Felix Magath, Head of FLYERALARM Global Soccer © imago images/GEPA pictures Foto: Christian Moser

HSV trifft auf Würzburg: Kickers-Boss Magath gegen die alte Liebe

Stand: 22.10.2020 10:53 Uhr

Zweitliga-Primus HSV empfängt am Sonnabend (13 Uhr) die Würzburger Kickers - und trifft auf Felix Magath. Der ehemalige Hamburger ist als "Head of Global Soccer" beim Hauptsponsor der neue starke Mann in Würzburg.

Falls sich Trainer Michael Schiele von den Würzburger Kickers nach den sich lange hinziehenden Vertragsgesprächen mit dem Club noch Illusionen hingegeben haben sollte, landete er schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen. Seine dreijährige Amtszeit, die er in diesem Sommer mit dem Aufstieg in die Zweite Liga gekrönt hatte, endete nach gerade einmal zwei Niederlagen in den ersten beiden Liga-Spielen. Hinzu kamen das verlorene Landespokalfinale im Elfmeterschießen gegen 1860 München und das Aus im DFB-Pokal gegen den klaren Favoriten Hannover 96.

Hatte Felix Magath nach der Vertragsverlängerung, die dem Vernehmen nach nur der Aufstieg möglich gemacht hatte, Anfang Juli noch gesagt, "Michael ist der richtige Mann, um diese schwierige Aufgabe in der 2. Bundesliga bei und mit den Kickers zu lösen", war das Ende September schon wieder alles vergessen.

Der Verein sei "zu der Überzeugung gekommen, das große Ziel Klassenerhalt - dem es alles unterzuordnen gilt - nur mit einem neuen Impuls erfolgreich anstreben zu können". In dieser Mitteilung wurde Magath nicht zitiert. Doch es darf davon ausgegangen werden, dass Schieles Nachfolger Marco Antwerpen, dessen Vertrag trotz des Aufstiegs mit Eintracht Braunschweig nicht verlängert worden war und dessen Verpflichtung zeitgleich mit Schieles Demission bekannt gegeben wurde, mehr Vertrauen bei Magath genießt.

Global steht zunächst für Deutschland und Österreich

Und davon hängt bei den Unterfranken seit Anfang dieses Jahres einiges ab. Hauptsponsor "Flyeralarm", der 49 Prozent der Anteile an der Profifußball-AG der Kickers hält, präsentierte Magath im Januar als den Chef einer großangelegten Kampagne. Das Globale in seinem Titel bezieht sich zunächst lediglich auf Deutschland und Österreich. Auch beim österreichischen Bundesligisten Admira Wacker Mödling, bei dem das Unternehmen als Investor aktiv ist, hat der 67-Jährige nun das Sagen. Hinzukommen soll "ein Projekt außerhalb Europas".

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Felix Magath © dpa - Bildfunk Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Felix Magath: Spielmacher-Genie und Meistertrainer

Felix Magath war während seiner aktiven Zeit Regisseur der großen HSV-Mannschaft in den 1980er-Jahren. Als Trainer gewann er Meistertitel mit Bayern München und dem VfL Wolfsburg. mehr

Die Ähnlichkeit zu den Fußball-Aktivitäten von "Red Bull", zu denen neben den Engagements in Leipzig und Salzburg auch solche in New York, Ghana und Brasilien gehören, ist sicher nicht ungewollt. Lange war beim österreichischen Brausehersteller mit Ralf Rangnick ebenfalls ein Deutscher der starke Mann.

Im Club viel zu sagen, auch ohne offizielles Amt

In seiner fast 25-jährigen Trainerkarriere mit einem Dutzend Stationen litt Magath selbst oftmals unter den Entscheidungen der Club-Verantwortlichen. Nicht von ungefähr war er am Ende sowohl in Wolfsburg als auch auf Schalke, beim FC Fulham in England und beim chinesischen SD Luneng längst nicht mehr nur Trainer, sondern zugleich auch der Manager.

Gut zwei Jahre war Magath nach seinem Aus im Reich der Mitte ohne Job. Dann kam die Online-Druckerei mit Sitz in Würzburg, großen Plänen und weitreichenden Kompetenzen für Magath. Unternehmens-Geschäftsführer Thorsten Fischer, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Kickers ist, sagte bei Magaths Vorstellung: "Es wäre ja fatal, Felix Magath reinzuquatschen. Das ist nicht meine Art. Und er hat viel mehr Ahnung von Fußball als ich." Dabei hat der Fußball-Experte bei den Kickers gar kein offizielles Amt.

Ziel: Aufstieg in die Bundesliga - und die "Vision Europapokal"

Felix Magath, Head of FLYERALARM Global Soccer © imago images/GEPA pictures Foto: Mario Kneisl
Felix Magath muss in Würzburg und bei Admira Wacker Mödling den Überblick behalten.

Dafür hat er das Große und Ganze im Blick - besonders das Große. "Ich werde alles dafür tun, dass größere Erfolge kommen", erklärte der gebürtige Aschaffenburger in der "Welt am Sonntag". Von Leipzig und Co. könne man lernen. "Es ist beeindruckend, was sie aufgebaut haben. Aber sie spielen nicht nur finanziell in einer anderen Liga, damit können und wollen wir uns hier nicht vergleichen. Wir werden aber auch eigene neue Wege gehen." Die Ziele sind aber dieselben: "Mit Durchschnitt und Mittelmaß kann ich nicht leben. Ich wollte schon immer nach ganz oben, wollte schon immer Titel."

Über kurz oder lang soll Würzburg in die Bundesliga aufsteigen. Magath sprach auch schon von seiner "Vision Europapokal".

Ex-Trainer Magath: "Auch ich hatte meine Zeit"

Doch der Weg bis dahin dürfte ein langer werden. Auch nach der Beurlaubung von Trainer Schiele ging es in Würzburg nicht bergauf. Der HSV, bei dem Magath letztmals 1997 auf der Trainerbank saß, empfängt als Tabellenführer den Letzten. Ein Punkt gegen Fürth und eine Niederlage gegen Kiel hat Antwerpen bisher verbucht.

Magath liebäugelte lange mit einer Rückkehr auf die große Fußball-Bühne in Deutschland. Doch nicht nur bei seinen Ex-Clubs Schalke ("Niemand würde auf die Idee kommen, mich anzusprechen") und HSV ("Diesen Laden müsste mal jemand aufräumen") war er nicht mehr gefragt. "Es hat alles seine Zeit, auch ich hatte meine Zeit", sagte der 67-Jährige bei seiner Vorstellung in Magath. Die Trainerkarriere ist beendet, ein Ende in Würzburg ist nicht abzusehen: "Ich gehe davon aus,  diese Tätigkeit endet erst, wenn alle zufrieden sind."

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