Enttäuschung beim niederländischen Fußball-Nationalspieler Wout Weghorst © IMAGO / Pro Shots

Torjäger Weghorst: Beim VfL gefeiert, im "Oranje"-Team außen vor

Stand: 23.03.2021 16:37 Uhr

Auch dank der bisher 17 Saisontore von Wout Weghorst ist der VfL Wolfsburg auf Champions-League-Kurs. Der Niederländer hat sich längst in den Fokus vieler europäischer Clubs gespielt. Doch sein Nationaltrainer Frank de Boer nominiert ihn nicht.

von Hanno Bode

Als der Bondcoach am vergangenen Freitag sein 24-köpfiges Aufgebot für die Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiele der Elftal in der Türkei (Mittwoch), gegen Lettland (Sonnabend, jeweils 18 Uhr) und in Gibraltar am kommenden Dienstag (20.45 Uhr) bekannt gab, fehlte der Name des Wolfsburger Torjägers. De Boer hatte den 28-Jährigen aus dem vorläufigen Kader für die Partien gestrichen und ihm dies am Vortag in einem Telefonat persönlich mitgeteilt.

Weghorst ratlos: "Was soll ich noch sagen?"

Für Weghorst, der bislang viermal für das "Oranje"-Team auflief, brach eine kleine Welt zusammen, wie sich dann am Sonnabend im Bundesliga-Duell der Wolfsburger bei Werder Bremen (2:1) zeigte.

Es lief die 42. Minute im Weserstadion, als der baumlange Angreifer nach Vorarbeit von Xaver Schlager überlegt zum 2:0 vollendete. Anschließend warf Weghorst die Arme in die Höhe und blickte kurz in den Himmel, bevor er mit einer "Klauengeste" und angesäuertem Gesichtsausdruck auf eine TV-Kamera zulief. Der Stürmer imitierte bei seinem Jubel einen Löwen. Also jenes Tier, das groß auf dem Wappen des Königlichen Niederländischen Fußballbundes (KNVB) zu sehen ist.

Der 28-Jährige drückte so seinen Frust und sein Unverständnis über die Nichtnominierung aus. "Es ist sehr enttäuschend", sagte Weghorst dem NDR - und wirkte ziemlich desillusioniert: "Was soll ich noch sagen?"

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De Boer: EM-Tür für Weghorst bleibt offen

De Boer reagierte am Dienstag mit Verständnis auf die Enttäuschung des Spielers, machte ihm aber weiter Hoffnungen auf eine EM-Teilnahme: "Er ist auf jeden Fall noch im Visier für die Europameisterschaft, das ist klar. Wout hat es fantastisch gemacht, ich schätze ihn sehr. Wir werden ihn weiter verfolgen." Der Bondscoach erklärte zudem, es sei seine "schwerste Entscheidung" gewesen. Trotzdem scheint Weghorst Stand jetzt keine sonderlich guten Chancen zu haben, mit der Elftal an der Europameisterschaft im Sommer teilnehmen zu dürfen.

Letztmals im November 2019 für Elftal im Einsatz

Sein bis dato letzter Einsatz im Nationalteam datiert vom 19. November 2019. Im EM-Qualifikationsspiel gegen Estland (5:0) kam Weghorst als "Joker" für 27 Minuten zum Einsatz. Danach postete er auf seinem Instagram-Account ein Bild von sich im "Oranje-Trikot" und schrieb dazu: "Stolz!" Der aus der Provinz Overijssel stammende Angreifer schien seinem Ziel, einen festen Platz in der Nationalmannschaft zu ergattern, ein kleines Stück nähergekommen zu sein. Keine Selbstverständlichkeit für einen Fußballer, der im Jugendbereich ausschließlich bei Amateurclubs kickte und erst mit 20 Jahren sein Profi-Debüt feierte - in der zweiten niederländischen Liga.

50 Treffer in 92 Bundesliga-Spielen

Dank seines unbändigen Willens ("Ich hasse es zu verlieren und das Gefühl, nicht das Maximale aus dem Tag herausgeholt zu haben") schaffte es der 1,97-Meter-Mann Schritt für Schritt nach oben. Zumindest auf Vereinsebene. Denn trotz nun bereits 50 Treffern in 92 Bundesliga-Begegnungen für Wolfsburg ist Weghorst in der "Oranje"-Auswahl nur zweite Wahl. De Boer setzt wie sein Vorgänger Ronald Koeman, unter dem der Wolfsburger 2018 debütierte, auf andere Angreifer.

Bondscoach setzt auf andere Mittelstürmer

So berief der 50-Jährige für die nun anstehenden WM-Qualifikationsspiele Memphis Depay (Olympique Lyon), Donyell Malen (PSV Eindhoven) und Luuk de Jong (FC Sevilla) für die Mittelstürmer-Position. Weghorst soll nur auf Abruf bereitstehen. Eine zumindest für Außenstehende schwer nachvollziehbare Entscheidung. Zumal der einst bei Borussia Mönchengladbach gescheiterte de Jong derzeit bei seinem Club häufig nur Ersatz ist und erst vier Saisontore erzielt hat.

"Luuk hat es in der Nationalmannschaft aber zuletzt gut gemacht und wir haben vor dem Spiel gegen die Türkei nicht viel Zeit. Deshalb habe ich mich für Luuk entschieden", sagte de Boer. Allerdings weisen auch Malen (15 Tore) und Depay (14 Treffer) nicht die Quote von Weghorst auf.

Ex-Nationalspieler setzen sich für Wolfsburger ein

Wolfsburgs Wout Weghorst jubelt © picture alliance/dpa
Wout Weghorst trifft und trifft für den VfL.

Ein Umstand, der in seiner Heimat für hitzige Diskussionen sorgt. "Wenn jemand drei Jahre lang in der Bundesliga so auftrumpft, kann der Trainer ihn nicht länger ignorieren", sagte der frühere Schalke-Profi Ibrahim Afellay im "Studio Voetbal" der "Nederlandse Omroep Stichting" ("NOS"). Ex-Nationalspieler Pierre van Hooijdonk schlug in dieselbe Kerbe: "Als Nationaltrainer muss man Entscheidungen treffen. Aber wenn es einer verdient hat, dann Wout Weghorst."

Der 51-Jährige bringt allerdings auch Verständnis für de Boers Entscheidung auf. Er erachte de Jong als den besseren Backup für den derzeit im "Oranje"-Team als Mittelstürmer gesetzten Lyon-Kapitän Depay, sagte van Hooijdonk mit Blick auf die größere internationale Erfahrung des Spanien-Legionärs.

Früherer VfL-Torjäger Dost trat frustriert zurück

Weghorst bleibt also vorerst im Wartestand. Ein Schicksal, das vor ihm in Bas Dost bereits ein weiterer früher in Wolfsburg sehr erfolgreicher Torjäger erlitten hat. Auch für den heutigen Angreifer des FC Brügge reichte es trotz vieler Treffer im VfL-Trikot in der Elftal nur zu einer Nebenrolle. Im April 2018 trat er frustriert aus dem "Oranje"-Team zurück. Ein Entschluss, der möglicherweise auch irgendwann bei Weghorst reifen könnte, wenn ihm selbst Tore am Fließband keine Nationalmannschafts-Einsatzzeiten bringen.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 21.03.2021 | 22:50 Uhr

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