SV: Pollersbeck - G. Sakai, Bates (57. David), van Drongelen, Douglas Santos - Steinmann - Narey, Janjicic (83. C. Moritz), L. Holtby, Tat. Ito - Samperio Bustara (57. Lasogga)
Holstein Kiel: Kronholm - Dehm (70. P. Herrmann), Schmidt, Wahl, van den Bergh - Mühling, Meffert - K. Schindler, J. Lee (81. Mörschel), Honsak - Serra (70. Kinsombi)
Zuschauer: 57000 (ausverkauft)

Weitere Daten zum Spiel

Zum Auftakt in die neue Zweitligasaison boten beide Teams eine taktisch und spielerisch interessante Partie. Sowohl der HSV, ohne den verletzten Kapitän Aaron Hunt in der Anfangsformation, als auch die Kieler pressten früh, teilweise schon am Strafraum des Gegners und provozierten so Fehler des jeweils anderen. Vor allem die Hamburger, bei denen Torwart Julian Pollersbeck in Ballbesitz eine Art zentralen Aufbauspieler in der Dreierkette gab, hätten früh führen können, eigentlich müssen. Tatsuya Ito zielte am langen Pfosten vorbei (3.), Jairo vertändelte nach starker Ballannahme kläglich (5.) und der zu Beginn gut aufgelegte Holtby setzte einen Lupfer aus aussichtsreicher Position weit am KSV-Tor vorbei (12.). Holstein-Keeper Kenneth Kronholm hatte zuvor einen fatalen Fehlpass gespielt. Auch Khaled Narey brachte den Ball nicht im Kieler Tor unter, obwohl der Neuzugang von Greuther Fürth zwei richtig gute Gelegenheiten hatte (19., 35.). Ein gefälliger Auftritt der jungen Mannschaft von Trainer Christian Titz, allein der Treffer fehlte.

Kiel steigert sich kontinuierlich

Die Gäste von der Förde, mit sechs Neuzugängen in der Startelf, sahen sich durch so viel Hamburger Leichtfertigkeit offensichtlich ermutigt, ebenfalls ihr Glück in der Offensive zu versuchen. Mehr Ballbesitz hatten die Schleswig-Holsteiner ohnehin. Königstransfer Lee nahm nach 22 Minuten Maß, scheiterte jedoch an Pollersbeck. Mathias Honsak war nach einem verunglückten Kopfball von Rick van Drongelen frei durch, doch Gotoku Sakai blockte den Schuss in letzter Sekunde (31.). KSV-Neuzugang Jonas Meffert setzte kurze Zeit später erneut Honsak mit einem millimetergenauen Pass über den halben Platz in Szene, doch der Österreicher verzog (37.). Glück für den HSV, der mit seiner Spielweise viel Risiko ging und dem an vielen Stellen die Souveränität fehlte, die Titz-Vorgabe, alles spielerisch lösen zu wollen, erfolgreich in die Tat umzusetzen.

Lee bärenstark, Meffert macht's brillant

Kiel wurde mit zunehmender Spieldauer immer stärker. Vor allem Lee glänzte als stets anspielbarer, technisch versierter und ballsicherer Mittelfeldmotor. Es kam nicht von ungefähr, dass der Südkoreaner in der 56. Minute Meffert bediente, der mit einem perfekten Schlenzer in den Winkel das 1:0 für die Gäste markierte. Zuvor hatte Pollersbeck mit einer Rettungstat vor dem heranfliegenden WM-Fahrer noch den Rückstand verhindern können (47.). Titz reagierte, brachte den erst 18 Jahre alten Jonas David für den überfordert wirkenden David Bates und Pierre-Michel Lasogga für Jairo (57.). Das half allerdings auch nicht. Kiel zeigte jetzt die deutlich reifere Spielanlage. Lee legte mit viel Übersicht in der 78. Minute auf den eingewechselten David Kinsombi quer - 2:0 für die KSV. In der Nachspielzeit wurde es dann ganz bitter für den HSV. Honsak (90.+3) traf zum 3:0 für die Gäste, die einen Traumstart hinlegten und den Traditionsclub von der Elbe gleich in die Krise schossen.

Dieses Thema im Programm:

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