Die Co-Trainer Asif Saric (l.) und Lars Barlemann (M.) und Gerhard Zuber von Hannover 96 © imago images/Eibner-Pressefoto Foto: Kohring

Hannover 96: Die Auswärtsschwäche führt in die Krise

Stand: 23.11.2020 12:00 Uhr  | Archiv

Zehn Punkte aus acht Zweitliga-Spielen, Tabellenplatz zehn: Hannover 96 ist vom angepeilten Aufstiegskurs weit abgekommen. Die Auswärtsschwäche hat den Niedersachsen eine handfeste Krise beschert.

von Florian Neuhauss

Mit dem Spiel in Würzburg hätte sich ein Kreis schließen sollen. Mit einem 3:2-Sieg in der ersten Runde des DFB-Pokals war die Mannschaft von Trainer Kenan Kocak Mitte September erfolgreich in die neue Saison gestartet. Drei Auswärtsniederlagen in der Zweiten Liga später missglückte die Rückkehr nach Unterfranken gänzlich. Erst musste Kocak am Sonntag wegen eines Hexenschusses im Hotel bleiben, dann verloren die "Roten" trotz früher Führung 1:2 beim Tabellenletzten.

Das ausgegebene Ziel von Club-Boss Martin Kind (sechs Punkte aus zwei Spielen) war schon nach dem Heimspiel gegen Aue (0:0) nicht mehr zu erreichen gewesen. "Wir haben uns viel vorgenommen", sagte Co-Trainer Asif Saric, der Kocak in Würzburg als Chef vertrat, musste aber nach einer besonders in der zweiten Hälfte schwachen Vorstellung in Würzburg eingestehen: "Das war unter dem Strich zu wenig."

Probleme auf dem Platz und im Hotel

Vor dem Spiel hatte Kocak noch erklärt, seine Mannschaft sei "nicht so dumm und naiv", die in dieser Spielzeit bereits besiegten und in der Liga noch sieglosen Würzburger zu unterschätzen. Hinterher bemängelte Saric fehlende Kreativität, Unruhe bei eigenem Ballbesitz und "naive Gegentore".

Eigentlich hätte der Chefcoach seine Assistenten und die Mannschaft vom Hotelzimmer aus via Telefon anweisen sollen. Doch technische Probleme durchkreuzten die Pläne. "Ab der 60. Minute hatte er kein 'Sky'-Bild mehr", berichtete Saric. Kurz nach dem Ausgleich in der 53. Minute also war Kocak zum Zuhören verdammt.

Boss Kind bekennender Kocak-Fan - wie lange noch?

Das einzig Positive aus Hannoveraner Sicht ist, dass auch die Konkurrenz in Reihe patzt. Spitzenreiter HSV - sieben Punkte vor 96 - ist ebenfalls seit drei Spielen sieglos. Doch mittlerweile haben sich acht Mannschaften zwischen die beiden vor der Saison als klare Favoriten gehandelten Clubs geschoben. Der Trend der vergangenen Wochen spricht ganz klar für Teams wie Fürth oder Paderborn, die im selben Zeitraum jeweils neun Zähler eingefahren haben.

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Noch Anfang Oktober hatte Kind die Arbeit von Kocak und Manager Gerhard Zuber in den höchsten Tönen gelobt. Der 76-Jährige sprach beim "Sportbuzzer" von einer "super Leistung". Angesichts der hohen Personalkosten ("Wir haben mehr ausgegeben als eingenommen") betonte Kind aber auch, dass es "für diese Mannschaft kein anderes Ziel als den Aufstieg geben kann".

Trotzdem ist es bisher noch vergleichsweise ruhig in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Was sicher auch daran liegt, dass Entscheider Kind bekennender Kocak-Fan ist. Aber mit den Geschäftsprinzipien des Chefs haben auch schon seine zuvor gelobten Vorgänger - schneller als ihnen lieb war - irgendwann Bekanntschaft gemacht.

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