Hansa freut sich über Fan-Rückkehr - Doch wie geht es weiter?

Stand: 20.03.2021 18:37 Uhr

Hansa Rostocks Pilotprojekt zur Zuschauerrückkehr war ein Erfolg und könnte Nachahmer finden. Doch lässt dies die bundesweite Corona-Lage zu?

von Sebastian Ragoß

Die Spieler von Hansa Rostock liefen nach dem 1:0-Sieg in der Dritten Liga gegen Halle eine Ehrenrunde - und sie grüßten dabei nicht nur kalten Beton und leere Plastiksitze, sondern endlich auch wieder Fans im Ostseestadion. Genau 702 waren dabei, erstmals seit viereinhalb Monaten fand eine Partie im deutschen Profifußball wieder vor Zuschauern statt.

OB Madsen: "Ein großer Tag für Rostock"

Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) sprach von "einem großen Tag für Rostock". So sahen es auch die Fans: "Man bekommt ein Stück Leben zurück. Ich freue mich riesig, dabei zu sein", sagte eine Zuschauerin vor dem Stadion dem NDR. Trainer Jens Härtel unterstrich: "Wir haben es genossen heute."

Einlass erhalten hatten ausschließlich Sponsoren-Vertreter oder Dauerkarteninhaber aus Rostock, die sich in einer der Teststationen vor dem Stadion einem Corona-Schnelltest unterzogen hatten. Das Konzept war in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium Mecklenburg-Vorpommerns entworfen worden.

Keine Probleme bei Tests und Einlass

Laut Hansas Vorstandsvorsitzendem Robert Marien lief das Test-Procedere einwandfrei: "Das erste Fazit ist sehr positiv. Alles ist gut gelungen." 1.100 Tests wurden gemacht, keiner war positiv. "Man hätte mit dieser Infrastruktur heute sogar 1.500 Leute locker reingekriegt", so Marien. Die von Madsen ins Spiel gebrachte Höchstgrenze von 3.000 sei perspektivisch ebenfalls zu meistern. Am Sonntag wertet der Club seine Erkenntnisse noch einmal detailliert aus, anschließend bespricht er sie mit der Politik und den Behörden.

Rostock befindet sich auch dank Madsens effektiver Anti-Corona-Strategie in einer Ausnahmesituation, was in diesem Fall positiv ist: Die Stadt hat derzeit eine Sieben-Tage-Inzidenz von lediglich 22,9 und dadurch Spielraum bei Lockerungen.

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Durch die Zulassung von Fans beim FC Hansa erhoffen sich auch andere Bereiche eine Signalwirkung: "Es geht um alle Branchen: Wie kriegen wir ein Leben hin mit Corona", sagte Madsen, der gleichzeitig betonte: "Es ist wichtig, das Signal zu setzen: Wer sich an die Regeln und Vorgaben hält, hat die Chance, etwas ermöglicht zu bekommen."

Kritik gibt es an Madsens Kurs aber auch: "Ich freue mich wirklich für Hansa, dass sie das machen können. Ich frage mich aber, warum ich dann als Familie oder zu zweit oder dritt nicht in die Gastronomie gehen kann", sagte der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz.

Andere Sportarten wollen nachziehen   

Dem Rostocker Beispiel vom Sonnabend würden andere gern folgen. Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes sowie anderer Sportverbände und -vereine waren vor Ort, um sich ein Bild zu machen.

UMFRAGE
Mögliche Antworten

Hansa Rostock darf wieder vor Zuschauern spielen. Die richtige Entscheidung?

Die Berlin Volleys wollen bereits am kommenden Mittwoch nachziehen und 800 Zuschauer in die Max-Schmeling-Halle lassen. Der Kartenverkauf hat begonnen.

Fallzahlen im Sport steigen

Doch stellt sich die Frage, ob angesichts der jüngsten Corona-Entwicklungen und der vermehrten Ausbreitung der britische Virusvariante in der Bundesrepublik das Pilotprojekt in Rostock zunächst ein einmaliger Versuch bleibt. Die Corona-Zahlen steigen seit Tagen "ganz deutlich exponentiell an", wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag betonte. Experten sehen das Land mitten in der dritten Welle. Im Profisport hat es zuletzt vermehrt Corona-Infektionen gegeben, sodass die Deutsche Fußball Liga (DFL) ihr Hygienekonzept verschärfen will.

Bund-Länder-Beratungen über Corona-"Notbremse"

Deutschlandweit lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Sonnabend laut RKI bei 99,9 und damit nur minimal unter der kritischen 100er-Marke, die zu einer "Notbremse", also dem Zurücknehmen von Lockerungen oder sogar verschärften Maßnahmen führen soll. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte deshalb am Freitagabend mit Blick auf die Bund-Länder-Gespräche am Montag: "Wir werden leider auch von dieser Notbremse Gebrauch machen müssen."

Sollte diese tatsächlich gezogen werden, dürften Sportveranstaltungen mit Zuschauern zunächst kein Thema mehr sein. Dies würde wohl auch für Rostock gelten. Selbst wenn in der Hansestadt die Zahlen auf niedrigem Niveau blieben, wäre es politisch nur schwer zu vermitteln, wenn Hansa am 10. April gegen Magdeburg wieder Fans ins Stadion ließe, während sich die Republik in einem Lockdown befindet.

Ein Anfang ist auf jeden Fall gemacht 

"Wir können nicht so tun, als wenn wir nicht Bestandteil des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern und von Deutschland wären", hatte Marien in der vergangenen Woche betont. Möglicherweise wird es also noch ein paar Wochen dauern, ehe die gewonnenen Erkenntnisse vom Sonnabend weiter genutzt und optimiert werden können. Ein Anfang ist aber auf jeden Fall gemacht.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 20.03.2021 | 14:00 Uhr

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