Stand: 30.10.2019 22:08 Uhr

Holstein Kiel: Pokal-Aus nach Elfmeter-Krimi

von Christian Görtzen, NDR.de
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Holstein-Keeper Ioannis Gelios kassiert das 1:1 durch Nico Hecker (M.).

Holstein Kiel kann sich voll und ganz auf die zweite Fußball-Bundesliga konzentrieren. Im DFB-Pokal geht seit Mittwochabend um 21:14 Uhr nichts mehr. Das Team von Trainer Ole Werner schied beim SC Verl, dem Spitzenreiter der Regionalliga West, durch ein 8:9 nach Elfmeterschießen (1:1, 1:1) in der zweiten Runde aus. Die "Störche" verpassten dadurch eine stattliche Prämie für das Erreichen des Achtelfinals in Höhe von 702.000 Euro und die Aussicht auf ein mögliches Duell mit Bundesligisten wie dem FC Bayern München, RB Leipzig (6:1 beim VfL Wolfsburg) oder Werder Bremen (4:1 gegen den 1. FC Heidenheim).

"Es ist extrem bitter. Man muss aber sagen, dass Verl sich das absolut verdient hat. Wir müssen besser Fußball spielen. Jetzt gilt es, das schnell abzuhaken", sagte der Kieler Torschütze Janni Serra dem NDR.

Serra nutzt eine von zwei Chancen

Der Außenseiter, dessen Sportclub Arena mit 5.153 Zuschauern zum ersten Mal ausverkauft war, legte beherzt los und versuchte einige Male, mit scharfen Steilpässen die Defensive der "Störche" in Verlegenheit zu bringen. Dies gelang auch ansatzweise, der erhoffte Torerfolg stellte sich aber noch nicht ein.

2.Spieltag, 30.10.2019 18:30 Uhr

SC Verl

9

Holstein Kiel

8

Tore:

  • 0:1 Serra (13.)
  • 1:1 Hecker (45. +1)

SC Verl: Brüseke - Choroba, Stöckner, Lach, Ritzka - Schallenberg (106. Schröder), M. Kurt (96. Mikic), Schöppner - Hecker (73. Andzouana), Janjic, A. Yildirim (101. Haeder)
Holstein Kiel: Gelios - Neumann, Schmidt, Wahl, van den Bergh - Sander (46. Porath) - Mühling, J. Lee - S. Özcan (112. Eberwein) - M. Baku (57. Iyoha), Serra (80. Khelifi)
Zuschauer: 5153 (ausverkauft)

Weitere Daten zum Spiel

Kiel zeigte in der 13. Minute, wie es gemacht wird: Nach einer Ecke von Alexander Mühling verschaffte sich in der Strafraummitte Serra durch eine schnelle Bewegung hin zum Ball den entscheidenden Vorteil. Der U21-Nationalspieler köpfte die Kugel auf das Verler Gehäuse, Torhüter Robin Brüseke kam nur noch mit den Fingerspitzen an das Spielgerät - 1:0 für Holstein. Weitere 13 Minuten später hätte Serra beinahe nachgelegt. Der Angreifer profitierte davon, dass SC-Kapitän Julian Stöckner ausgerutscht war, dessen nach hinten gespurteter Teamkollege Frederik Lach blockte aber in letzter Sekunde durch eine Grätsche den Flachschuss. Dann kreierte auch der Viertligist gefährliche Offensivaktionen: Nico Hecker per Kopf (23.) und Fuß (35.) kam einem Treffer schon sehr nahe.

Gegentor kurz vor dem Pausenpfiff

Glück hatten die Schleswig-Holsteiner zudem, dass Schiedsrichter Christof Günsch (Berlin) einen Ellenbogen-Einsatz von Salih Özcan gegen Lach nicht mit einem Strafstoß ahndete (29.). Der verdiente Ausgleich fiel aber noch, und zwar sehr spät. Als die einminütige Nachspielzeit der ersten Halbzeit schon fast abgelaufen war, schlug der Außenseiter zu, und im dritten Versuch durfte Hecker jubeln. Einen Schuss von Aygün Yildirim hatte Holstein-Keeper Ioannis Gelios hoch nach vorne abgewehrt, der Verler Angreifer schraubte sich hoch und köpfte zum 1:1 (45. +1) ein.

"Störche" müssen in die Verlängerung

Der SC spielte auch nach der Pause stark und wäre durch Stöckners Kopfball (53.) fast zum nächsten Treffer gekommen, bald darauf scheiterten in einer Doppelchance Hecker und Mehmet Kurt an Gelios (62.).

Kiel ließ weiterhin vieles vermissen und durfte glücklich sein, das 1:1 zu halten. Von den Rängen schallte es in Richtung des Favoriten: "Zweite Liga, keiner weiß warum!" Aber auch das rüttelte den Favoriten nicht wach, und so ging es in die Verlängerung. In deren erster Halbzeit besaßen die "Störche" Vorteile und hatten bei Mühlings Lattentreffer (105.) Pech. Nach dem Seitenwechsel war dagegen Verl der Führung ganz nahe: Der eingewechselte Matthias Haeder vergab eine Top-Chance, als er aus zentraler Strafraumposition über das Kieler Gehäuse schoss (111.). Es kam, wie es kommen musste - es ging ins Elfmeterschießen.

Elfmeterschießen: Neumann wird zum Pechvogel

Die ersten sechs Schützen trafen allesamt. Und auch Kiels Finn Porath behielt die Nerven - 4:3. Als danach der Verler Patrick Choroba am Tor vorbeischoss, hatte Holstein einen "Matchball". Doch Emmanuel Iyoha scheiterte an SC-Keeper Brüseke. Jannik Schröder zog zum 4:4 gleich. Alles war wieder offen. Beim Stand von 7:7 trat Phil Neumann für Kiel an, seinen Schuss parierte Brüseke. Jan Schöppner nutzte den Vorteil, traf zum 8:7. Der SC Verl schaltete damit nach dem FC Augsburg in der ersten Runde nun auch Holstein Kiel aus.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 30.10.2019 | 23:03 Uhr