Stand: 08.10.2018 09:31 Uhr

Rote Karte für Plastikmüll

von Inka Blumensaat und Andreas Bellinger
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Eine Kampagne der Umweltschutzorganisation WWF zeigt einen Delfin mit Müll im Maul.

"Wir haben die Schnauze voll!" Bis zum Rand vollgestopft ist das Maul des Delfins auf den Plakaten überall in Stadt und Land. Mit Plastikmüll, der mehr und mehr Flora und Fauna in den Weltmeeren bedroht. Was das mit Fußball zu tun hat? Ganz einfach: In der vergangenen Saison landeten in den Stadien der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga 11,5 Millionen Einwegbecher aus Plastik im Müll. In eine Reihe gelegt, käme eine Strecke von Berlin nach Athen dabei heraus. Hannover 96 hat das (Umwelt-)Problem schon vor ein paar Jahren erkannt und auf Mehrweg umgestellt. Aber warum ziehen nicht alle Clubs mit?

Sicherheit vor Umweltschutz?

Obwohl die Umweltbilanz der Einwegbecher verheerend ist, wird deren Gebrauch beim VfL Wolfsburg nach wie vor bevorzugt. "Insbesondere aus Sicherheitsgründen", sagt der Geschäftsführer der "Wölfe", Tim Schumacher, dem NDR Sportclub. Tatsächlich hat es den sogenannten Becherwurf von St. Pauli gegeben, der im Heimspiel gegen Schalke 04 zum Spielabbruch führte. Doch das ist sieben Jahre her - und taugt deshalb bestenfalls noch als warnendes Beispiel. Zumal in einigen Stadien inzwischen sicherheitsoptimierte Mehrwegbecher genutzt werden. Verletzungen wie nach dem Bierbecherwurf im April 2011 dürften also kein Argument mehr sein.

Umwelthilfe: "Für Einweg keine Argumente"

Der Hamburger SV verweist zwar darauf, dass seine in der vergangenen Saison geschätzt 940.000 Becher aus "Bioplastik" hergestellt wurden, doch besser macht es das nicht wirklich. Laut Deutscher Umwelthilfe ist eine problemlose Kompostierung dieser sogenannten biologisch abbaubaren Kunststoffe nicht möglich. Außerdem belasten der Anbau sowie die Verarbeitung der Pflanzen ebenfalls Gewässer und Böden. "Für Einweg gibt es keine Argumente", sagt Barbara Metz von der Deutschen Umwelthilfe. "Vor allem nicht in einer Zeit, in der die Klimaschutzproblematik massiv deutlich wird. Der heiße Sommer hat es auch gezeigt: Hier muss was gemacht werden."

Nachhaltigkeit ernst nehmen

Die Entscheidung, welche Becher verwendet werden, liegt bei den Clubs. Die Europäische Union ist noch nicht so weit, Einweg-Plastik flächendeckend zu verbieten. Metz: "Wir gehen davon aus, dass ein Verbot früher oder später auch kommt." Vereine wie Werder Bremen, der FC St. Pauli oder Holstein Kiel setzen wie Hannover auf Mehrwegsysteme, bevor es der Gesetzgeber verordnet. Metz: "Sie beweisen damit, wie wichtig ihnen Nachhaltigkeit ist und nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung als Fußballvereine wahr." Bei 96 kann das Becherpfand überdies gespendet werden: Trinkbecher für Trinkwasser in Afrika.

Dortmund als "Müllmeister"

In der Bundesliga haben bereits 11 von 18 Clubs auf Mehrweg umgestellt - jüngst übrigens auch Rekordmeister Bayern München. In der Zweiten Liga haben sich bis dato nur acht Vereine für Mehrwegsysteme entschieden. Auf Bestreben eines Fans, der 100.000 Unterschriften gesammelt hat, will nun auch Borussia Dortmund in seinem 81.360 Besucher fassenden Stadion aktiv werden. Noch ist der aktuelle Bundesliga-Spitzenreiter "Müllmeister" der Liga. Und Wolfsburg? "Das Einweg/Mehrweg-Thema sehen wir uns gerade konkret an und setzen auch alles daran, ökologisch später mal besser zu sein", sagt Schumacher. Der HSV prüft nach NDR Informationen derzeit ebenfalls mehrere Optionen. Auch beim Thema Umweltschutz soll es bei dem hanseatischen Zweitligisten wieder aufwärts gehen.

Dieses Thema im Programm:

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