Stand: 06.02.2020 11:51 Uhr

Stefan Beinlich: "Hansa Rostock ist mein Leben"

Zweimal als Spieler bei Hansa, dazu Manager und jetzt Nachwuchschef: Stefan Beinlich.

Vor dem Heimspiel von Hansa Rostock gegen die SpVgg Unterhaching am Sonnabend (14 Uhr/live im NDR Fernsehen und im Video-Livestream) sprach NDR.de mit Ex-Spieler und -Manager Stefan Beinlich, seit Ende November Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, über die Lage bei den Profis, seine Ziele mit den Junioren und seine besondere Beziehung zur Hansa-Kogge.

Die Zukunft schien sehr rosig zu sein: 2010 gewannen die Rostocker A-Junioren die deutsche Meisterschaft, drei Jahre später unterlagen die Teenager von der Ostsee erst im Finale gegen den VfL Wolfsburg. Während die Profis die Bundesliga gerade immer weiter aus den Augen verloren und so langsam die Dritte Liga zum Alltag zu werden schien, war das Reservoir an Talenten schier unerschöpflich.

Und tatsächlich schaffte es mit Kevin Müller, Tom Trybull, Robin Krauße, Pelle Jensen, Andreas Pfingstner, Max Christiansen, Ben Zolinski, Tom Weilandt und Nils Quaschner eine erstaunlich große Zahl in die oberen Ligen - aber ohne Hansa. Die Mecklenburger werden wohl auch in diesem Jahr die Zweitliga-Rückkehr verpassen, und in Zeiten deutlich knapperer Kassen verlor Hansa auch im Jugendbereich den Anschluss.

Herr Beinlich, Sie sind zweimal als Spieler nach Rostock gewechselt, waren Manager und sind jetzt Nachwuchschef. Was bedeutet Hansa Ihnen?

Stefan Beinlich: Das ist wirklich unfassbar schwierig zu beantworten. (überlegt) Hansa ist mein Leben. Auch als ich nicht in Rostock unter Vertrag stand, hat Hansa immer eine Rolle für mich gespielt. Für mich und meine Familie ist Rostock zum Lebensmittelpunkt geworden. Wir wollen hier auch nicht mehr weg. Und wenn Hansa ruft, kann ich anscheinend nicht Nein sagen.

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Eigentlich wollte Stefan Beinlich in zwei Jahren Profigolfer werden.

Dabei wollten Sie doch eigentlich in zwei Jahren, wenn Sie 50 werden, als Profigolfer auf der European Seniors Tour starten. Dafür haben Sie sehr viel trainiert.

Beinlich: Seit ich mit 19 Jahren in England mit meinen Teamkollegen von Aston Villa das erste Mal auf der Driving Range einen Ball getroffen habe und der richtig flog, bin ich Golf-Fan. Aus der DDR kannte ich Golf nicht, in England war das eine Pflichtveranstaltung. Und ich wäre wirklich gern Profigolfer geworden. Aber da sieht man, was mir Hansa bedeutet und wie bekloppt ich bin, das alles einfach komplett über Bord zu werfen. (lacht)

Manager Martin Pieckenhagen hat Ihnen bei einem Mittagessen von seinen Plänen mit dem Hansa-Nachwuchs berichtet. Sie haben sich Bedenkzeit übers Wochenende erbeten. Mussten Sie lange mit sich ringen, Ihren Traum aufzugeben?

Beinlich: Nein, nein. Ich habe mir für wichtige Entscheidungen schon immer Zeit genommen. Auch bei meinen Verträgen als Spieler. Ich wollte das alles nur erst mal mit meiner Frau und meinen Mädels besprechen. Das ist ja eine einschneidende Geschichte und nicht mit 40 Stunden pro Woche getan. Nichts mehr mit freien Wochenenden und ein bisschen golfen. Aber meine Familie ist auch von Hansa angefixt.

Haben Sie sich mit Pieckenhagen eigentlich mal ausgesprochen? Er war schließlich einer Ihrer größten Kritiker, als Sie noch selbst Hansa-Manager waren und hat Sie mit markigen Worten bedacht.

Beinlich: Wir hatten nie ein Problem miteinander, die Kritik war nie wieder Thema. In Deutschland herrscht Meinungsfreiheit, das gehört eben mit dazu. Wir sind damals wieder aus der Zweiten Liga abgestiegen, da konnte man schon einiges kritisch sehen.

