Viel Aufwand, wenig Ertrag - St. Pauli versinkt im Mittelmaß

Stand: 12.09.2022 12:59 Uhr

Fußball-Zweitligist FC St. Pauli kommt einfach nicht in Fahrt. Der Umbruch in der Sommerpause hat Qualität auf dem Platz gekostet - wie die jüngsten Partien bewiesen. Die Entwicklung der jungen Mannschaft ist ins Stocken geraten.

Das Kalenderjahr 2022 ist bisher ein durchwachsenes für den FC St. Pauli. Es begann mit dem Leistungsabfall in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit und dem damit verspielten Aufstieg. Und auch in der aktuellen Saison versinkt das Team nach nunmehr vier sieglosen Spielen in Folge im Mittelmaß. Von 24 Zweitliga-Partien in diesem Jahr konnte St. Pauli nur sieben gewinnen. Das ist die Bilanz eines Teams, was tabellarisch eher nach unten, denn nach oben schauen sollte.

Die Vorstellung, in dieser Spielzeit erneut um den Bundesligaaufstieg mitzuspielen, hat sich ohnehin vorerst als illusorisch erwiesen. "Wenn man sich in der Tabelle bewegen will, braucht man Siege", sagte Sportchef Andreas Bornemann nach dem 1:1 gegen den SV Sandhausen.

St. Pauli fehlt ein Knipser

Die Mannschaft betreibt viel Aufwand in ihren Spielen, der Ertrag ist aber zu gering. Oft fehlt die Spielstruktur, und in der Angriffsspitze mangelt es an Spielern, die die Chancen in Tore ummünzen. Es scheint, dass die Abgänge von Ideengeber Daniel-Kofi Kyereh (SC Freiburg) und des österreichischen Tor-Garanten Guido Burgstaller (Rapid Wien) doch nicht so leicht zu kompensieren sind wie erhofft.

Burgstaller (18 Treffer/8 Vorlagen) und Kyereh (12/10) haben in der Saison 2021/22 fast 50 Prozent der Tore (30 von 61) erzielt. Von den aktuellen Angreifern haben bisher lediglich Zugang Johannes Eggestein (3) sowie Lukas Daschner und Etienne Amenyido (je 1) getroffen. Trainer Timo Schultz will nicht über den Verlust des Top-Duos lamentieren und betont stets, dass er seinem Kader vertraut.

Viel Aufwand, wenig Ertrag

Doch derzeit entwickelt sich das Team, dessen Altersschnitt im Sommer von 25,9 auf 23,4 Jahre gesenkt worden ist, noch nicht wie erhofft weiter. "Wir müssen momentan sehr, sehr viel Aufwand betreiben, um den Ball über die Linie zu drücken", meinte der 44-Jährige. "Wir hätten gerne drei Punkte gehabt, es ist aber kein Wunschkonzert."

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Das Spiel gegen Sandhausen war beinahe sinnbildlich für die meisten der bisher acht Saisonspiele. Fast 70 Prozent Ballbesitz, 25:7 Torschüsse - und dennoch nur 1:1. "Wir haben sehr wenig zugelassen, darauf können wir aufbauen, trotzdem fühlt es sich wie eine Niederlage an", sagte Leart Paqarada, der die Flanke zum Führungstreffer durch Kapitän Jackson Irvines Kopfball gab.

Einzelne Pfiffe von den Rängen

Nach dem Abpfiff gab es diesmal sogar einige ungewohnte Pfiffe von den Rängen des Millerntor-Stadions für die Kiezkicker. Die Fans seien es gewohnt, "uns zu Hause gewinnen zu sehen", meinte Irvine. Die Ansprüche sind hoch: In der vergangenen Saison war der FC St. Pauli immerhin das stärkste Heimteam der Liga gewesen. Dass die Hamburger auch nach der vierten Partie am Millerntor in dieser Spielzeit noch ungeschlagen sind, reicht den Fans da nicht. Irvine weiß: "So ein Remis ist für sie eine Enttäuschung."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 11.09.2022 | 22:50 Uhr

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