Stand: 28.03.2020 16:14 Uhr

HSV trennt sich von Vorstandschef Bernd Hoffmann

HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann und Vereinspräsident Marcell Jansen (v.l.) © picture alliance / Sven Simon Foto: Elmar Kremser
Veränderungen in der HSV-Führung: Bernd Hoffmann (l.) ist nicht mehr HSV-Vorstandsboss. Marcell Jansen (r.) neuer Aufsichtsratschef.

Der Machtkampf beim Fußball-Zweitligisten Hamburger SV ist mit einem personellen Paukenschlag zu Ende gegangen: Bernd Hoffmann ist nicht mehr Vorstandsvorsitzender der HSV Fußball AG, die Aufsichtsräte Max-Arnold Köttgen und Thomas Schulz legten mit sofortiger Wirkung ihre Ämter nieder. Ex-Profi und Vereinspräsident Marcell Jansen ist zum neuen Chef des nun nur noch fünfköpfigen Kontrollgremiums gewählt worden. Sportchef Jonas Boldt und Finanzvorstand Frank Wettstein werden die AG als Vorstandsduo weiter führen. Das gab der HSV am Samstagnachmittag nach einer mehr als vierstündigen Krisensitzung im Volkspark bekannt.

Jansen: "Voller Fokus auf die HSV-Interessen"

"Wir können uns in dieser schwersten Krisenzeit des gesamten Profifußballs keine Energieverluste und belasteten Vertrauensverhältnisse leisten. Der volle Fokus muss auf die HSV-Interessen gerichtet sein", begründete Jansen die Entscheidung.

"Ich hätte den HSV sehr gerne durch diese Krise geführt, muss aber akzeptieren, dass der Aufsichtsrat sich für einen anderen Weg entschieden hat", wird Hoffmann auf der HSV-Website zitiert. Köttgen erklärte, er halte Veränderungen im Vorstand aus seiner Sicht und "vor dem Hintergrund der aktuell zu bewältigenden Anforderungen" für "verfehlt".

Boldt und Wettstein hatten in den vergangenen Tagen noch einmal deutlich gemacht, dass eine Zusammenarbeit aus ihrer Sicht mit Hoffmann nicht mehr möglich sei. Sie sollen ihm angebliche Kompetenzüberschreitung und Alleingänge vorgeworfen haben. Auch Mäzen Klaus-Michael Kühne hatte öffentlich auf einen Führungswechsel gedrängt.

Zweites Aus nach 2011

Schon einmal war Hoffmann von der Spitze verdrängt worden. 2011 hatte ihm im Aufsichtsrat eine Zwei-Drittel-Mehrheit gefehlt, um seinen Vertrag zu verlängern. 2018 gelang ihm das Comeback, der Diplom-Kaufmann setzte sich in der Wahl zum Präsidenten des Gesamtvereins - wenn auch knapp - gegen Amtsinhaber Jens Meier durch. Viele verbanden mit Hoffmann eine erfolgreiche Zeit des HSV. Und er wurde auch nicht müde zu betonen, dass in seiner ersten Amtsperiode von 2003 bis 2011 der Traditionsclub unter anderem 78 Mal im Europapokal gespielt hatte.

Befürchtung der "One-Man-Show" bewahrheitete sich

Der unterlegene Meier mutmaßte hingegen, dass der Verein unter Hoffmann zu einer "One-Man-Show" werde. In der Tat wartete Hoffmann nicht lange, um personell alles auf den Kopf zu stellen: Er übernahm den Vorsitz im Aufsichtsrat und trennte sich Anfang März gleich von Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Jens Todt. Und auch Trainer Bernd Hollerbach musste gleich darauf gehen. Auf der Suche nach einem neuen Vorstandschef fand Hoffmann dann im Mai 2018 nur einen geeigneten Kandidaten: sich selbst. Erst interimsweise, im  darauffolgenden September dann ausgestattet mit einem Vertrag bis Juni 2021.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 28.03.2020 | 16:25 Uhr

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