Stand: 08.04.2019 10:40 Uhr

Neuer DFB-Chef? Bruchhagen denkt an Niersbach

von Andreas Bellinger, NDR.de

Heribert Bruchhagen weiß genau, welche Eigenschaften der neue Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) haben muss. "Der Neue sollte so sein wie Wolfgang Niersbach", sagte der frühere Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV und ging in der Diskussion um die Nachfolge des zurückgetretenen Reinhard Grindel noch einen Schritt weiter: Für ihn sei der an der "Sommermärchen-Affäre" gescheiterte Niersbach "der Topstar". Eine Präsidentin könne er sich im höchsten Amt des deutschen Fußballs dagegen nicht vorstellen, erklärte der 70-Jährige am Sonntagabend im NDR Sportclub. "Nach meinem Verständnis gibt es keine geeignete Frau für dieses Amt." Momentan jedenfalls.

Heribert Bruchhagen im Sportclub

Bruchhagen: "DFB-Präsident sollte sein wie Niersbach"

Sportclub -

Der DFB sucht einen neuen Präsidenten. Welches Profil ist gefragt? Dazu im Sportclub der langjährige Fußball-Funktionär und Ex-HSV-Vorstandsvorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen.

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Bruchhagen: Adäquates Gehalt für Präsidenten

Eine deutliche Meinung hat Bruchhagen zur Causa, die Grindel letztlich zu Fall brachte: die Annahme einer Luxus-Uhr. "Jeder, der in der Bundesliga ein Amt bekleidet oder Politiker ist, weiß, dass man Geschenke nicht annimmt. Sich eine Uhr schenken zu lassen, ist absurd", sagte der ehemalige HSV-Vorstandsboss. Über die sonstige Kritik an Grindel könne man geteilter Meinung sein. "Wie man mit Özil umgeht, kann man kritisieren, kann man aber auch gut finden." Unstrittig sei, dass der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Grindel unheimlich fleißig sei. "Ich habe ihn bewundert ob seines riesigen Engagements." Das Präsidenten-Amt könne allein deshalb kein Ehrenamt sein, meinte Bruchhagen: "Es ist ein 60-, 70-, 80-Stunden-Job die Woche. Selbstverständlich muss ein adäquates Gehalt gezahlt werden. Wer sieben Millionen Mitglieder vertritt, muss entsprechende Wertigkeit haben, damit man auch einen geeigneten Kandidaten findet."

Suche nach der "eierlegenden Wollmilchsau"

DFB-Vize Rainer Koch und DFL-Chef Reinhard Rauball, die wie schon nach dem Niersbach-Rücktritt die kommissarische Führung des Verbandes übernommen haben, sollen dem Vernehmen nach eine Strukturreform vorbereiten, die am 27. September auf dem Bundestag des deutschen Fußballs zur Abstimmung kommen könnte. Das gewählte Präsidium soll offenbar allein für die sportpolitischen Themen zuständig sein, das Tagesgeschäft die hauptamtlichen Mitarbeiter der Verwaltung in der Frankfurter Zentrale erledigen, deren Leitung der Generalsekretär verantwortet. Kandidaten kursieren viele. Nur: Wer ist geeignet? Wer hat Lust, sich das Amt anzutun? Bruchhagen: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Rudi Völler große Lust hat, in Gremien und Ausschusssitzungen zu sitzen und Akten zu studieren."

Stallgeruch und politisches Verständnis

Kommentar

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Der unter Druck geratene Reinhard Grindel ist als DFB-Präsident zurückgetreten. Er sei in diesem Amt von Beginn an zum Scheitern verurteilt gewesen, kommentiert Jörg Tegelhütter. mehr

Die Suche erinnert Bruchhagen an "die eierlegende Wollmilchsau. Der Präsident muss selbst gespielt und Stallgeruch haben, er sollte Profi gewesen sein und politisches Verständnis haben". Der frühere DFB-Generalsekretär Niersbach sei diesem Ideal während seiner Präsidentschaft von 2012 bis 2015 nach Bruchhagens Überzeugung sehr nahe gewesen. "Er hat den Job von der Pike auf gelernt. War selbst Fußballer und hat viele internationale Kontakte", sagte Bruchhagen, der bis 2015 insgesamt neun Jahre im Vorstand der Deutschen Fußball Liga (DFL) saß, und den Ligaverband in dieser Funktion auch im DFB-Vorstand vertrat. Dass Niersbach, der im November 2015 im Zusammenhang mit den bis heute nicht restlos aufgeklärten dubiosen Geldflüssen rund um die Weltmeisterschaft 2006 zurückgetreten war, kaum eine Option sein dürfte, ist Bruchhagen zwar klar. "Das Anforderungsprofil sollte aber so aussehen."

Bruchhagen mahnt zur Vorsicht

Ob der neue Präsident wie seine Vorgänger zugleich auch Sitz und Stimme in den Gremien des Weltverbandes FIFA und der Europäischen Fußball-Union UEFA haben wird, ist vorerst fraglich. Grindel ist als persönliches Mitglied gewählt worden und kann diese Posten womöglich auch behalten. Das jedenfalls gibt Bruchhagen zu bedenken, weil bei einem Rücktritt nicht gesagt sei, dass der deutsche Fußball einen Nachfolger für ihn entsenden kann. "Da muss man sehr vorsichtig sein."

"Habe genug Akten gelesen"

Dass sich die Amateure, die auf dem Bundestag satzungsgemäß eine große Mehrheit haben, und die in der DFL organisierten Profis auf einen Präsidenten einigen werden, ist für Bruchhagen keine Frage. "DFB, DFL und die Landesfürsten werden sich an einen Tisch setzen; es wir keine Kampfabstimmung, sondern vorher eine Lösung geben." Nur eines sei schon jetzt sicher: Er selbst scheide als Präsidentschaftskandidat in jedem Fall aus. "Für mich gilt das Gleiche wie für Rudi Völler", sagte Bruchhagen und lächelte. "Ich habe in meinem Leben genug Akten gelesen und mich in Sitzungen gefragt, was ich da eigentlich mache."

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DFB-Präsident Grindel tritt mit sofortiger Wirkung zurück

Reinhard Grindel ist als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten. Der 57-Jährige entschuldigte sich zugleich für sein "wenig vorbildliches Verhalten". Mehr bei sportschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 07.04.2019 | 22:50 Uhr

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