Trainer Florian Kohfeldt © Witters

Bremer Besonnenheit über Bord: Endspielstimmung bei Kohfeldt

Stand: 27.04.2021 13:45 Uhr

Einiges hatte darauf hingedeutet, dass sich der abstiegsbedrohte Fußball-Bundesligist Werder Bremen von Florian Kohfeldt trennen würde. Nun darf der Trainer zwar bleiben, ist vor dem Pokal-Halbfinale gegen Leipzig aber maximal angezählt.

von Matthias Heidrich

Das Ergebnis der zweitägigen Beratungen in Bremen kam am Montagabend so gar nicht Werder-like daher: Die ansonsten für klare Bekenntnisse stehenden Hanseaten hoben nach langen, kontroversen Diskussionen in den Vereins-Gremien zwar den Daumen für Kohfeldt, allerdings nur bis Freitag. Dann treten die Bremer im DFB-Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig an (20.30 Uhr, live im Ersten und im Livecenter bei NDR.de).

"Ich gebe keine Garantie ab, wir müssen jetzt von Spiel zu Spiel schauen." Frank Baumann

Sportchef Frank Baumann hat das Semifinale damit zum (ersten) Endspiel für Kohfeldt erklärt. Der "normale" Gang der Werder-Dinge wäre nach dem "Weiter so" eine Treuebekenntnis bis zum Saisonende für den 38-Jährigen gewesen. Wie im vergangenen Jahr, als die Bremer noch schlechter spielten, den Klassenerhalt aber letztlich mit Ach und Krach schafften.

Doch so ist Kohfeldt nun ein Coach auf Bewährung und Baumann ein Sportchef mit demselben Status. Denn scheitert der Werder-Trainer, dürfte es auch für seinen Fürsprecher Baumann, mitverantwortlich für die Kader-Planung, in Bremen eng werden. Nach Alternativen für Kohfeldt hatte sich der Manager nach eigenen Bekunden schon umgesehen, offenbar aber keinen passenden gefunden.

Werders Weder-Fisch-noch-Fleisch-Lösung

Diese Weder-Fisch-noch-Fleisch-Lösung von der Weser baut nun maximalen Druck für ein Spiel auf, das als kleine Flucht vor der "dramatischen Liga-Situation" (Baumann) getaugt hätte. Gegen den haushohen Favoriten Leipzig hätten die Bremer mehr gewinnen als verlieren können, egal, wie es ausgeht. Jetzt hat das Team, das sich für einen Verbleib von Kohfeldt ausgesprochen hat, die zusätzliche Bürde, ihrem Trainer mit einer "deutlichen Reaktion und Trendwende" (Baumann) den Job retten zu müssen. Positiver Druck sieht anders aus.

"Diese Entscheidung ist unangemessen und respektlos. Nun steht der Mensch Florian Kohfeldt - und ich meine ausdrücklich nicht den Cheftrainer Florian Kohfeldt - unglaublich unter Druck. Er hat es schon schwer genug mit dieser Mannschaft, deren Qualität auch unter der schlechten Kaderplanung leidet. Da ist es wenig zielführend, so mit ihm umzugehen, das passt auch nicht zu Werder Bremen." Willi Lemke

Druck gegen Leipzig maximal

Die Gefahr ist groß, dass die ohnehin verunsicherte Mannschaft gelähmt in das Halbfinale geht und von den Leipzigern im Weserstadion auseinandergenommen wird. Dann würde den Werder-Verantwortlichen nach den jüngsten Aussagen eigentlich keine andere Möglichkeit bleiben, als den Coach doch zu entlassen. Mit dem hausgemachten Problem, dass der Neue eine Woche weniger Zeit hätte, das Team auf das nächste Ligaspiel am 8. Mai zu Hause gegen Leverkusen vorzubereiten.

Selbst wenn Werder die Sensation gegen den Tabellenzweiten der Bundesliga schafft und ins Pokalfinale einzieht, säße Kohfeldt weiter ohne einen Punkt mehr im Abstiegskampf da und nicht fester im Sattel. Dass in Leipzig der Wechsel von Trainer Julian Nagelsmann zum FC Bayern München das Thema Nummer eins ist, könnte Bremen sogar in die Karten spielen.

Weitere Informationen
Bremens Trainer Florian Kohfeldt © imago images/Zink Foto: Wolfgang Zink

Werder Bremen hält trotz Pleitenserie an Kohfeldt fest

Der Coach darf trotz sieben Niederlagen in Folge vorerst bleiben. Sportchef Baumann hat den Druck auf den 38-Jährigen aber erhöht. mehr

Baumann erwartet nicht, dass Werder Leipzig plötzlich "aus dem Stadion schießt und 3:0 gewinnt." Aber das Team sollte doch bitteschön als echte Mannschaft auftreten. Um das Ruder auch in der Liga herumreißen zu können, worauf das Hauptaugenmerk die Club-Bosse liegt.

"Chefchirurg" Kohfeldt operiert am offenen Herzen

Ein Abstieg in die Zweite Liga würde den von der Corona-Krise gebeutelten Verein finanziell sehr hart treffen. Die Angst davor ist an der Weser offenbar so groß, dass die Clubführung die typische Bremer Besonnenheit über Bord geworfen hat. Der Verein hat seinen Chefchirurgen Kohfeldt unter maximalen Druck gesetzt, lässt ihn quasi unter täglicher Beobachtung am offenen Werder-Herzen operieren und hält dabei die Kündungspapiere in der Hand. Ob der Patient so bessere Überlebenschancen hat?

Weitere Informationen
Ein Ball und das Logo der Deutschen Fußball Liga (DFL) © imago/MIS

Das Restprogramm im Bundesliga-Abstiegskampf

Werder Bremen muss um den Bundesliga-Klassenerhalt kämpfen, hat aber noch alles in eigener Hand. mehr

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 27.04.2021 | 12:25 Uhr

Mehr Fußball-Meldungen

Philip Türpitz (FC Hansa Rostock, Nr. 26) jubelt nach seinem Tor zum 1:0 mit seinen Mannschaftskollegen. © IMAGO / Fotostand Foto: Wagner

Jetzt live: Hansa Rostock liegt in Unterhaching vorn!

Gewinnt der FCH, kann er vielleicht schon am Sonntag aufsteigen. Die Drittliga-Partie jetzt im Audio-Livestream und im Ticker. mehr

Fußball im Netz © Mikael Damkier

NDR Fußball-Tippspiel - Jetzt mitmachen!

Das NDR Tippspiel für die Saison 2020/2021 läuft. Einsteigen, mittippen und Teams gründen: Wir suchen den Fußball-Experten im Norden. mehr