Stand: 13.05.2018 19:00 Uhr

Lasche Kontrollen: Hat der Fußball ein Doping-Problem?

von Andreas Bellinger, NDR.de

Wenn am 14. Juni die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt, sind Doping-Experten offenkundig unerwünscht. Der mit seinen Doping-Recherchen für die ARD weltweit anerkannte Sportjournalist Hajo Seppelt darf nicht nach Russland einreisen, und die üblichen Doping-Kontrollen werden anders als beispielsweise bei den Olympischen Spielen nicht von der unabhängigen Welt-Anti-Doping-Agentur WADA durchgeführt, sondern in Eigenregie vom Weltfußball-Verband FIFA - also vom Veranstalter. Zufall, Methode, oder ist Doping im Fußball tatsächlich nur eine Randnotiz? Fritz Sörgel, Pharmakologe und anerkannter Anti-Doping-Kämpfer, hegt in der Sportclub Story seine Zweifel: "Die Nähe zur Wahrheit war im Fußball schon immer relativ gering. Man wollte nie wirklich zugeben, auf welcher breiten Basis im Fußball tatsächlich mit Dopingmitteln gearbeitet wird."

Fürste: "Man kann in jeder Sportart dopen"

Stürmer Martin Harnik von Hannover 96 sieht es anders, weil "viel mehr Faktoren eine Rolle spielen, als nur die reine körperliche Leistung". Dass Doping im Fußball ohnehin nichts bringt, glaubt auch der frühere Werder-Trainer Robin Dutt: "Der Spieler wäre mit Dummheit gestraft. Er würde sich in der Leistung eher verschlechtern." Der Doping-Experte der "Süddeutschen Zeitung", Thomas Kistner, ist völlig anderer Ansicht: "Das ist hanebüchen." Auch für den zweimaligen Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste steht fest: "Natürlich kann man in jeder Sportart dopen."

Nährboden für unerlaubte Substanzen

Der Sportmediziner Helge Riepenhof stützt diese Meinung: "Man kann schneller regenerieren, wenn man das medikamentös oder durch verschiedene Verfahren unterstützt", sagt der Chefarzt des BG Klinikums Hamburg, der bis vor Kurzem noch Mannschaftsarzt des italienischen Erstligisten AS Rom war. Zumal die Belastung der Kicker immer mehr zunimmt. Lief ein Bundesligaprofi in den 1970er-Jahren noch sechs Kilometer pro Spiel, sind es heute nicht selten doppelt so viel. Vermutlich ein prächtiger Nährboden für Substanzen, die - so Riepenhof in der Sportclub Story - "den Kraftzuwachs, den Sauerstofftransport und auch die Konzentrationsfähigkeit fördern".

Sonderrechte für Fußballer

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Martin Harnik: "Alles andere wäre too much."

Ungeachtet dessen behauptet Liverpools Trainer Jürgen Klopp, dass "Fußballer in dem Bereich zu keiner Zeit systematisch unterwegs gewesen sind". Warum aber entsprechen die Kontrollen im Fußball nicht den in anderen Sportarten üblichen Normen? "Dass unangekündigte Dopingkontrollen nicht stattfinden, kann ich nicht nachvollziehen", sagt Fürste. Tatsächlich bleibt die Privatsphäre der Kicker komplett unangetastet, wie Harnik bestätigt: "Alles andere wäre auch too much." Nach Angaben der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA werden in der Bundesliga pro Saison außerhalb des Wettkampfes 249 Kontrollen vorgenommen. Bei 502 Spielern in den 18 Teams der Bundesliga ist statistisch gesehen also höchstens jeder zweite Profi einmal getestet worden. In der Zweiten Liga kommt außerhalb des Wettkampfes gar nur jeder Vierte an die Reihe. In der Regionalliga gibt es aktuell gar keine Kontrollen. Aus finanziellen Gründen, sagt der Anti-Doping-Beauftragte des DFB, Vizepräsident Erwin Bugar.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 13.05.2018 | 23:15 Uhr

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