HSV-Akteur Manuel Wintzheimer und St. Paulis Sebastian Ohlsson kämpfen um den Ball. © WITTERS Foto: ValeriaWitters

Stadtderby zwischen St. Pauli und HSV: "Das Kribbeln ist da!"

Stand: 13.08.2021 08:10 Uhr

Stadtderby in Hamburg - und endlich wieder Fans im Stadion. 10.003 Zuschauer dürfen beim Zweitligaspiel zwischen dem FC St. Pauli und dem Hamburger SV am Millerntor dabei sein - am Freitag, den 13. ...

"Es ist ein besonderes Spiel, das Kribbeln ist da", sagte Timo Schultz am Mittwoch und nährte damit die Vorfreude. Der Trainer der Gastgeber schaut so entspannt wie noch nie auf sein drittes Hamburg-Derby (heute, 18.30 Uhr, im NDR Livecenter mit u.a. einer Audio-Vollreportage). Die Kiezkicker sind im Stadtduell seit vier Spielen ungeschlagen, die bis dato letzte Niederlage gegen den Rivalen aus dem Volkspark datiert vom 10. März 2019 (0:4). Und wie der HSV hat St. Pauli an den bisherigen zwei Spieltagen vor der Pokalpause vier Punkte gesammelt.

St. Paulis starke Bilanz: "Davon können wir uns nichts kaufen"

Den Fans stellte Schultz schon mal ein unterhaltsames Fußballspiel in Aussicht: "Der HSV ist gut drauf und hat einen neuen Trainer mit einer offensiven Herangehensweise. Ich gehe davon aus, dass zwei Mannschaften aufeinandertreffen, die nach vorne spielen wollen", sagte der Coach. An der Rollenverteilung trotz der starken Derby-Bilanz ändert sich für Schultz nichts: "Davon können wir uns nichts kaufen. Es geht wieder von vorne los. Das Personal hat sich auf beiden Seiten verändert." Der HSV zähle für ihn zudem "immer zum Kreis der Aufstiegsanwärter".

HSV-Coach Walter setzt auf "Leidenschaft und Intensität"

Der große Stadtrivale kommt denn auch mit breiter Brust ans Millerntor. "Wir sind der HSV. Ich schaue auf uns, damit wir unsere Abläufe, unsere Bereitschaft und unseren Mut an den Tag legen - das ist für mich das Entscheidende. Wer keinen Mut an den Tag legt, wird den Kürzeren ziehen", sagte HSV-Trainer Tim Walter, der seine Mannschaft trotz einiger Kritikpunkte beim 2:1-Pokalerfolg in Braunschweig "auf einem guten Weg" sieht.

Walter selbst freut sich "riesig" auf sein erstes Derby in der Hansestadt. "Freitagabend, Flutlicht, dazu die Lichter vom Dom. Wer Fußball spielt, der träumt genau davon", schwärmte der Coach, der sich zudem einen positiven Effekt von den 700 HSV-Fans erhofft, die am Millerntor dabei sein dürfen: "Wir hoffen, dass diese 700 die anderen 10.000 auch übertünchen. Es wird darum gehen unsere Farben zu vertreten. Das haben wir uns auch vorgenommen." Es gelte, "Leidenschaft und Intensität auf den Platz bringen. Das sind die Grundtugenden, die ich von meiner Mannschaft erwarte."

Am Freitag, den 13. verlor der HSV noch nie

Angesicht der aus HSV-Sicht wenig erfreulichen Bilanz der jüngsten Hamburg-Duelle beruft sich der große Nachbar auf ein Zahlenspiel, das zumindest für abergläubische HSV-Profis und -Fans seinen Reiz haben dürfte. Denn: An einem Freitag, den 13. hat der HSV bislang noch kein Pflichtspiel verloren.

"Wer selbstbewusst ist, glaubt an seine eigene Stärke und nicht an Aberglaube." HSV-Trainer Tim Walter

"Der HSV ist von einem Fluch am Freitag, dem 13. weit entfernt. Im Gegenteil: Bislang blieb man an diesem vermeintlichen Unglückstag sogar ohne Niederlage", hieß es dazu auf der Website des Clubs. Seit Gründung der Bundesliga fielen demnach vier Pflichtspiele auf einen Freitag, den 13. - drei Partien gewann der HSV, eine endete unentschieden. Allerdings: Seit der HSV in der Zweiten Liga spielt, gab es diese vermeintlich Unglück bringende Konstellation noch nicht.

Walter plant mit Dudziak - Gjasula wechselt

HSV-Trainer Walter kann beim Gastspiel am Freitagabend personell nahezu aus dem Vollen schöpfen und erwägt sogar das Comeback des ehemaligen Kiezkickers Jeremy Dudziak: "Jerry ist immer eine Option und damit auch ein möglicher Kandidat für die Startelf." Der 25-Jährige Mittelfeldakteur sei nach seiner Knöchelblessur "größtenteils wieder hergestellt". Keine Rolle spielt hingegen mehr Klaus Gjasula. Walter bestätigte den Abschied des 31-Jährigen. Er wechselt nach Darmstadt.

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Schafft es Neuzugang Hartel in St. Paulis Startelf?

St. Pauli hat sich hingegen kurz vor dem Derby noch einmal verstärkt. Schultz ließ allerdings offen, ob Neuzugang Marcel Hartel bereits für die Startelf infrage kommt: "Grundsätzlich ist er voll im Saft, hat in Bielefeld viele Vorbereitungsspiele bestritten. Ich will erst mal mit ihm sprechen, die ersten Trainingseinheiten abwarten, kategorisch würde ich das aber nicht ausschließen." Der Wechsel des Mittelfeldspielers war am Dienstag festgezurrt worden.

Das Millerntorstadion mit dem Riesenrad im Hintergrund. © Witters
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Polizei rechnet mit ruhigem Verlauf

Die Polizei rechnet trotz der Brisanz der Begegnung mit einem eher ruhigen Verlauf. "Pandemiebedingt gelten noch immer Einschränkungen. So wird auch die Zuschauerzahl im Stadion stark beschränkt sein", sagte eine Polizeisprecherin. Auch seien keine Fanaufmärsche geplant. "Insofern gehen wir davon aus, dass es relativ ruhig ist." Nicht auszuschließen seien allerdings kleinere Aktionen, wie der Einsatz von Pyrotechnik bei der Ankunft des Mannschaftsbusses am Millerntorstadion. Es sei auch davon auszugehen, dass es zu verbalen oder handgreiflichen  Auseinandersetzungen zwischen sogenannten Problemgruppen der beiden Fan-Lager kommen könnte. Zudem würden viele Anhänger das Spiel in Kneipen oder an anderen Orten schauen. Auch da wird die Polizei präsent sein.

Mögliche Aufstellungen

FC St. Pauli: Vasilj - Zander, Ziereis, Medic, Paqarada - Smith - Becker, Benatelli - Kyereh - Makienok, Burgstaller
Hamburger SV: Heuer Fernandes - Gyamerah, David, Schonlau, Leibold - Meffert - Kinsombi, Dudziak - Wintzheimer, Glatzel, Kittel

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Dieses Thema im Programm:

Die NDR 2 Bundesligashow | 13.08.2021 | 18:00 Uhr

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