Stand: 24.05.2018 22:01 Uhr

Triple-Traum der Wolfsburger Frauen platzt jäh

von Christian Görtzen, NDR.de

Die Fußball-Frauen des VfL Wolfsburg haben es nicht geschafft, aus einer sehr guten Saison eine grandiose zu machen. Das Team von Trainer Stephan Lerch musste sich am Donnerstagabend im Champions-League-Finale in Kiew vor 14.237 Zuschauern Olympique Lyon mit 1:4 nach Verlängerung (0:0) geschlagen gaben. Nach der 1:0-Führung sah Alexandra Popp die Gelb-Rote Karte. Danach kippte das Spiel. So platzte für die "Wölfinnen" der Traum, das Triple perfekt zu machen - es wäre nach 2013 das zweite der Vereinsgeschichte gewesen. Die Niedersächsinnen, die in dieser Saison schon den Gewinn der Meisterschaft und des DFB-Pokals gefeiert haben, scheiterten wie schon 2016 an Lyon. "Zu zehnt gegen eine solche Weltklasse-Mannschaft, das hat uns das Genick gebrochen. Wir haben dann zu schnell die Tore bekommen. Wir wurden überrollt", räumte VfL-Spielerin Lena Goeßling bei NDR 2 ein.

Platzverweis besiegelt Wolfsburger Niederlage

"Wölfinnen" kommen schwer in Tritt

Lerch setzte in der ukrainischen Hauptstadt fast komplett auf das Team, das am vergangenen Sonnabend nach einem Elfmeter-Krimi den DFB-Pokal gegen Bayern München gewonnen hatte. Lediglich Popp (überstandene Oberschenkelverletzung) ersetzte die Portugiesin Claudia Neto.

VfL Wolfsburg - Olympique Lyon 1:4 n.V. (0:0)

VfL Wolfsburg: Schult - Blässe, Fischer, Goeßling, Maritz - Gunnarsdottir (57. Wedemeyer), Popp - Hansen (46. Wullaert), Harder, Dickenmann (89. Kerschowski) - Pajor
Olympique Lyon: Bouhaddi - Bronze, Mbock Bathy, Renard, Bacha (65. Cascarino) - Marozsan, Kumagai (95. van de Sanden), Henry - Hegerberg, le Sommer (114. Abily), Majri
Schiedsrichterin: Jana Adamkova (Tschechien)
Tore: 1:0 Harder (93.), 1:1 Henry (98.), 1:2 le Sommer (99.), 1:3 Hegerberg (103.), 1:4 Abily (116.)
Zuschauer: 14.237

Den besseren Start in die Partie besaß eindeutig der französische Serienmeister um DFB-Kapitänin Dzsenifer Maroszan, der sich jüngst zum zwölften Mal nacheinander den Titel gesichert hatte. In der sechsten Minute kam Olympique zur ersten guten Gelegenheit: Nachdem Popp eine Hereingabe nicht hatte klären können, zog Amandine Henry ab. Sie traf aber den Ball nicht richtig, VfL-Torfrau Almuth Schult musste nicht eingreifen. Die überlegenen Französinnen hatten durch Lucy Bronze, die aus 16 Metern per Volleyschuss das Ziel (17.) verfehlte, eine weitere gute Chance. Und wenig später verhinderte Wolfsburgs Rechtsverteidigerin Anna Blässe durch ein starkes Tackling im Strafraum gegen Amel Majri das Entstehen einer gefährlichen Situation (23.). Mit einem torlosen Remis ging es in die Kabine.

Schiedsrichterin übersieht Tor für Lyon

Lyon war auch im zweiten Abschnitt das bessere Team, das in der 69. Minute eigentlich hätte in Führung gehen müssen. Nach einem Kopfball von Eugenie le Sommer schlug Noelle Maritz den Ball erst hinter der Torlinie weg. Da aber die UEFA den Einsatz der Torlinientechnik in einem Champions-League-Finale nicht für nötig befand und das Gespann um Schiedsrichterin Jana Adamkova (Tschechien) die Situation nicht richtig erfasste, ging es mit einem 0:0 weiter. In der 83. Minute durften sich die VfL-Frauen dann auch noch bei Schult bedanken. Sie parierte einen Schuss von le Sommer glänzend mit dem Knie. Es ging in die Verlängerung.

Popp sieht Gelb-Rot - danach kippt das Spiel

In der überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst brachte Pernille Harder den VfL mit einem abgefälschten Schuss aus 20 Metern in Führung (93.). Drei Minuten später sah die schon verwarnte Popp aufgrund eines klaren Foulspiels zu Recht die Gelb-Rote Karte. Danach kippte das Spiel zugunsten von Lyon. Henry jagte den Ball zum 1:1 (98.) in den Winkel, und le Sommer sorgte Sekunden später mit dem 2:1 (99.) für den Doppelschlag. Die Französinnen spielten jetzt wie entfesselt - und Ada Hegerberg machte mit dem 3:1 (103.) alles klar. Innerhalb von nur zehn Minuten drehte Lyon das Spiel komplett. Die kurz zuvor eingewechselte Camille Abily sorgte in der 116. Minute für den 4:1-Endstand. Für Lyon ist es der fünfte Triumph in der Königsklasse.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 24.05.2018 | 22:40 Uhr

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