Stand: 05.03.2020 10:23 Uhr

Werder Bremens Pokalträume platzen in Frankfurt

von Hanno Bode, NDR.de

Werder Bremens Träume vom siebten DFB-Pokalsieg sind im Viertelfinale geplatzt. Die Hanseaten verabschiedeten sich am Mittwochabend durch eine 0:2 (0:1)-Niederlage beim Bundesliga-Rivalen Eintracht Frankfurt aus ihrem Lieblings-Wettbewerb. Das Team von Trainer Florian Kohfeldt geriet in der Nachspielzeit des ersten Abschnitts durch einen umstrittenen Handelfmeter, den Andre Silva verwandelte (45.+5), in Rückstand. Nach der Halbzeit sorgte Daichi Kamada für die Entscheidung (60.) zugunsten der Hessen.

"Das ist sehr bitter und enttäuschend für uns, weil wir heute alles versucht haben, um weiterzukommen", erklärte Werder-Kapitän Niklas Moisander im NDR 2 Interview. "Wir müssen das sehr schnell verarbeiten", sagte der Verteidiger mit Blick auf die Erstliga-Partie am Sonnabend (15.30 Uhr) bei Hertha BSC: "Da müssen wir punkten."

Werder präsentiert sich formverbessert

Die Bremer präsentierten sich in der Frankfurter WM-Arena im ersten Durchgang keineswegs wie eine Mannschaft, die in der Bundesliga zuletzt nur noch ein Punktelieferant war (elf Pleiten in den vergangenen 13 Partien). Die Hanseaten verteidigten sehr hoch und unterbanden den Spielaufbau der Eintracht so häufig frühzeitig. Die gefürchtete Flügelzange der Hessen mit Filip Kostic und Kamada kam im ersten Abschnitt kaum zur Geltung. Das war insbesondere ein Verdienst von Theodor Gebre Selassie (rechte Seite) und Ludwig Augustinsson, die auf den Außenpositionen im Werder-Mittelfeld einen ausgezeichneten Job machten. Und auch in der Vorwärtsbewegung zeigten sich die Gäste im Vergleich zu ihren vorausgegangenen Erstliga-Auftritten verbessert.

Umstrittener Strafstoß führt zum Bremer Rückstand

4.Spieltag, 04.03.2020 20:45 Uhr

E. Frankfurt

2

Werder Bremen

0

Tore:

  • 1:0 A. Silva (45. +5, Handelfmeter)
  • 2:0 Kamada (60.)

E. Frankfurt: Trapp - Touré, Abraham, Hinteregger, N´Dicka - Ilsanker - Sow, Chandler (77. da Costa) - Kamada (82. Kohr), Kostic - A. Silva (90. Paciencia)
Werder Bremen: Pavlenka - Toprak, Vogt (82. Sargent), Moisander - Gebre Selassie, M. Eggestein, Klaassen, Augustinsson (90.+1 Woltemade) - Bittencourt (66. Osako), Rashica - Selke
Zuschauer: 51500 (ausverkauft)

Weitere Daten zum Spiel

Aber die Kohfeldt-Elf belohnte sich nicht für ihre ansprechende Vorstellung. Winterzugang Davie Selke besaß die beste Bremer Möglichkeit, als er nach einer butterweichen Hereingabe von Leonardo Bittencourt aus aussichtsreicher Position zum Kopfball kam. Der Angreifer scheiterte an Keeper Kevin Trapp (35.). Sieben Minuten später prüfte Maximilian Eggestein den dreimaligen deutschen Nationaltorhüter mit einem strammen Schuss aus 20 Metern. Trapp bekam gerade noch die Fingerspitzen an den Ball. Als bereits die Nachspielzeit lief, zeigte Referee Felix Zwayer (Berlin) plötzlich an, dass er einen Hinweis aus dem Kölner Keller erhalten habe. Der Unparteiische schritt zum Monitor am Spielfeldrand und schaute sich dort eine Szene an, die sich kurz zuvor im Werder-Strafraum ereignet hatte. Dabei gingen zwei Frankfurter und Augustinsson zum Kopfball hoch. Letzterer streckte dabei seinen linken Arm in die Höhe und touchierte das Spielgerät ganz leicht mit der Hand. Zwayer zeigte nach mehrmaliger Begutachtung der Bilder auf den Punkt. Silva lief an und verwandelte den Strafstoß sicher.

Elfmeter-Sünder Augustinsson "sehr enttäuscht"

"Ich gehe in ein Kopfball-Duell, er ist größer. Ich bin sehr enttäuscht mit dieser Situation. Ich bin kein Fan vom VAR", sagte Augustinsson nach dem Abpfiff im Ersten. Sein Teamkamerad Kevin Vogt ergänzte: "Wenn man klar nach dem Regelwerk geht, kann man sagen: Das ist ein Elfmeter. Mich persönlich langweilt das Thema. Ich bin es leid. Es sind soviele Emotionen, die kaputt gehen. Ich bin kein Freund dieser Regel."

Werder nach der Halbzeit harmlos

Der umstrittene Elfmeter und der unglückliche Pausenrückstand schlugen den Gästen aufs Gemüt, wie sich nach dem Wiederanpfiff zeigte.

Nur noch selten spielten die Hanseaten so selbstbewusst und mit Überzeugung nach vorn, wie sie es noch in Abschnitt eins getan hatten. Und die zuvor mit ganz wenigen Ausnahmen sattelfeste Defensive hinterließ jetzt einen fragileren Eindruck. Davon profitierte in der 60. Minute Kostic. Der Serbe konnte den Ball ungestört mit seinem starken linken Fuß in den Strafraum flanken und fand dort am langen Pfosten Kamada, der aus wenigen Metern zum 2:0 traf. Während die Eintracht-Fans anschließend fröhlich und lautstark Schlachtgesänge anstimmten, begannen einige im Werder-Block stehende Pyromanen zu zündeln.

Toprak fällt am Sonnabend aus

Immerhin: Menschenverachtende Banner oder Schmährufe gegen einzelne Personen wie am vergangenen Spieltag in vielen anderen Stadien gab es in der Frankfurter Arena nicht. Das war gut, aber für die Bremer Fußballer gewiss nur ein schwacher Trost an einem Abend, an dem für sie vielleicht mehr möglich gewesen wäre, wenn Selke oder Eggestein getroffen und Augustinsson sich etwas geschickter in jener schicksalhaften Szene kurz vor der Pause angestellt hätte.

Dass Kostic nach einem Tritt in die Wade von Ömer Toprak noch die Rote Karte sah (90.+1), half den Gästen auch nicht mehr weiter. Ganz im Gegenteil: Der Verteidiger musste mit der Trage vom Platz gebracht werden, zog sich allerdings anders als zunächst befürchtet keinen Wadenbeinbruch zu. Bei dem 30-Jährigen wurde eine Riss-Quetschwunde an der Wade diagnostiziert, wie die Bremer am Donnerstagmorgen mitteilten. Die Wunde sei im Krankenhaus genäht worden. Im Auswärtsspiel bei Hertha BSC am Sonnabend wird Toprak fehlen.

Weitere Informationen

Ergebnisse und Ansetzungen im DFB-Pokal

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 04.03.2020 | 20:00 Uhr