Stand: 13.05.2019 10:50 Uhr

Kommentar: Der HSV muss sich neu erfinden

Der Aufstieg ist verspielt, die Konsequenzen sind drastisch: Der finanziell angeschlagene HSV bleibt in der Zweiten Liga und steht vor sehr schweren Zeiten. Will er die Abwärtsspirale stoppen, muss der Club endlich Grundsätzliches ändern: sein Selbstverständnis und die Art und Weise, wie er seine Mannschaft zusammenstellt. Sonst droht die sportliche Bedeutungslosigkeit.

Ein Kommentar von Sebastian Ragoß, NDR.de

Der HSV hat den Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga verspielt. Dies ist nichts anderes als ein sportlicher und finanzieller GAU für die Hamburger, die mit dem höchsten Etat der Zweitliga-Geschichte in die Saison gegangen waren. Der hohe Einsatz hat sich - wieder einmal - nicht ausgezahlt. Die Abwärtsspirale dreht sich weiter beim HSV, seit nunmehr fast einem Jahrzehnt.

TV-Einnahmen und Sponsorengelder werden weiter sinken

Den Hamburgern stehen sehr schwere Zeiten bevor: Die TV-Einnahmen werden weiter sinken, ebenso die Zuwendungen von Sponsoren. Auf der mit rund 300 Mitarbeitern besetzten Geschäftsstelle wird es drastische Einschnitte geben. Ganze Bereiche dürften geschlossen werden.

Nun ist der verpasste Aufstieg nicht der erste schwere Schlag für den ehemaligen Bundesliga-Dino. In den vergangenen fünf Jahren gab es am Ende jeder Saison alarmierende Signale, endlich gravierende Änderungen einzuleiten und nicht immer nur an der Oberfläche herumzuwerkeln. Der HSV hat dies jedoch bis heute nicht getan. Ist nun der Leidensdruck groß genug?

Achterbahnfahrt ohne Happy End - Die HSV-Saison in Bildern

Der HSV ist kein großer Club mehr

Der erste Schritt wäre die Selbsterkenntnis: Der HSV ist kein großer Club mehr. Er hat eine große Tradition und eine tiefe Verwurzelung in der Stadt Hamburg. Doch für die aktuelle sportliche Lage bedeutet dies: nichts. Strukturell sind selbst Vereine wie Mainz 05 und der FC Augsburg, die seit Jahren in der Bundesliga äußerst solide arbeiten, dem HSV meilenweit enteilt, von den Europacup-Aspiranten ganz zu schweigen.

Die Hamburger brauchen eine neue Leistungskultur

Die Hamburger müssen sich neu erfinden. Zunächst gehört dazu die Einsicht, dass es schwer wird, überhaupt wieder ein etablierter Bundesligist zu werden. Sie brauchen Kontinuität, einen klaren sportlichen Kurs, vor allem aber eine Leistungskultur, in der Spieler nicht wie Topstars bezahlt werden, dann aber nur alle paar Wochen an ihre Grenzen gehen und sich mit dem Erreichen von Minimalzielen zufriedengeben, sondern gemeinsam für ein Ziel arbeiten. Hört man die Andeutungen von Trainer Hannes Wolf nach der 1:4-Niederlage in Paderborn, dann hat es auch daran gemangelt in dieser Saison.

Viele Profis müssen verkauft werden

Eine Zukunft in Hamburg haben viele Profis des aktuellen Kaders ohnehin nicht mehr. Jeder Spieler, der eine halbwegs vernünftige Ablöse einbringt, dürfte verkauft werden. Dazu ist der finanziell klamme HSV gezwungen. Ob es jedoch Sportvorstand Ralf Becker gelingt, ohne Geld eine qualitativ bessere Mannschaft zusammenzustellen? In dieser Saison ist er an dieser Aufgabe gescheitert. Ungeklärt ist auch, ob Wolf weitermachen darf. Die Zeichen stehen auf Trennung. Das ewige Trainer-Wechsel-dich-Spiel dürfte weitergehen. Und womöglich auch der anhaltende Abstieg des Hamburger SV in die sportliche Bedeutungslosigkeit.

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Sportclub | 12.05.2019 | 22:30 Uhr

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