Trainer Timo Schultz vom FC St. Pauli © Screenshot NDR

St. Pauli hat beim Schlagabtausch in Heidenheim das letzte Wort

Stand: 31.01.2021 15:37 Uhr

Dem FC St. Pauli gelang am Sonntag beim 1. FC Heidenheim ein wichtiger Sieg im Kampf um die Zweitliga-Zugehörigkeit. Beim 4:3 (2:1) glänzte die Hamburger Offensive - doch die Abwehr bereitet weiter Sorgen.

von Martin Schneider

"Für die Zuschauer war das ein sehr interessantes Spiel. Wir Trainer haben natürlich einiges gesehen, was man durchaus noch verbessern kann. Nächste Woche steht im Training die Defensivarbeit wieder im Fokus, aber heute will ich nicht das Haar in der Suppe suchen", zeigte sich St. Paulis Trainer Timo Schultz nach dem Abpfiff erleichtert. Unmittelbar vor der Partie hatte es Aufregung um den Coach gegeben. Der 43-Jährige begab sich wegen des Verdachts auf eine Nierenkolik zur Untersuchung ins Krankenhaus. Schultz war aber rechtzeitig zurück und stand an der Seitenlinie.

Wie schon bei der Heimniederlage gegen den VfL Bochum am Donnerstag, bei der die Kiezkicker zwei Führungen aus der Hand gaben, gelang zunächst der Blitzstart. Daniel-Kofi Kyereh flankte von der Grundlinie auf Guido Burgstaller, der den Ball mit der Schulter annahm und aus der Drehung auf das Tor schoss. Heidenheims Verteidiger Jonas Föhrenbach konnte den Ball erst hinter der Linie klären. Nach kurzen Heidenheimer Protesten jubelte St. Paulis Österreicher über die 1:0-Führung und seinen vierten Treffer im vierten aufeinanderfolgenden Spiel (3.).

St. Pauli lässt höhere Führung liegen

Und die Hamburger drückten weiter auf die Tube gegen zu Beginn indisponierte Heidenheimer. Die glänzende Offensive um Omar Marmoush (4., 13.), Kyereh (5.) und Burgstaller (10.) hätte für eine höhere Führung sorgen müssen. Denn es bewahrheitete sich die alte Weisheit: Wer die Tore vorne nicht macht, kriegt sie hinten rein. Nach einer Ecke der Gastgeber traf der frisch ausgeliehene Tim Kleindienst freistehend mit dem Kopf zum 1:1 (15.). Zwei Minuten später hätte der Rückkehrer aus Gent fast noch einen weiteren Treffer nachgelegt.

Hamburger Defensive anfällig

Nach starkem offensivem Beginn waren es nun die Braun-Weißen, die in einer turbulenten ersten Hälfte defensiv von der Rolle waren. Neuzugang Eric Smith, der sein Debüt im defensiven Mittelfeld feierte und der von seiner Verletzung genesene James Lawrence waren nicht die erhofften Stabilisatoren. Nur mit vereinten Kräften bekamen die Hamburger die Flanken und Torschüsse des FCH geklärt. In dieser Phase war das Glück mit den Gästen, die sich erst nach einer knappen halben Stunde vom Druck befreien konnten - und erneut überraschend in Führung gingen. Schlitzohr Kyereh schob in der 30. Minute einen Freistoß aus 20 Metern unter der Mauer hindurch ins kurze Eck - 2:1.

Früher Rückschlag durch Kühlwetter

Die fehlende Balance zwischen Angriff und Abwehr bestimmte auch das Spiel der St. Paulianer im zweiten Durchgang. Diesmal gelang den Heidenheimern der Blitzstart: Kevin Sessa schickte Christian Kühlwetter steil, Philipp Ziereis verlor das Laufduell und grätschte anschließend ins Leere. Kühlwetter behielt die Nerven und chippte den Ball an St. Paulis Torwart Dejan Stojanovic vorbei zum 2:2 (48.).

Zalazar mit dem Lucky Punch

Und es ging weiter munter hin und her zwischen beiden Teams: Die 3:2-Führung durch Finn Ole Beckers Flachschuss (72.) glich Kleindienst nur fünf Minuten später erneut aus. Leart Paqarada hatte den Heidenheimer Angreifer in seinem Rücken aus den Augen verloren. Den am Ende glücklichen Schlusspunkt setzte Rodrigo Zalazar, der in der 87. Minute mit dem 4:3 die vierte Führung für die Gäste erzielte. Und die sollte dieses Mal Bestand haben, auch wenn bis zum Schlusspfiff im Abwehrverbund wieder kräftig gezittert werden musste. "Wir sind alle kaputt, aber auch glücklich. Es war kein normales Spiel, sondern eines der intensivsten Spiele, die ich persönlich gespielt habe", sagte Kyereh nach dem Abpfiff.

Es war der erste Zweitliga-Erfolg des Kiezclubs auf der Ostalb überhaupt nach zuvor sechs Auswärtsniederlagen. Heidenheim war zuvor fast 16 Monate zu Hause ungeschlagen. Mit 19 Punkten aus 19 Spielen schoben sich die Hamburger in der Tabelle auf Rang 15 und überholten damit Eintracht Braunschweig.

19.Spieltag, 31.01.2021 13:30 Uhr

Heidenheim

3

FC St. Pauli

4

Tore:

  • 0:1 Burgstaller (3.)
  • 1:1 Kleindienst (15.)
  • 1:2 Kyereh (30.)
  • 2:2 Kühlwetter (48.)
  • 2:3 Becker (72.)
  • 3:3 Kleindienst (77.)
  • 3:4 Zalazar Martinez (84.)

Heidenheim: Ke. Müller - Busch (88. Schimmer), Mainka, Hüsing, Föhrenbach - Geipl (46. Schöppner), Burnic (75. Schnatterer) - Sessa (75. Theuerkauf), Thomalla (46. Pick) - Kleindienst, Kühlwetter
FC St. Pauli: Stojanovic - L.-M. Zander (75. Dzwigala), Ziereis, Lawrence, Paqarada (82. Buballa) - Becker, Smith (59. Aremu), Kyereh, Zalazar Martinez - Marmoush (82. Dittgen), Burgstaller (76. Matanovic)
Zuschauer:

Weitere Daten zum Spiel

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 31.01.2021 | 22:50 Uhr

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