Stand: 26.07.2018 09:51 Uhr

Felix Magath: Spielmacher-Genie und Meistertrainer

von Sebastian Ragoß, NDR.de
Felix Magath © dpa - Bildfunk Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Als Spieler und Trainer erfolgreich: Fußball-Legende Felix Magath

Ernst Happel hatte sein Urteil über Felix Magath schnell gefällt: "Das ist ein Klosterschüler, aus dem im harten Profigeschäft nie etwas wird." Doch auch einer der besten Trainer aller Zeiten war nicht frei von Irrtümern. Als Spieler war Magath Kopf des großen Hamburger SV in den 1970er- und 80er-Jahren, heimste zahleiche Titel ein. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten wurde aus dem gebürtigen Aschaffenburger auch ein erfolgreicher Trainer. Spitzname "Quälix".

1976 kam Felix Magath vom 1. FC Saarbrücken zum HSV und etablierte sich ohne Startschwierigkeiten im Team. Der damals 23-jährige Linksfuß bestach durch seine brillante Technik, Übersicht und hohe Laufbereitschaft. Am Ende seiner ersten Saison in Hamburg hielt Magath den ersten Pokal in den Händen. Im Finale des Europacups der Pokalsieger besiegte der HSV den RSC Anderlecht, Magath selbst erzielte den Treffer zum 2:0-Endstand.

VIDEO: Athen 1983: HSV auf Europas Fußball-Thron (4 Min)

Torschütze bei zwei Europacup-Erfolgen 

Der Hamburger SV war nach Jahren im Mittelmaß wieder eine der besten Adressen in der Bundesliga. Zwischen 1979 und 1984 gewannen die Hanseaten drei deutsche Meisterschaften und wurden drei Mal Vize-Meister. Unter Happel entwickelte sich der HSV zu einer europäischen Spitzenmannschaft, die 1983 ihren Zenit erreichte. Als Außenseiter gingen die Hamburger in das Finale von Athen um den Europacup der Landesmeister gegen Juventus Turin: Gerade einmal acht Minuten sind gespielt, als Magath an den Ball kommt, Roberto Bettega aussteigen lässt und das Leder unhaltbar ins Tor schießt. Der HSV verteidigt seinen Vorsprung und ist die beste Mannschaft Europas. "Mein emotionalster Moment", erklärte Magath später.

In der Nationalmannschaft spielte der HSV-Regisseur jedoch nicht die Hauptrolle. Profis aus Hamburg besaßen keinen hohen Stellenwert bei Bundestrainer Jupp Derwall, der Paul Breitner Magath vorzog. Der HSV-Regisseur hatte deshalb 1982 seinen Rücktritt erklärt und konnte erst zwei Jahre später von Teamchef Franz Beckenbauer zu einem Comeback überredet werden. Magaths letztes von 43 Länderspielen war das WM-Finale 1986 gegen Argentinien, in dem er allerdings nach einer Stunde ausgewechselt wurde.

Zebec und Happel als Vorbilder

Bildergalerie
HSV-Profi Felix Magath stemmt 1983 die Trophähe für den Europapokalsieg der Landesmeister in den Athener Himmel. © imago/WEREK

Felix Magaths Karriere in Bildern

Über 300 Bundesliga-Partien für den HSV, wichtige Treffer im Europacup, Trainer-Stationen in Hamburg, Bremen und Wolfsburg: Die Karriere von Felix Magath in Bildern. Bildergalerie

Magaths aktive Karriere war beendet. Ohne Pause wechselte er die Seiten und übernahm den Manager-Posten beim HSV, für den er insgesamt 306 Bundesliga-Spiele bestritten hatte. Nach zwei Jahren wurde er entlassen, auch in Saarbrücken und Uerdingen wurde Magath nicht glücklich und beklagte die fehlende "Nähe zum Ball". Die Entscheidung, als Trainer zu arbeiten, kam deshalb nicht überraschend. Abseits vom hektischen Profi-Fußball übernahm Magath 1992 den Verbandsligisten FC Bremerhaven. Ein Jahr später wechselte er als Assistent von Benno Möhlmann erneut zum HSV und wurde am 6. Oktober 1995 zum Chef befördert. Wie seine Vorbilder Zebec und Happel drillte Magath seine Spieler, Spitznamen wie "Quälix" machten bald in Hamburg die Runde. Nach kurzfristigen Erfolgen nutzten sich Magaths Methoden jedoch ab, er wurde in der Branche als "Feuerwehrmann" und "Retter" gesehen und vor allem von Clubs im Abstiegskampf verpflichtet. Nachdem er Eintracht Frankfurt aus einer fast aussichstlosen Situation zum Klassenerhalt geführt hatte, urteilte Jan Aage Fjörtoft: "Ob Felix Magath die Titanic gerettet hätte, weiß ich nicht. Aber die Überlebenden wären topfit gewesen."

