Omar Marmoush und Rodrigo Zalazar (v.l.) vom FC St. Pauli © Witters Foto: Valeria Witters

St. Paulis Spaßfußballer: Nur das Saisonende kann sie stoppen

Stand: 18.04.2021 12:08 Uhr

Der FC St. Pauli hat seinen Status als bestes Rückrunden-Team der Zweiten Liga durch den 4:0-Sieg gegen die Würzburger Kickers eindrucksvoll untermauert. Die spielfreudigen Hamburger dürfen nun sogar leise vom Aufstieg träumen.

von Hanno Bode

Timo Schultz hätte sich den Gang in die Kabine in der Pause des Duells mit dem Schlusslicht am Sonnabendnachmittag eigentlich sparen können. Schließlich bedurfte es nach einer nahezu perfekten Vorstellung seines Teams im ersten Abschnitt sowie einer 3:0-Führung weder taktischer und personeller Umstellungen noch mahnender Worte. Doch der Trainer kennt seine "Pappenheimer" nach fast einjähriger Amtszeit so gut, dass ihm bewusst war, was da möglicherweise in den zweiten 45 Minuten passieren könnte.

Schultz: "Die Jungs haben den Mix gut hinbekommen"

"Wir haben in der Halbzeit darauf hingewiesen, dass für uns das Entscheidende sein wird, dass wir bei aller Spielfreude auch ein Stück weit einfach bleiben. Wir haben ja schon ein paar Spieler drin, die dann auch gerne überpacen und noch mal ein Kringel und es besonders hübsch machen wollen", sagte der 43-Jährige. Gemeint haben dürfte er insbesondere seine Kreativkräfte Rodrigo Zalazar, Omar Marmoush und Daniel-Kofi Kyereh, die hin und wieder den richtigen Zeitpunkt zum Abspielen verpassen. Nicht aber gegen Würzburg. "Ich glaube, den Mix haben die Jungs heute ganz gut hinbekommen", lobte Schultz.

St. Pauli mit Abstand bestes Rückrunden-Team

Schnörkellos und zugleich schön spielen - das gelingt dem Kiezclub nun bereits seit vielen Wochen mit erstaunlicher Beständigkeit. Die Mannschaft, die in der Vorrunde ihr großes Potenzial nur selten abrufen konnte und lediglich 16 Zähler in 17 Partien einsammelte, eilt in der zweiten Saisonhälfte von Sieg zu Sieg. 28 Punkte aus zwölf Begegnungen sind absoluter Liga-Topwert. Schultz scheint die perfekte Mischung aus Fußball-Arbeitern und kickenden Künstlern gefunden zu haben. Hinzu kommt nach den vielen Erfolgen der Faktor Selbstvertrauen.

Dieses spiele derzeit eine "riesen Rolle", sagte Linksverteidiger Leart Paqarada, der gegen Würzburg mit einem feinen Tor das 1:0 erzielte. "Die Dominanz, die wir momentan auf den Platz bringen, ist schon super. Es macht tierisch Spaß", erklärte der 26-Jährige.

Aufstiegsträume? "Wir denken von Spiel zu Spiel"

Mit dem neunten Sieg aus den vergangenen zwölf Partien hat St. Pauli den Rückstand auf Aufstiegs-Relegationsplatz drei, den derzeit Stadtrivale Hamburger SV belegt, auf sechs Zähler verkürzt. Der Nachbarclub hat zwar Corona-bedingt noch ein Spiel mehr in der Hinterhand, reißt jedoch anders als der Kiezclub in der Rückrunde keine Bäume aus. Geht da also noch etwas in Richtung Bundesliga bei den Schultzschen Spaßkickern? Darauf angesprochen, gingen die auf dem Rasen stets so offensivfreudigen Fußballer in die Defensive.

"Wir fahren weiter ganz gut damit, die Tabelle wegzulassen und von Spiel zu Spiel zu denken. Damit sind wir gut gefahren und daran wird sich so schnell nichts ändern", sagte Paqarada. Sein Teamkamerad Rico Benatelli wollte sich ebenfalls nicht weit aus dem Fenster lehnen, wies stattdessen auf die "schwierige Aufgabe" am kommenden Mittwoch (18.30 Uhr) bei Fortuna Düsseldorf hin und kündigte an: "Auf das Spiel fokussieren und konzentrieren wir uns jetzt."

Nun drei Duelle mit Aufstiegskandidaten

Nach der Dienstreise ins Rheinland stehen für St. Pauli die Duelle mit der SpVgg Greuther Fürth sowie Holstein Kiel an. Sollten die Hamburger auch die Partien gegen die allesamt Bundeliga-ambitionieren Gegner erfolgreich bestreiten können, wäre vielleicht sogar noch der große Wurf, der Sprung in die Eliteklasse, möglich. Doch Schultz will daran noch keine Gedanken verschwenden. Nicht, weil er seiner Mannschaft die Fortsetzung der Siegesserie nicht zutraut, sondern weil sie lediglich noch fünf Spiele Zeit hat, das Feld weiter von hinten aufzurollen. "Wenn wir die Saison verlängern dürfen, können wir darüber reden", sagte der 43-Jährige zu den Aufstiegschancen seines Teams.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 18.04.2021 | 19:30 Uhr

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