Stand: 12.10.2018 09:00 Uhr

HSV-Kapitän Hunt: "Wir sind absolut im Soll"

Seit dem Sommer Kapitän beim Hamburger SV: Aaron Hunt.

Als Aaron Hunt im Sommer 2015 zum Hamburger SV wechselte, waren einige Fans nicht gerade begeistert. Der Spielmacher kam zwar vom VfL Wolfsburg an die Elbe, hatte zuvor aber 13 Jahre lang das Trikot des Erzrivalen Werder Bremen getragen. Drei Jahre später sind die Anfeindungen vergessen und Hunt trägt beim HSV sogar die Kapitänsbinde. Nach dem historischen Abstieg in die Zweite Liga soll der Routinier den Traditionsclub zurück in die Bundesliga führen. Im NDR Interview spricht der 32-Jährige über sein neues Amt, den in der Kritik stehenden Trainer Christian Titz und die Ziele bis zur Winterpause.

Herr Hunt, ist es eigentlich ein leichter Job HSV-Kapitän zu sein?

Aaron Hunt: Es ist auf jeden Fall ein Job, der mir Spaß macht. Man hat die eine oder andere Aufgabe mehr und steht etwas mehr in der Verantwortung. Aber es ist kein Hexenwerk und immer noch nur Fußball. Es gibt durchaus schwierigere Aufgaben im Leben.

Spüren Sie als Kapitän aktuell eine besondere Verantwortung?

Hunt: Na klar spürt man die. Das ist völlig normal. Wir wollen sofort wieder aufsteigen. Die Saison hat schon jetzt gezeigt, dass das eine schwere Aufgabe wird. Aber wir sind absolut im Soll. Wir haben eine sehr junge und talentierte Mannschaft. Rückschläge gehören dazu.

Wie gehen die jungen Spieler mit der Drucksituation in der Zweiten Liga um? Und wie können Sie ihnen dabei helfen?

Hunt: Es wird erwartet, dass wir jede Mannschaft an die Wand spielen und mit 4:0 nach Hause schicken. Das wird nicht funktionieren. Wir hatten einen riesigen Umbruch im Sommer und die Zweite Liga ist nicht so schlecht, wie sie von manchen gemacht wird. Unsere Mannschaft muss wachsen und sich zusammenfinden. Bei jungen Spielern ist es normal, dass sie große Leistungsschwankungen haben. Es braucht alles Zeit. Wir sind oben dran, das ist das Wichtigste.

Wie sieht ihrer Meinung nach eine faire und gerechte Bewertung der HSV-Mannschaft aus?

Hunt: Es ist mit die größte Herausforderung, dass an uns nun ein ganz anderer Anspruch gestellt wird. Dessen müssen wir uns bewusst sein und wir müssen die Rolle annehmen. Man merkt, dass sich alle Mannschaften gegen uns hinten reinstellen. Das ist jedes Wochenende eine Herausforderung.

Hat das 0:5 gegen Regensburg ein bisschen was kaputt gemacht?

Hunt: Das war von unserer Seite völlig unnötig. Es war Wahnsinn, dass wir das 0:5 verlieren. Auch wir Spieler mussten uns erst einmal ein paar Tage schütteln. Aber wir haben eine Reaktion gezeigt und die folgenden beiden Begegnungen zu null gespielt. An solchen Spielen wird die Mannschaft wachsen.

Trainer Christian Titz wird von vielen Seiten kritisiert. Wird er zurzeit fair bewertet?

Kommentar

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Hunt: Im Fußball geht es selten fair zu. Daher ist es für uns als Mannschaft egal, ob es fair oder unfair ist. Wir können es sowieso nicht ändern. Wir arbeiten alle sehr gern mit dem Trainer zusammen. Das haben wir in Darmstadt gezeigt. Die Trainerdiskussion ist für mich völlig unnötig. Im Sommer kam der Umbruch, den alle in Hamburg Jahre lang wollten. Und dann gehört es auch dazu, dass man jetzt ein wenig Geduld hat mit dem Team und nicht nach zwei, drei Spielen, die man nicht gewinnt, direkt Diskussionen anfängt.

Nach außen wirkt der Trainer sehr ruhig und sachlich. Haben Sie das Gefühl, dass er etwas geändert hat, jetzt wo er in der Kritik steht?

Hunt: Nein, er hat nichts geändert. Er ist immer noch locker und hat sich nicht verstellt. Man hat es ihm nicht angemerkt, dass er besonders unter Beobachtung steht. Das hat der Mannschaft geholfen. Das war seine erste richtige Krise als Profi-Trainer.

Wie kann man es verhindern, dass bei möglichen weiteren Rückschlägen gleich wieder Unruhe aufkommt?

Hunt: Wir als Mannschaft können nur die Ergebnisse liefern. Dann wird automatisch Ruhe einkehren. Den Rest können wir nicht lösen. Die nächsten Wochen werden entscheidend sein. Wir wollen alle nach oben und nach Möglichkeit am Ende Erster sein.

Sie bekommen trotz meist sehr guter Laufleistungen schlechte Noten. Beschäftigt Sie das noch?

Hunt: Das ist mir ziemlich egal. Mich interessiert es recht wenig, was die Leute von außen sagen. Man kann es sowieso nie allen rechtmachen. Von daher ist es wichtig, wie ich mich sehe und wie mein Team mich sieht. Ich kann relativ gut unterscheiden, ob ich gut oder schlecht spiele. Dafür brauche ich keine Zeitung.

Wie gehen Sie mit Kritik in Zeiten um, in denen jeder öffentlich bei Instagram und Co. seine Meinung kundtun kann?

Hunt: Jeder fühlt sich dort berufen, seine Meinung zu sagen. Jeder denkt, er ist der Trainer und weiß es besser. Auch das ist unwichtig für mich. Das interessiert mich nicht. Man kann schnell draufhauen. Aber als Profi sollte man sich davon nicht beeindrucken lassen.

Gibt es ein Ziel, wo Sie mit dem HSV bis zur Winterpause stehen wollen?

Hunt: Nach Möglichkeit ganz oben. Die Phase bis zur Winterpause ist eine sehr entscheidende. Unser Ziel ist es, jedes Spiel zu gewinnen.

Das Interview führte Mats Nickelsen, NDR Hörfunk

Dieses Thema im Programm:

Sportreport | 13.10.2018 | 18:06 Uhr

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