Stand: 09.04.2020 09:11 Uhr

Werder: Der leise Abschied des Claudio Pizarro

Werder Bremens Claudio Pizarro hatte sich seine letzte Profi-Saison ganz anders vorgestellt.

Traurig wird Claudio Pizarros Karriereende nach dieser Saison auf jeden Fall - zumal unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Doch es könnte richtig bitter werden, wenn Werder Bremen absteigt.

Auch in der Corona-Krise hat Claudio Pizarro sein Lachen nicht verloren. "Wenn das vorbei ist, mache ich sicher noch ein paar Bundesliga-Spiele", sagt der mittlerweile 41 Jahre alte Angreifer von Werder Bremen in einem bei Twitter verbreiteten Spaß-Video. Dabei hatte sich der Peruaner, der schon im vergangenen Sommer sein Karriereende nach dieser Saison angekündigt hat, seinen Abschied von der Fußball-Bühne ganz anders vorgestellt. Eigentlich wollte er mit seinen Bremern noch einmal in den Europapokal stürmen, die Realität war vor der Zwangspause Abstiegskampf. Sollte die Saison überhaupt noch zu Ende gebracht werden können, dann muss die Legende in aller Stille gehen. Geisterspiele sind bis zum Sommer das höchste der Gefühle.

Bilanz einer Legende: 487 Spiele, 197 Tore

Zehn Partien stehen laut Spielplan für Werder noch an. Und Bremens Trainer Florian Kohfeldt wünscht sich zumindest, "dass Claudio diese unglaubliche Karriere auf dem Platz beenden kann". 487 Bundesliga-Spiele und 197 Tore sind notiert.

"Piza" ist nicht nur Werders bester Torjäger überhaupt, sondern auch der älteste Bundesliga-Torschütze aller Zeiten. Die aktuelle Saison verlief für Pizarro allerdings auch persönlich bisher enttäuschend: In seinen 15 Einsätzen gelang dem Mittelstürmer kein Treffer.

Fünfter Abschied von der Weser steht bevor

Pizarro spielte in seiner Laufbahn in Europa für Werder, Bayern München, den FC Chelsea und den 1. FC Köln. Bei den Bayern heuerte er zweimal an, an der Weser gleich fünfmal! "Ich bin stolz darauf, dass sie mich Legende nennen", sagte der Publikumsliebling einmal mit Blick auf die Werder-Fans.

Trotzdem wird er Bremen nach dieser Saison wohl auch ein fünftes Mal verlassen. Die "Sport Bild" berichtete kürzlich, dass er bereits zugesagt habe, für die Münchner künftig wie seine ehemaligen Mitspieler Giovane Elber und Bixente Lizarazu als Markenbotschafter zu arbeiten. Die Meldung hat Pizarro - unter Hinweis darauf, dass die volle Konzentration der Situation in Bremen gelte - zwar schnell dementiert. Zugleich räumte er aber ein, dass ihn der Job interessiere.

Ausgerechnet zum Abschied der Abstieg?

Anders hätte Pizarro, der in dieser Saison bereits mit allzu lockeren Social-Media-Aktivitäten für Unmut bei seinem (Noch-) Arbeitgeber gesorgt hat, allerdings gar nicht reagieren können. Denn auch wenn das Karriereende schon in Sicht ist und die nächsten Aufgaben bereits feststehen, die Bedeutung der kommenden Monate ist dem Routinier sehr bewusst. Werder war 1963 Bundesliga-Gründungsmitglied und spielte seitdem nur ein Jahr in der Zweiten Liga (1980/1981). Anfang der Saison liefen die "Grün-Weißen" dem großen Rivalen HSV den Rang als "Bundesliga-Dino" ab. Soll Werder ausgerechnet zum Karriereende von Pizarro zum zweiten Mal absteigen?

Kohfeldt: "Würdig, in der Ersten Liga und auf dem Platz"

Wie so oft ist die Hoffnung der Bremer wieder eng mit dem Stürmerstar verbunden. Am besten schieße er noch mindestens drei Tore, hofft Kohfeldt, "dann hätte er die 200 Bundesliga-Tore voll. Und er könnte sich so verabschieden, wie es seiner Karriere entsprechen würde: würdig, in der Ersten Liga und auf dem Platz."

Aber wie auch immer die Spielzeit 2019/2020 zu Ende geht. Pizarro soll auf jeden Fall noch mal im vollbesetzten Weserstadion auf dem Platz stehen, um sich von seinem Publikum verabschieden zu können. Durch die Corona-Krise ist es zwar schwer, einen geeigneten Termin auszumachen, ein Abschiedsspiel nach der Saison ist allerdings fest eingeplant.

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Sport aktuell | 08.04.2020 | 17:25 Uhr