Sensations-Meister mit Stuttgart

Beim VfB Stuttgart bewies Magath, dass er mehr ist als ein Heißmacher. Mit der jungen Mannschaft wurde er sensationell 2003 Vizemeister und erstmals (wie auch 2005 und 2009) zum Trainer des Jahres gewählt. Rekordmeister Bayern München warb Magath ab und vertraute ihm die notwendig gewordene Erneuerung seiner Mannschaft an. Zumindest auf nationaler Ebene wurden Manager Uli Hoeneß und Co. nicht enttäuscht. Zweimal in Folge holten die Münchner unter Magath das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal. Doch fehlender Erfolg in der Champions League und eine schwache Saison in der Bundesliga führten im Januar 2007 zu Magaths Entlassung.

"Mächtigster Coach der Bundesliga-Geschichte" in Wolfsburg

Felix Magath reckt die Meisterschale in die Höhe. © fishing 4
Felix Magath reckt die Meisterschale in die Höhe.

Keine vier Monate später hatte der Coach einen neuen Job: beim VfL Wolfsburg. Viele Experten rieben sich verwundert die Augen. Was will ein ehemaliger Trainer von Bayern München bei einem Werksclub, der zweimal in Folge nur knapp dem Abstieg entgangen war? Doch Magath wurde in Wolfsburg viel mehr als nur Coach der Profi-Mannschaft. In Personalunion war er gleichzeitig Sportdirektor und Mitglied im Vorstand, mithin der "mächtigste Coach, den es wohl jemals in der Bundesliga gegeben hat" ("Spiegel"). Magath holte Dutzende neue Spieler und hatte 2009 seine Erfolgself gefunden. Dank einer fast unglaublichen Rückrunde wurde der VfL zum ersten Mal deutscher Meister.

Abschied von den "Wölfen" nach der Meisterschaft

Eine direkte Fortsetzung der Erfolgsgeschichte gab es jedoch nicht. Magath hatte schon vor dem Gewinn der Meisterschaft seinen Abschied zu Schalke 04 verkündet. Dort holte er in seinem ersten Jahr überraschend die Vizemeisterschaft, bevor er in der Folgesaison nach einem Machtkampf mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies vorzeitig die Koffer packen musste - und vollkommen überraschend im März 2011 wieder in Wolfsburg anheuerte. Die zweite Stippvisite bei den Niedersachsen war von wenig Erfolg gekrönt. Auch die weiteren Staionen bei FC Fulham und in China verliefen wenig befriedigend.

Bislang keine Rückkehr zum HSV

Seit dem Ende eines Engagement bei Shandong Luneng Ende 2017 ist Magath vertraglich nicht gebunden, zur Ruhe gesetzt aber hat er sich offiziell nicht. Reizen würde ihn zweifellos eine einflussreiche Position beim mittlerweile zweitklassigen Hamburger SV. Die Entwicklung seines Herzensclubs schmerzt ihn. "Ich habe beim HSV so viele wichtige Jahre verbracht, er wird immer ein ganz besonderer Verein für mich sein", hat Magath mehr als einmal betont. Während der HSV-Dauerkrise der vergangenen Jahre war er mehrfach als "große Lösung" intern wie extern im Gespräch, zu einer Einigung indes kam es nie.

Weitere Informationen
Felix Magath in Licht und Schatten (Bildmontage) © picture alliance / dpa Foto: Karl-Josef Hildenbrand, Peter Steffen

Eitelkeiten und Unvermögen: Magath rechnet mit HSV ab

Club-Legende Felix Magath hat mit der Vereinsführung und den Spielern des Hamburger SV abgerechnet. Er habe "lange keinen mehr gesehen, der etwas für den HSV gemacht hat". mehr

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 15.04.2018 | 23:35 Uhr

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