Niclas Füllkrug von Werder Bremen schreit mit geschlossenen Augen. © Witters Foto: Frank Peters

Füllkrug über Corona und die Freude, den Bayern eins auszuwischen

Stand: 19.11.2020 12:45 Uhr

Werder-Stürmer Niclas Füllkrug ist noch verletzt und wird den Klassiker bei Bayern München nur als Zuschauer erleben. Neben dem Bundesliga-Rekordspiel treibt ihn die Frage um, wie wir mit der Corona-Krise umgehen.

von Ines Bellinger, Moritz Cassalette und Martin Roschitz

Für "Mister 100 Prozent" kommt das 109. Bundesligaspiel zwischen Bayern München und Werder Bremen am Sonnabend (15.30 Uhr/im Livecenter bei NDR.de) zu früh, dabei hätte Niclas Füllkrug zu gerne an einer Überraschung gegen "den besten Club der Welt" mitgeschraubt. Doch er wird nach einer Wadenverletzung nicht rechtzeitig fit, nur kurze Zeit bestand Hoffnung, dass er bei den Bayern auflaufen kann. "Es ist doch leider ein bisschen schleppend. Aber wir lassen es so ausheilen, dass es hundertprozentig top ist", sagte er im NDR 2-Bundesligashow-Podcast. "Diese Woche macht es keinen Sinn."

Werder Bremens Niclas Füllkrug © imago images Foto: Nordphoto

AUDIO: NDR 2-Bundesligashow-Podcast: Füllkrug und das DFB-Desaster (50 Min)

Top-Torschütze mit großem Ehrgeiz

Der Ausfall des Top-Torschützen der bisherigen Saison (vier Treffer in fünf Spielen) ist für Werder-Trainer Florian Kohfeldt ein herber Verlust, nicht nur wegen Füllkrugs Effizienz. Der gebürtige Hannoveraner ist nie zufrieden mit dem Erreichten und macht das mit seiner Körpersprache auch mehr als deutlich. Sogar mit dem Coach ist er aus Unzufriedenheit schon aneinandergeraten. Als Rebell sah er sich jedoch nur in seiner Jugendzeit, alles, was er heute tue, sagt er, diene immer dem Erfolg.

"Ich glaube, dass sehr viel mit unserer Leistung steht und fällt. Je nachdem, wie konzentriert wir sind, werden wir Möglichkeiten haben, etwas mitzunehmen. Es wird darauf ankommen, über 90 Minuten konzentriert zu verteidigen und vorne immer mal wieder Nadelstiche zu setzen." Niclas Füllkrug

Bremer Erfolge gegen die Bayern liegen lange zurück. Doch die lange Pleitenserie von 19 Niederlagen lässt Füllkrug kalt. Er glaubt, dass Werder in der Lage ist, an den guten Auftritt beim 0:1 in der vergangenen Rückrunde anzuknüpfen: "Ich würde mich drauf freuen und versuchen, ihnen mit sehr viel Freude einen auszuwischen." Wie man FCB-Keeper Manuel Neuer ein paar Tore einschenken kann, dafür gab es am Dienstag beim 0:6 der Nationalmannschaft gegen Spanien feinsten Anschauungsunterricht.

Anders als die meisten A-Nationalspieler der Bremer (nur Jiri Pavlenka durfte mit Tschechien zum Länderspiel nach Leipzig) waren viele Bayern-Profis in der Länderspielpause unterwegs. Zahlreiche Corona-Fälle im Zusammenhang mit Auswahlreisen hatten unter anderem die Bosse der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit scharfer Kritik auf den Plan gerufen. Auch Füllkrug hat eine klare Meinung über Reisen in Länder mit sehr hohen Infektionsraten. "Man merkt, dass diese Länderspielreisen oft einen Corona-Fall mit sich bringen. Was in Hoffenheim abgeht, kann nicht schön sein", sagt Füllkrug. Bei der TSG wurden bereits sieben Spieler positiv auf das Coronavirus getestet, die Mehrzahl nach der Rückkehr von Länderspielen. Einen Antrag auf die Verlegung des Spiels gegen Stuttgart lehnte die DFL jedoch ab.

Füllkrugs Tochter - ein Kind der Corona-Generation

In Bremen sagt Füllkrug, fühle er sich "total sicher". Seine Familie habe das Leben eingeschränkt, damit er seinen Job weiter ausüben könne. Nicht so einfach mit einer 15 Monate alten Tochter, die der 27-Jährige "eine volle Rakete" nennt. Sie sei sehr aktiv, wolle am liebsten den ganzen Tag überall rumlaufen. Das sind Sorgen, die auch Eltern in einer privilegierten Welt beschäftigen: "Ich glaube leider, dass man irgendwann die Kinder der Corona-Generation erkennen wird, weil sie leider weniger Kontakt zu anderen Kindern hat und weniger von draußen kennenlernt", sagt Füllkrug.

"Halb so wild, mal ein bisschen zu Hause zu bleiben"

Dennoch: Er sieht keinen anderen Weg, als sich an die strikten Regeln in der Pandemie zu halten: "Ich möchte es nicht bekommen und auch nicht in der Familie haben. Jede Familie hat ein bis zwei Risikofälle. Und da geht’s auch einfach um Selbstschutz, in dem ich mich möglichst fernhalte von Orten, wo ich es bekommen könnte." Die Einschränkungen, die alle jetzt ertragen müssten, seien nichts im Vergleich mit weit schlimmeren Zeiten, die unsere Vorfahren durchleiden mussten. "Wenn ich an meine Ur-Oma denke, die den Krieg komplett miterlebt hat. Oder was unsere Großväter miterlebt haben, die völlig unvorbereitet in den Krieg ziehen mussten", gibt Füllkrug zu bedenken: "Dann ist es halb so wild, mal ein bisschen zu Hause zu bleiben."

Mögliche Aufstellungen

Bayern München: Neuer - Pavard, J. Boateng, Alaba, Hernandez - Javi Martinez, Goretzka - Gnabry, Müller, Coman - Lewandowski
Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Toprak, Friedl, Augustinsson - Groß - Eggestein, Mbom - Bittencourt - Sargent, Rashica

Weitere Informationen
Fußball und Tabelle © picture-alliance/ dpa, NDR.de/Screenshot Foto: Patrick Bernard

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Dieses Thema im Programm:

Die NDR 2 Bundesligashow | 21.11.2020 | 13:00 Uhr

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