Stand: 28.08.2018 08:30 Uhr

Ditmar Jakobs: "Der HSV ist nicht mein Leben"

Ditmar Jakobs gehört zu den großen Spielern in der Geschichte des Hamburger SV. Er gewann mit dem Club unter anderem den Europacup der Landesmeister. Doch die meisten Fußball-Fans verbinden mit seinem Namen vor allem den vielleicht tragischsten Unfall der Bundesliga-Historie. Inzwischen ist er sowohl zum HSV als auch zum Fußball im Allgemeinen auf Distanz gegangen.

Ditmar Jakobs © Witters Foto: Valeria Witters
323 Bundesliga-Partien bestritt Ditmar Jakobs für den HSV.

Es ist der 20. September 1989: Der HSV spielt gegen Werder Bremen. Ein Nordderby mit denkbar tristem Rahmen, lediglich 14.000 Zuschauer sind ins zugige Volksparkstadion gekommen. Ihnen stockt in der 14. Spielminute der Atem. Nach einem Schuss von Wynton Rufer klärt Ditmar Jakobs den Ball artistisch kurz vor der Torlinie, rutscht dabei aber so unglücklich ins Tornetz, dass sich ein Karabinerhaken in seinen Rücken bohrt. Alle vorsichtigen Versuche, ihn aus dieser Lage zu befreien, scheitern. Schließlich greift der Mannschaftsarzt zum Skalpell und schneidet den Haken aus Jakobs Rücken. Das dauert 20 Minuten, Nervenstränge werden dabei durchtrennt. Es ist das abrupte Ende einer großen sportlichen Karriere.

Für eine Million D-Mark aus Duisburg nach Hamburg

"Darüber will ich nicht mehr reden. Das ist lange vorbei. Ich will nicht nur auf das reduziert werden, was damals passiert ist", sagt Jakobs, der inzwischen 65 Jahre alt geworden ist. Tatsächlich wäre es falsch, Jakobs' sportliche Leistungen nicht ausreichend zu würdigen. 1979 kommt er vom MSV Duisburg zum damaligen deutschen Meister. Fast eine Million D-Mark lässt sich der HSV den Transfer kosten. Eine Investition, die sich auszahlen sollte.

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HSV-Verteidiger Ditmar Jakobs liegt verletzt im Tor © picture-alliance

Ditmar Jakobs: Gefangen am Karabinerhaken

Es war der schrecklichste Unfall der Bundesliga-Geschichte: Am 20. September 1989 bohrt sich ein Karabinerhaken in den Rücken von HSV-Verteidiger Ditmar Jakobs. mehr

Der ruhende Pol in der Defensive

In den kommenden zehn Jahren gehört Jakobs immer zur Stammelf, sowohl unter Branko Zebec als auch unter Ernst Happel. Der gebürtige Oberhausener ist ein außerordentlich guter Verteidiger, stark im Zweikampf und im Kopfballspiel. Und hart gegen sich selbst: Unter anderem bricht sich Jakobs fünf Mal das Nasenbein. Mit dem HSV wird er 1982 und 1983 Meister, 1987 Pokalsieger und gehört auch zu jener Elf, die am 25. Mai 1983 gegen Juventus Turin den Europacup der Landesmeister gewinnt. Im Fokus stehen meistens Spielmacher Felix Magath, Flankengott Manfred Kaltz oder Stürmer Horst Hrubesch. Doch Jakobs ist mit seiner Routine und Übersicht eine ebenso große Stütze für die Mannschaft.

Stammspieler in der Nationalelf erst unter Beckenbauer

Jakobs' Karriere in Zahlen

1971-1974 RW Oberhausen (78 Spiele/25 Tore)
1974-1977 Tennis Borussia Berlin (101/16)
1977-1979 MSV Duisburg (68/2)
1979-1989 Hamburger SV (323/27)
1980-1986 Nationalspieler (20/1)

Ein Stammspieler der besten deutschen Vereinsmannschaft müsste eigentlich auch Nationalspieler sein. Doch Profis vom HSV haben es bei Bundestrainer Jupp Derwall schwer. Jakobs spielt unter dem Coach genau einmal, am 13. Mai 1980 gegen Polen. Danach kommt es zum Zerwürfnis. Erst als sein ehemaliger HSV-Mannschaftskollege Franz Beckenbauer 1984 das DFB-Team übernimmt, kehrt Jakobs zurück in die Nationalmannschaft und steht auch beim verlorenen WM-Endspiel 1986 gegen Argentinien auf dem Platz, im Alter von 33 Jahren.

Erfolgreicher Geschäftsmann

Ditmar Jakobs © Witters Foto: Valeria Witters
Jakobs berät auch Fußball-Profis in Versicherungsfragen.

Wäre der tragische Unfall nicht gewesen, Jakobs hätte vielleicht noch mit 40 die Schuhe in der Bundesliga geschnürt. "Solange die Leistung stimmt, spiele ich", lautete sein Motto. Und die Leistung stimmte eigentlich immer, auch noch 1989. So gesehen kommt das Karriereende abrupt, trifft ihn aber nicht unvorbereitet. "Ich wusste, das richtige Leben ist ein anderes als das in kurzer Hose", sagt Jakobs, der seit seinem Karriereende erfolgreich eine Versicherungsagentur in Norderstedt betreibt. Die Verbindung zu alten Weggefährten ist erhalten geblieben. Zu den ehemaligen Teamkollegen Holger Hieronymus, Horst Hrubesch, Bernd Wehmeyer und Sascha Jusufi hat Jakobs noch regelmäßigen Kontakt. Zu seinem Ex-Club nicht mehr: "Der HSV ist nicht mein Leben. Ich habe mich gelöst." Den Fußball betrachtet Jakobs ohnehin aus der Distanz.

Hin und wieder steht er noch auf dem Golfplatz. "Ich versuche, ab und an Golf zu spielen. Aber das werde ich nicht mehr lernen." Seine große Leidenschaft ist das Reisen. "Mit meiner Frau im Wohnmobil durch Europa fahren - herrlich", schwärmt Jakobs. Die nächste Tour ist bereits geplant. Mit 65 ist noch lange nicht Schluss.

VIDEO: 55 Jahre HSV in der Bundesliga (2 Min)

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 28.08.2018 | 08:25 Uhr

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