Zu Ihrem neuen Job: Die größten Baustellen haben Sie schon geschlossen. Das Nachwuchsleistungszentrum hat bereits einen neuen administrativen und einen sportlichen Leiter. Uwe Ehlers hat das Traineramt bei der U19 übernommen. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Beinlich: Mein Vorgänger Stefan Karow war hier gleichzeitig noch sportlicher und administrativer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Das konnte gar nicht funktionieren. Da kann nur immer ein Bereich hinten runterfallen. Wenn wir wieder mehr Talente ausbilden und zu den Profis bringen wollen, muss die Struktur stimmen. Für ein Zwischenfazit ist es noch zu früh. Unsere Einarbeitungszeit läuft noch bis zum Sommer. Aber es hat hier ja auch nicht alles in Schutt und Asche gelegen.

Wissen die Jugendlichen von heute eigentlich, wen Sie vor sich haben, wenn sich Stefan "Paule" Beinlich bei Ihnen vorstellt?

Beinlich: Das kann ich mir nicht vorstellen! (lacht) Es sei denn, Mama oder Papa sind Hansa-Fans und haben ihre Kinder frühzeitig instruiert. Aber ich gehe mal davon aus, dass die 13- oder 14-Jährigen mal bei Google reingucken, wenn Sie hören, dass ich ein Ex-Profi bin. Außerdem hängen hier ja doch einige Bilder von mir als Spieler an den Wänden.

Nach Ihrer Vertragsunterschrift haben Sie daran erinnert, dass Hansa einst "eine der besten Talentschmieden Deutschlands" war. Was ist daraus geworden?

Beinlich: Das waren andere Zeiten. Hansa hat in der Bundesliga gespielt, als hier das Stadion, das Nachwuchsleistungszentrum und das Internat entstanden sind. Da gab es andere Möglichkeiten - besonders in finanzieller Hinsicht. Und auch wenn Hansa nach wie vor DER Verein in Mecklenburg-Vorpommern ist, ist die Konkurrenz um Talente viel größer geworden. Der HSV, Hertha BSC und auch Leipzig schauen hier genau hin. Aber natürlich müssen wir uns wieder der Aufgabe stellen, dass die besten Spieler Mecklenburg-Vorpommerns auch bei Hansa Rostock spielen.

Hansa hat ein "sehr, sehr ordentliches Geschäftsjahr" hinter sich. Dazu gab es zuletzt einen Bonus vom DFB für "vorbildliches Wirtschaften". Steckt Hansa jetzt wieder mehr Geld in die Nachwuchsarbeit?

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Beinlich: Ja! Das sieht man schon daran, dass hier die neuen Stellen geschaffen worden sind. Die Kabinen im Nachwuchsleistungszentrum werden renoviert, das Internat wird auf Vordermann gebracht. Wir müssen die A- und B-Junioren wieder in die Bundesliga führen, um auch für potenzielle Neuzugänge wieder interessanter zu werden. Das ist das große Ziel.

Um bei den Jugendlichen interessanter zu sein, wäre es auch nicht verkehrt, wenn die Profis die Rückkehr in die Zweite Liga schaffen würden. Wie haben Sie in den vergangenen Jahren die Entwicklungen verfolgt?

Beinlich: Als stiller Beobachter. Als Ehemaliger hat man es immer leicht. Aber ich habe es immer so gehalten, nichts zu sagen, wenn ich nicht nah genug dran war und nichts über die Hintergründe wusste. Und dabei bleibe ich auch. Natürlich wollen alle, die mit Hansa fiebern, wieder den Schritt in die Zweite Liga machen und das so schnell wie möglich. Aber das wollen blöderweise auch 19 andere Teams in der Liga.

Sind Sie froh, dass sie nun zwar an erfolgreicheren Zeiten bei Hansa mitarbeiten können, aber dafür nicht in der ersten Reihe stehen und den ganz großen Druck aushalten müssen?

Beinlich: Ich finde das super. Ich stand schon als Spieler nicht gern außerhalb des Platzes im Mittelpunkt und vor jeder Fernsehkamera. Jetzt für Hansa zu arbeiten, aber ohne den medialen Rummel, den ich auch als Manager hatte, liegt mir deutlich mehr. Deshalb habe ich auch bei dieser Interview-Anfrage zugesagt. Es sind ja nicht mehr so viele. (lacht)

Das Interview führte Florian Neuhauss, NDR.de

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 08.02.2020 | 14:00 Uhr